BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die wiedergewählte VDIV-Präsidentin Sylvia Pruß hat den Deutschen Verwaltertag 2026 in Berlin eröffnet. Vor mehr als 1.600 Teilnehmenden stellte sie die Rolle von Immobilienverwaltungen als Schlüsselakteure für die Umsetzung politischer Vorgaben im Gebäudebestand heraus. Sie forderte eine frühzeitige Einbindung der Branche in gesetzliche und förderpolitische Gestaltungsprozesse. Zudem nahm das Programm Digitalisierung und KI-Integration ebenso auf wie Reformbedarf im Wohnungseigentumsrecht.

Beim Deutschen Verwaltertag 2026 in Berlin stand weniger die Verwaltung als „Büroarbeit“ im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie stark sich der Gebäudebestand tatsächlich steuern lässt. Die wiedergewählte VDIV-Präsidentin Sylvia Pruß eröffnete die Veranstaltung unter dem Motto „Zukunft ist jetzt“ vor einem Fachpublikum von über 1.600 Teilnehmenden. In ihrer Eingangsposition rückte sie Immobilienverwaltungen in den Kern politischer Umsetzung: Wer Modernisierung, Instandhaltung und Entscheidungsprozesse rund um Wohnen beeinflussen will, muss die praktischen Akteure dafür frühzeitig einbinden – nicht erst, wenn Regelwerke bereits verabschiedet sind.
Aus technischer und organisatorischer Sicht lässt sich das als Forderung nach belastbaren Schnittstellen zwischen Gesetzgebung, Förderlogik und operativer Umsetzung lesen. Denn gerade im Bestand treffen neue Anforderungen typischerweise auf heterogene Datenlagen, unterschiedliche Zustände der Liegenschaften sowie auf komplexe Eigentümer- und Beschlussstrukturen. Wenn Pruß davon spricht, dass Regulierung nicht nur „theoretisch“ gut sein dürfe, sondern „verständlich, umsetzbar und praxistauglich“, zielt das auf die praktische Ausgestaltung: Welche Informationen müssen Verwaltungen erheben? Wie werden Nachweise bereitgestellt? Und wie lassen sich Prozesse so gestalten, dass sie trotz steigender Anforderungen wirtschaftlich bleiben.
Das zweitägige Fachprogramm macht diese Verzahnung sichtbar. Auf der Agenda stehen Digitalisierung und die Integration von Künstlicher Intelligenz, daneben Themen aus dem Wohnungseigentums- und Mietrecht sowie der notwendige Reformbedarf im Wohnungseigentumsrecht. Interessant ist dabei, dass juristische Weiterentwicklung und technologische Transformation gleichzeitig adressiert werden: KI wird in der Branche typischerweise nicht als „Selbstzweck“, sondern als Werkzeug für effizientere Abläufe diskutiert – etwa zur Unterstützung bei Analyse, Kommunikation oder Dokumentenmanagement. Gleichzeitig bleibt das rechtliche Fundament entscheidend, weil gerade im Wohnungseigentum Entscheidungen formal korrekt, nachvollziehbar und im Beschlusskontext kompatibel sein müssen.
In ihrem politischen Appell brachte Pruß konkrete Beispiele der vergangenen zwölf Monate ein. Der VDIV wirke aktiv in der Mietrechtskommission der Bundesregierung mit und habe dazu beigetragen, dass eine Weiterbildungspflicht für Wohnimmobilienverwalter erhalten blieb. Ebenso setzte sich der Verband gegen zusätzliche Auflagen eines sogenannten Gebäude-TÜV ein und engagierte sich für Förderkonditionen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur – mit dem Ziel, dass Entscheidungsprozesse von Wohnungseigentümergemeinschaften besser berücksichtigt werden. Diese Punkte zeigen, dass „Regulierung“ in der Praxis nicht nur neue Pflichten erzeugt, sondern auch indirekt darüber entscheidet, welche Modernisierungsmaßnahmen überhaupt umsetzbar sind und wer sie mit welchem Aufwand begleiten muss.
Gleichzeitig schlug Pruß in Berlin eine klare Brücke vom Bürokratieabbau zur Qualifikation. Sie warnte davor, Bürokratieabbau mit einer Reduktion professioneller Standards gleichzusetzen. Eine Abschaffung der Weiterbildung, so ihre Argumentation, würde nicht zu echter Entlastung führen, sondern Qualität und Verbraucherschutz abbauen. Für Unternehmen der Branche bedeutet das: Der Transformationsdruck kommt von mehreren Seiten – technologisch (Digitalisierung und KI), personell (Fachkräftemangel) sowie energetisch und technisch (Modernisierung). Wer in diesem Umfeld Personalplanung, Wissensmanagement und Prozessqualität nicht aktiv gestaltet, riskiert Reibungsverluste, die sich später in Haftungsrisiken oder in längeren Entscheidungswegen niederschlagen können.
Dass der VDIV seine Zukunftsausrichtung ausdrücklich „direkt“ als Auftrag versteht, rahmte die Präsidentin mit dem Motto „Zukunft ist jetzt“ und dem Selbstverständnis des Berufsstands. Immobilienverwaltungen bezeichnete sie als Fachleute für den Gebäudebestand, als Partner der Eigentümer, als Übersetzer zwischen Politik und Praxis sowie als Ermöglicher von Veränderungen – eine Positionierung, die über die klassische Verwaltungstätigkeit hinausgeht. Unterm Strich verband Pruß die politische Forderung nach früher Einbindung mit einem Branchenauftrag zur aktiven Kommunikation. Die zentrale Botschaft zum Auftakt lautete: „Ohne uns geht es nicht.“
Für die weitere Diskussion dürfte entscheidend sein, wie gut sich diese Rolle in der Praxis operationalisieren lässt. Digitalisierung und KI-Integration werden nur dann Akzeptanz und Wirkung entfalten, wenn sie mit den rechtlichen Anforderungen und den konkreten Abläufen in Eigentümergemeinschaften zusammenspielen. Dazu gehört auch, Prozesse so zu gestalten, dass sie den steigenden Informationsbedarf für Entscheidungen abdecken, ohne dass Verwaltungsaufwand unkontrolliert wächst. Der Verwaltertag macht damit deutlich, worauf es jetzt ankommt: weniger Nebenschauplätze, mehr durchgängige Umsetzungsketten vom Gesetz bis zur Baustelle.
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