LONDON (IT BOLTWISE) – Piper Sandler hat Anfang September die Coverage für fünf US-Chipwerte aufgenommen und jeweils ein Kaufvotum vergeben. Im Zentrum steht die erwartete Nachfrage nach Rechenleistung für KI, insbesondere durch agentische KI-Anwendungen. Analyst David O’Connor nennt dabei konkrete Kursziele und begründet die These mit Marktanteilen, Kapazitätsengpässen und weiteren Ausbaupfaden. Für Anleger bleibt entscheidend, wie schnell sich Nachfrage, Margen und Marktstellung im laufenden KI-Zyklus bestätigen.

Die Erwartungshaltung an die Chip-Industrie steigt erneut – und diesmal kommt der Impuls von einem US-Broker, der seine Einschätzung gleich auf fünf große Namen der Branche ausrichtet. Piper Sandler startet zum Monatsanfang die Beobachtung des Chipsektors und vergibt für NVIDIA, Broadcom, AMD, Marvell Technology und Arm Holdings jeweils ein Kaufvotum (Overweight). In der Argumentationslinie taucht ein klarer gemeinsamer Nenner auf: Die wachsende Nachfrage nach Rechenleistung für KI wird voraussichtlich nicht nur reibungslos in zusätzliche Kapazität übersetzt, sondern trifft dort auf Engpässe, wo Datenverarbeitung und Beschleunigungssysteme „gebaut“ werden müssen. Für die Kursfantasie dieser Titel ist damit weniger der reine Hype entscheidend, sondern die Frage, wer in diesem Aufbaupfad den größten Anteil an Wertschöpfung und ausgelieferten Systemen abgreift.
Bei NVIDIA setzt Piper Sandler besonders auf die Position als Anbieter von KI-Rechenleistung. Der Analyst stellt dem Unternehmen einen Marktanteil von 80 Prozent im Bereich KI-Rechenleistung in den Raum und betrachtet den Anbieter zugleich als „uneingeschränkten Marktf ührer“. Auffällig ist dabei die Kombination aus relativer Marktmacht und Bewertung: Mit einem Kursziel von 300 US-Dollar sieht Piper Sandler ein Aufwärtspotenzial von mehr als 36 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs von 219,34 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 17.09.2026). Als Bewertungsanker nennt der Bericht grob das etwa 14-Fache der für 2028 erwarteten Gewinne – also ein Niveau, das für zyklische Halbleiterinvestoren bereits „hoch“ wirkt, das der Analyst aber offenbar trotz anhaltender Nachfrage weiterhin als vergleichsweise günstig im Branchenvergleich einordnet.
Auch Broadcom wird in dieser Logik über Knappheiten adressiert – allerdings mit einem anderen Leistungsprofil. Piper Sandler verweist bei Broadcom auf die Rolle kundenspezifischer ASIC-Chips und ordnet dem Unternehmen einen Marktanteil von 75 Prozent zu. Der Kern der These lautet: Die Nachfrage soll das Angebot im Kernbereich „für das Geschäftsjahr 2027“ um das Doppelte übersteigen. Dazu passt eine konkrete Kapazitätsdimension: Der Analyst rechnet bereits mit einem Bedarf von rund 12 Gigawatt. Wird diese Größenordnung erreicht, ergibt sich aus dem Kursziel von 460 US-Dollar und dem letzten Schlusskurs von 347,30 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 17.09.2026) rechnerisch ein potenzielles Plus von etwa 32,5 Prozent. Technisch lässt sich dieser Engpassgedanke als Wechselwirkung aus Rechenzentrums-Ausbau, Stromversorgung, Kühlung und dem Bedarf an spezialisierten Komponenten lesen – Broadcom positioniert sich in dieser Gleichung über maßgeschneiderte Hardware, die Workloads für KI-Cluster effizienter macht.
AMD und Marvell Technology treten in der Begründung weniger als „Default-Sieger“ auf, sondern als Kandidaten für Wachstumsschübe aus spezifischen Segmenten. Bei AMD bezeichnet Piper Sandler das Unternehmen als idealen Nutznießer der „agentischen KI-Welle“ – und knüpft das an Marktanteilsgewinne bei Server-Prozessoren. Zusätzlich spielt der Hochlauf der Helios-Grafikchips eine Rolle, wobei OpenAI, Meta und Anthropic als Ankerkunden genannt werden. Das Kursziel für AMD liegt bei 600 US-Dollar; daraus leitet sich ein Aufwärtspotenzial von rund 10 Prozent gegenüber 545,09 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 17.09.2026) ab. Interessant ist außerdem der Ausblick auf die Ergebnisentwicklung: Bis 2030 traut der Analyst AMD ein jährliches Gewinnwachstum von 65 Prozent zu. Marvell Technology wiederum wird mit einem Kursziel von 270 US-Dollar bewertet, was etwa 12 Prozent über dem letzten Schlusskurs von 240,76 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 17.09.2026) liegt. Als Treiber nennt Piper Sandler die Datacenter-Sparte und eine mit 120 Milliarden US-Dollar bezifferte Vereinbarung mit Google, die als potenziell „transformativ“ eingeordnet wird; als möglicher kurzfristiger Kurstreiber gilt zudem ein Analystentag am 6. Oktober.
Während NVIDIA und Broadcom stark über ihre Rolle in der Rechenleistung bzw. in der Beschleuniger-Hardware argumentiert werden, richtet sich der Blick bei Arm Holdings stärker auf das Geschäftsmodell rund um Prozessor-Lizenzen – und auf die Ergänzung durch eigene Chip-Designs und geistiges Eigentum für Beschleuniger. Piper Sandler nennt ein Kursziel von 320 US-Dollar, was gegenüber 264,90 US-Dollar (Stand: Schlusskurs vom 17.09.2026) etwa 21 Prozent Aufwärtspotenzial entspricht. Der strategische Punkt dahinter: Wer sowohl IP über Lizenzmodelle als auch eigenen Hardware-Output adressiert, kann perspektivisch stärker von der Wertschöpfung in KI-Umgebungen profitieren. Der Analyst geht dabei sogar so weit, dass der Gewinn sich „perspektivisch“ verdoppeln könnte, was allerdings impliziert, dass der Ausbau eigener Designs tatsächlich in messbaren Umsatz- und Margenbeiträgen landet – ein Prozess, der in der Halbleiterwelt typischerweise von Design-Wins, Time-to-Market und Ökosystem-Integration abhängt.
Für Anleger stellt sich damit weniger die Frage „welcher Chipwert ist der einzige Gewinner“, sondern „welcher Teil der KI-Infrastruktur skaliert am schnellsten, und wer monetarisiert die Engpässe am besten“. Piper Sandler setzt in seiner Kaufargumentation vor allem auf den Ausbau der KI-Infrastruktur; die einzelnen Titel werden dabei über unterschiedliche Hebel erklärt: NVIDIA über Marktführerschaft bei KI-Rechenleistung, Broadcom über ASIC-Engpässe und Energiebedarfsdimensionen, AMD über Server-Prozessoren plus GPU-Hochlauf, Marvell über Datacenter-Dynamik sowie Liefer-/Kooperationspfade und Arm über Lizenzen plus eigene Beschleuniger-Strategie. Ob sich die Kaufthese bestätigt, hängt in der Praxis auch an Timing-Events: Beim Marvell-Analystentag am 6. Oktober wird der Markt besonders genau hinschauen, weil dort die Erwartungen an Nachfragekurven und Umsetzungstempo verifiziert werden können. Bis dahin bleibt offen, ob weitere Häuser die Einschätzung übernehmen – und ob die ambitionierten Kursziele tatsächlich durch Nachfrage, Margen und Marktanteilsentwicklung im laufenden KI-Zyklus „eingelöst“ werden.
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