LONDON (IT BOLTWISE) – Robert Kiyosaki warnt erneut vor einem „größten Börsen- und Anleihemarktcrash der Geschichte“, der seiner Darstellung nach bereits begonnen habe und sich weltweit ausbreite. Als Auslöser nennt er unter anderem den KI-Hype, den Krieg im Iran, hohe Verschuldung sowie den Ruhestand der Babyboomer-Generation. Zur Absicherung empfiehlt er Sachwerte und nennt konkret Gold, Silber, Bitcoin und „renditestarke Immobilien“. Gleichzeitig bleibt unklar, wie sich seine Thesen kurzfristig mit der derzeit stabilen Stimmung an den Aktienmärkten vertragen.

Robert Kiyosaki macht die Kombination aus „KI-Hype“, geopolitischen Spannungen und einer aus seiner Sicht überdehnten Schuldentragfähigkeit für eine neue Marktphase verantwortlich. In einem Beitrag auf X erklärte er, der von ihm erwartete Mega-Crash sei „in Europa und Japan“ gestartet und werde sich nun über die ganze Welt fortsetzen. Diese Argumentationskette ist dabei weniger eine einzelne Wette auf einen bestimmten Auslöser als ein Gesamtbild: Er verknüpft technologischen Aufbruch mit einer wirtschaftlichen Überlastung und versucht so, die Dringlichkeit seiner Warnung zu unterstreichen.
Technisch betrachtet ist Kiyosakis Bezug auf den „KI-Hype“ vor allem ein Narrativ, das aus seiner Sicht reale Kapitalmarktfolgen nach sich ziehen wird. Er stellt den Technologieboom jedoch nicht isoliert dar, sondern kombiniert ihn mit Krieg im Iran, hoher Verschuldung und dem Ruhestand der Babyboomer-Generation. Die Mischung wirkt wie ein Katalog von Faktoren, die in der Praxis unterschiedlich auf Zins, Risikoaufschläge und Konsumnachfrage einwirken: An der einen Stelle steht die Erwartung von schnellen Veränderungen, an der anderen die klassische Makro-Mechanik über Schuldenstände und demografische Geldflüsse. Seine historische Analogie zur Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1954 soll genau diese Kausalität plausibilisieren.
Im Kern empfiehlt Kiyosaki Anlegern eine Absicherung gegen eine mögliche Dollar-Entwertung – allerdings nicht als rein spekulatives „Timing“, sondern über eine Mischung aus Substanz und Umgehung von Bargeld. Er setzt auf „eigene unternehmerische Tätigkeit“, nennt „renditestarke Immobilien“ und erwähnt außerdem Förderanlagen für Öl. Ergänzend plädiert er ausdrücklich dafür, nicht in Bargeld zu sparen, sondern in Gold, Silber und Bitcoin – mit dem Hinweis, dass er das „Drucken von Falschgeld“ als künftigen Prozess erwartet. Gleichzeitig bleibt er trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer bei Bitcoin bei der Rolle als strukturelle Absicherung gegen einen erwarteten Dollarverfall.
Was diese Strategie für das Marktgeschehen bedeutet, zeigt sich im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erwartung und kurzfristiger Kursdynamik. In seinem Beitrag und in nachfolgenden Aussagen betont er, es gebe noch „ein wenig Zeit“ zur Vorbereitung. Auf X formulierte er dazu: „Bitte mach dich nicht zum Opfer. Es bleibt noch ein wenig Zeit, bevor Eltern und Kinder aufwachen und die Panik sowie der Ansturm auf die Banken beginnen“. Diese Dringlichkeit ist zugleich der Punkt, an dem Kritiker ansetzen: Die Warnformel „nicht ob, sondern wann“ gilt vielen Beobachtern als Eingeständnis, dass der exakte Zeitpunkt nicht bekannt ist.
Die Skepsis bekommt zusätzlichen Rückenwind durch Kiyosakis eigene Vergangenheit. Laut dem Text hat er bereits 2002 mit „Rich Dad’s Prophecy“ einen Mega-Crash angekündigt und im Frühjahr 2020 vor einem Kollaps gewarnt, zeitlich nah an eine Phase starker Kursbewegungen an den Aktienmärkten. Genau diese Wiederholung führt bei Teilen der Community auf X zu Hohn und Widerspruch. Ein Nutzer verwies darauf, dass das von ihm dargestellte Diagramm die „extrem positive“ Entwicklung des Aktienmarkts in den letzten Jahrzehnten zeigt, und machte damit implizit die Diskrepanz zwischen Prognose und Realität zum Argument.
Während Kiyosaki also das Wendefenster in den nächsten Monaten aus seiner Sicht offen hält, lässt sich an den Märkten derzeit zumindest kein unmittelbarer „Crash“-Impuls ablesen. Der Text stellt fest, dass sich der erwartete Einbruch im Aktienbereich derzeit kaum ausmachen lasse und sowohl in Europa als auch in Japan keine massiven Verschiebungen sichtbar seien. Daneben wird auch die Wall-Street-Perspektive adressiert: Mehrere US-Häuser hätten ihre Jahresendziele 2026 für den S&P 500 angehoben, unter anderem mit Verweis auf starke Unternehmensgewinne im zweiten Quartal. Für Anleger entsteht daraus ein klassischer Zielkonflikt zwischen Makronarrativ und operativer Fundamentallage: Ob sich die Stimmung wie von Kiyosaki skizziert dreht, oder ob die angehobenen Ziele tatsächlich tragen, müsse sich laut Einordnung erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.
Für Unternehmen und Finanzentscheider ist der eigentliche Nutzen der Debatte weniger die Frage, ob der von Kiyosaki prognostizierte Zeitraum exakt eintritt, sondern wie solche Aussagen Risiko- und Absicherungslogiken im Retail wie im halb-institutionellen Umfeld beeinflussen. Wenn Sachwerte, Gold und Krypto wieder stärker in den Vordergrund rücken, kann das die Nachfrage nach bestimmten Hedge-Mechanismen verändern – etwa über Liquiditätspräferenzen oder über die Frage, welche Rolle alternative Vermögenswerte in Portfolios spielen. Gleichzeitig sollte die Kritik an wiederholten Crash-Vorhersagen in die eigene Risikokommunikation einfließen: Wer intern Szenarien plant, kann Kiyosakis Thesen als Stresstest für „Dollarkorrektur“- und „Zins-/Schuldendruck“-Szenarien nutzen, ohne daraus eine blindlings übernommene Zeitschiene abzuleiten.
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