LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Finanzministerium (OFAC) hat eine iranische Krypto-Exchange und weitere Akteure sanktioniert, die Zahlungen für Transitgebühren am östlichen Eingang des Persischen Golfs ermöglichen sollen. Im Zentrum steht ein System, das zunächst als „Safe-Passage“-Gebühr und später als „Versicherungs“-Entgelt beschrieben wurde. Zahlungen wurden nach Angaben der US-Behörden unter anderem in Bitcoin und stablecoin-nahen Assets abgewickelt. Zusätzlich trifft es mit BitBank auch die Software- und Zahlungsinfrastruktur, die in der Ermittlungslogik an das Umfeld von Babak Zanjani gekoppelt ist.

Die neue Sanktionsrunde aus Washington trifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern gleich eine ganze Zahlungs- und Vermittlungskette rund um den Seeweg durch die Straße von Hormuz. Im Kern geht es nach Angaben des U.S. Treasury Office of Foreign Asset Control (OFAC) um einen iranischen digitalen Austauschdienst, der mit einer maritim ausgerichteten „Safe Marine Services Authority“ verknüpft sein soll. Diese Organisation wird als Front beschrieben, die eine finanzielle „fee-for-transit“-Mechanik unterstützt, mit der sich Einnahmen im Umfeld der wichtigen Schifffahrtsroute organisieren lassen. Entscheidend ist dabei die Brücke zwischen maritimen Dienstleistungen und Krypto-Zahlungen: Die US-Behörden legen nahe, dass sich so Transaktionsspuren enger an eine in der Praxis genutzte Bezahlarchitektur koppeln lassen, statt nur klassisch über Banken zu laufen.
Historisch betrachtet ist das Muster kein völlig neues: Bereits seit Jahren versuchen staatlich beeinflusste Akteure, Ströme über wechselnde Dienstleister umzulenken, um Zölle, Gebühren oder „Versicherungs“-Mechanismen abzubilden, die formal wie kommerzielle Leistungen wirken. Im konkreten Fall datiert die US-Seite auf einen Zeitraum, in dem iranische Kräfte eine zunächst informelle Praxis etabliert haben sollen, Safe-Passage-Gebühren zu verlangen. Laut Treasury begann diese Praxis im Umfeld der frühen Phase von US- und israelsseitig beschriebenen Luftschlägen, wobei im Text von einer möglichen Größenordnung von bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Transit die Rede ist. Später sei daraus eine „Versicherungs“-Zahlung formalisiert worden, die durch Organisationen wie „Hormuz Safe“ und eine vergleichbare „Persian Gulf Marine Insurance Company“ abgewickelt worden sein sollen. Für die operative Wirkung ist weniger die genaue Bezeichnung als die Umsetzung relevant: Eine „Versicherung“ kann in der Schifffahrt als eine übliche Risikokomponente erscheinen, während Gebühren gleichzeitig eine planbare Finanzierungsquelle schaffen.
Technisch und prozessual wird die Sache dadurch besonders greifbar, dass OFAC Zahlungsverarbeitung über Krypto explizit als Teil der Infrastruktur beschreibt. Die im Verfahren genannte Marke „HormuzSafe“ positioniert sich laut US-Angaben als „digital insurance“-Anbieter und wirbt offenbar mit einer sehr hohen „safe transit“-Quote von 99,9 Prozent. In der Darstellung der Behörde gehört dazu auch, dass Zahlungen über Bitcoin sowie über dollargebundene Stablecoins, Kreditkarten und Überweisungen akzeptiert worden seien. Für Unternehmen und Dienstleister in der Krypto-Ökonomie heißt das: Es geht nicht um „einmalige“ Token-Transaktionen, sondern um eine Zahlungs-Pipeline, die unterschiedliche Frontends bündelt. Genau solche Komponenten sind typischerweise dort relevant, wo Compliance- und Risikomodelle in der Praxis ansetzen – etwa beim On-Chain- und Off-Chain-Tracking, bei Herkunfts-/Ziel-Clusterlogiken oder bei der Prüfung von Dienstleistern, die Liquidität zwischen Fiat- und Krypto-Welt überführen.
Im Folge-Schritt hat das Treasury dann eine zweite Stufe adressiert: Zusätzlich zur sanktionierten Exchange bzw. zum Zahlungsdienst rund um Hormuz Safe wird auch BitBank ins Visier genommen. OFAC ordnet BitBank als Zahlungs- und Handlingsystem ein, das wiederum in das „Ecosystem“ von Finanzdienstleistern eingebettet sein soll, die mit Babak Zanjani verknüpft sind. Zanjani wird im Text als Regime-Insider beschrieben, gegen den in der Vergangenheit ein Todesurteil ergangen sein soll; außerdem wird erwähnt, dass er später freigelassen worden sei und anschließend Frontunternehmen sowie Werkzeuge zum Geldwäsche-Transfer habe aufbauen dürfen. Diese biografische Komponente ist in der Logik der Behörde wichtig, weil sie erklären soll, warum ein konkreter Zahlungsdienst nicht als isoliertes Tool betrachtet wird, sondern als Baustein eines wiederverwendbaren Konstrukts zur Umgehung von Sanktionen. Entscheidend bleibt aber die Systemebene: Treasury führt aus, dass Zanjani-„Unternehmen“ sowohl öffentlich sichtbare kommerzielle Ventures als auch verdeckte Plattformen bereitgestellt hätten, um Sanktionserwägungen zu umgehen und staatlich verknüpfte Akteure zu unterstützen.
Gleichzeitig erweitert die Behörde den Kreis der Betroffenen, indem sie auch den Entwickler der BitBank-Software sowie mehrere Führungspersonen in Zanjani-nahen Digital-Finance-Strukturen nennt. Im Text werden Pishtaz Simorgh Electronic Trade Company als Software-Entwickler sowie drei namentlich genannte Executives aufgeführt: Hossein Ali Zaker Hossein, Mohammad Mahdi Zaker Hossein und Seyed Adel Heidari. Zanjani selbst gilt laut OFAC zudem als bereits sanktioniert, ebenso die Holdinggesellschaft Dot One. Für die Markt- und Tech-Perspektive ist daran bemerkenswert, dass nicht nur „Banken“ oder klassische Zahlungsabwickler markiert werden, sondern explizit Software-Komponenten und Rollen in der operativen Kette. Das verschiebt die technische Angriffsfläche: Wenn ein System wie BitBank nicht nur als Front, sondern auch als Plattform gedacht ist, dann wird typischerweise das gesamte Setup aus Wallet-/Payment-Routing, Nutzeranbindung, Abrechnungslogik, Integrationen und technischen Schnittstellen zum Ziel. Daraus folgt für IT- und Produktverantwortliche, dass „nur“ die Oberfläche einer Krypto-Exchange nicht genügt, wenn dahinter klar identifizierbare Zahlungs- und Transaktionsabläufe stehen.
Die politische Botschaft des Treasury fällt dabei direkt aus den Formulierungen im Artikel: Scott Bessent warnt, dass Bemühungen, ein iranisches Regime über Kryptowährungen zu finanzieren, nicht außerhalb der Reichweite der OFAC-Prüfung liegen. In der konsequenten Lesart zielt die Sanktionierung darauf, sowohl Liquidität als auch die technische Umsetzbarkeit solcher Modelle zu erschweren. Für Unternehmen, die Krypto-Zahlungen für Handel, Versicherungsähnliche Services oder maritime Wertschöpfungsketten abwickeln, wird das zu einer praktischen Frage der Lieferketten-Transparenz: Wer ist der tatsächliche Zahlungsempfänger, welche Software oder Zahlungsinfrastruktur vermittelt die Abwicklung, und wie stark lassen sich Front-Setups von der wirtschaftlichen Zweckbestimmung trennen? Gerade in Szenarien, in denen „Versicherungen“, „Safe-Passage“-Pakete oder Notfall-Services als Teil eines Angebots auftreten, liegt die technische Hürde in der Verknüpfung von Produktdaten, Vertragsobjekten und Zahlungsrouten – nicht allein im Token-Format. Der Fall zeigt damit, wie schnell sich Krypto-gestützte Zahlungsarchitekturen in geopolitische Konfliktzonen hineinziehen lassen und wie eng Produkt-Design, Risiko-Modelle und Sanktionsscreening inzwischen miteinander gekoppelt sind.
Ausblickend dürfte die Relevanz für die KI- und Datenwelt vor allem im Bereich Monitoring und Mustererkennung liegen: Wenn sich „Versicherungs“-Bezeichnungen und Wallet-Routen wiederholen, werden Datenwissenschaft und KI-gestützte Graph-Analysen zu Werkzeugen, die früh warnen können. Gleichzeitig bleibt die Realität für Rechenzentren, Payment-Provider und Sicherheitsverantwortliche hart: Mit jeder neuen sanktionierten Komponente verlagert sich die Umgehungslogik typischerweise auf bislang weniger beobachtete Schnittstellen – etwa alternative technische UIs, abgewandelte Zahlungsanbieter oder Software-Module, die Rollen zwischen Frontend und Abrechnung neu verteilen. In diesem Umfeld wird es für Betreiber von Krypto-Services und für maritime Dienstleister mit Zahlungsanbindung entscheidend, nicht nur IP- und Domain-Screening zu betreiben, sondern auch die technische Identität von Zahlungsflüssen über mehrere Ebenen hinweg zu prüfen. Genau das macht die aktuelle Maßnahme aus Sicht von Tech-Teams so bedeutend: Sie liefert ein konkretes, technisch verwertbares Beispiel dafür, welche Schichten einer digitalen Zahlungsinfrastruktur im Sanktionskontext zunehmend unter Druck geraten.
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