MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ororatech liefert satellitengestützte Früherkennung von Waldbränden und verknüpft Infrarotdaten mit Software für Monitoring und Alarmketten. Der CEO Martin Langer nennt den Ausbau der Hardware- und Kamerakapazitäten als Weg, um schneller mit US-Anbietern mitzuhalten. Das Startup will in den kommenden Jahren die 100-Mill.-Euro-Marke erreichen und setzt dafür auf ein größeres Netzwerk aus Infrarot-Sensoren. Parallel entstehen Kooperationen, die eine deutlich nähere Echtzeitbeobachtung ermöglichen sollen.

Wer Waldbrände heute mit Satelliten überwacht, muss nicht nur die Daten liefern, sondern vor allem die Lücke zwischen „sichtbar“ und „handlungsfähig“ schließen. Ororatech adressiert genau diesen Engpass: Das Münchner Startup betreibt eine Software zur Flächenüberwachung, die aus einer Kombination teils firmeneigener Satellitenkameras und öffentlich verfügbarer Satellitendaten gespeist wird. Damit landet das Unternehmen in einem Markt, der durch extreme Ereignisse schneller wächst, als viele Versicherer und Einsatzorganisationen ihre Prozesse bislang angepasst haben. Hintergrund ist unter anderem, dass eine Studie von Swiss Re die Kosten durch Waldbrände im vergangenen Jahr mit 40 Mrd. Dollar für die globale Versicherungswirtschaft beziffert und die versicherten Schäden jährlich um geschätzte 12% steigen sieht.
Technisch beginnt das System bei der Detektion: Ororatech setzt auf Infrarotkameras, deren Auflösung nach Unternehmensangaben so hoch ist, dass Brände bereits ab der Größe eines Autos erkennbar sein sollen. Aus diesen Messwerten entsteht dann die operative Ebene für Kunden aus dem öffentlichen und privaten Sektor. Die Plattform bietet neben dem dauerhaften Monitoring konkrete Funktionen fürs Waldbrandmanagement, etwa automatische Benachrichtigungen bei Brandausbrüchen. Abgerechnet wird typischerweise über einen monatlichen Betrag, der sich nach der beobachteten Fläche richtet – ein Modell, das den Aufwand der Datenverarbeitung und die Auswertungsfrequenz in einen nachvollziehbaren Kostenrahmen überführt.
Ororatech berichtet zugleich, dass das Geschäft nicht nur aus Pilotprojekten besteht, sondern bereits in skalierende Nutzungszahlen übergeht. CEO Martin Langer sagt, man könne „jetzt schon schwarze Zahlen schreiben“, die Münchner investierten aber gezielt, um im Wettbewerb mit US-Anbietern mitzuhalten. Aktuell arbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben mit rund 110 Kunden aus verschiedenen Weltregionen, darunter Behörden, Forstbetriebe und Versicherer; die Belegschaft liegt bei gut 180 Mitarbeitenden. Für die nächsten Jahre formuliert Langer ein konkretes Ziel: den Sprung über die 100-Mill.-Euro-Marke. Interessant ist dabei, dass das Startup sein Wachstum nicht primär durch mehr Softwarelizenzen vorantreiben will, sondern durch zusätzliche Sensorik – denn gerade bei der Früherkennung ist die Signalqualität stark an die Bildaufnahmehäufigkeit und die Abdeckung des Kameranetzwerks gekoppelt.
Genau deshalb verschiebt Ororatech auch den geografischen Fokus. In den kommenden Jahren will sich das Unternehmen stärker auf Zentraleuropa konzentrieren, weil das Thema in dieser Region zwar früher weniger akut gewesen sei, inzwischen aber an Relevanz gewonnen habe. Länger anhaltende Trockenperioden und wärmere Sommer erhöhen das Waldbrandrisiko auch in Ländern wie Deutschland und Österreich. Allerdings bremse in manchen Fällen noch eine gewisse Zurückhaltung, wenn es darum geht, Waldbrandbekämpfung mit neuen Technologien anzugehen. Diese Kombination aus steigender Notwendigkeit und unvollständig ausgerollten Einkaufszyklen erklärt, warum ein Hardware-Rollout oft doppelt wirkt: Er verbessert die Leistungsfähigkeit der Detektion und senkt zugleich die Hürde, bestehende Verfahren auf eine neue Toolkette umzustellen.
Beim Ausbau seines Kamera-Netzwerks nennt Ororatech eine klare Wachstumslogik. Bislang betreibt das Unternehmen 19 eigene, kamerabestückte Satelliten im niedrigen Erdorbit. Ergänzend werden Satellitendaten von mehr als 25 öffentlich zugänglichen Quellen genutzt, etwa von der Esa oder der Nasa. Zusätzlich läuft der Ausbau über Partnerschaften: Ororatech arbeitet mit dem französischen Satellitenbetreiber Eutelsat zusammen und will in den kommenden Jahren rund 100 Infrarot-Sensoren auf dessen Satelliten integrieren. Dadurch soll sich das Netzwerk rechnerisch versechsfachen – und Langer verbindet diese Größenordnung direkt mit einem Zielbild nahe an Echtzeit: Jeder Punkt auf der Erde würde alle 15 Minuten gescannt, wodurch Einsatzkräfte Brände früher erkennen und schneller disponieren können.
Wettbewerb entsteht dabei nicht nur über Technologie, sondern auch über Kapitalzugang. In den USA bauen Anbieter laut dem Gespräch gezielt ihre Satellitennetze aus und gewinnen dafür Investoren. Ein prominentes Beispiel ist Muon Space, das zusammen mit der Non-Profit-Organisation Earth Fire Alliance und Google an einer „Firesat“-Konstellation arbeitet. In einer Finanzierungsrunde hat Muon Space Mitte August 250 Mill. Dollar eingesammelt; die Konstellation soll ab den 2030er-Jahren etwa 50 Satelliten umfassen. Für Ororatech ergibt sich daraus eine zweifache Aufgabe: Einerseits braucht es ein eigenes Angebot, das in der Praxis zuverlässig funktioniert, andererseits muss die zeitliche Entwicklung des Netzwerks zur globalen Nachfrageentwicklung passen.
Auch finanziell bleibt der Ausbau intensiv. Ororatech ist seit Gründung rund 60 Mill. Dollar eingeflossen, unter anderem von BNP Paribas und Rabo Ventures. Dass das Startup aktuell noch unprofitabel ist, scheint potenzielle Geldgeber laut Langer dennoch nicht zu bremsen, denn das Unternehmen befindet sich in Finanzierungsverhandlungen in einer „extrem guten Position“. Der CEO beschreibt dabei eine breite Investorenspanne, die von Infrastruktur- und Growth-Investoren über Staatsfonds bis hin zu Private Equity reicht. Für die nächsten Schritte bedeutet das: Entscheidend wird, ob das zusätzliche Sensor- und Netzwerk-Potenzial die Datenqualität im Feld messbar erhöht und damit die Kundenbindung stärkt – denn bei Waldbrand-Management entscheidet nicht nur die Abdeckung, sondern vor allem die Geschwindigkeit vom ersten Wärme-Signal bis zur konkreten Alarmierung.
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