WÜRZBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Penice tritt in einer neuen Runde der „Höhle der Löwen“ mit einem Pflegegel für den männlichen Intimbereich an. Der Anbieter verspricht geruchsbindendes Zink statt Duftüberdeckung und positioniert das Gel ausdrücklich als tägliche Routine. Bis zum Verkaufsstart verweist das Unternehmen auf eine Warteliste mit 20 Prozent Rabatt. Entscheidend wird, ob der Shop rechtzeitig online geht und ob die Wirkung nachvollziehbar belegt wird.

Penice trifft bei „Höhle der Löwen“ auf ein Thema, das vielen Männern unangenehm ist – und genau deshalb in einer TV-Sendung schnell zu Gesprächsstoff wird. Markus Flagner aus Würzburg bringt in Folge 3 ein Pflegegel mit dem Namen Penice Daily Gel mit und adressiert damit Geruch im männlichen Intimbereich. Während andere Produkte in der Kategorie vor allem mit Frischeduft oder allgemeinen Pflegeversprechen arbeiten, setzt das Konzept stärker auf die Idee, Geruchsmoleküle gezielt zu binden, bevor sie sich bemerkbar machen. Für den Pitch heißt das: Es geht nicht nur um ein Toilettenprodukt, sondern um die Frage, ob ein klar abgegrenzter Use Case in ein kaufbares, skalierbares Angebot übersetzt wird.
Technisch und konzeptionell wird Penice über den Wirkmechanismus Zink erklärt. Nach Anbieterangaben soll geruchsbindendes Zink zusammen mit Pflanzenextrakten die Geruchsbildung oder -wahrnehmung im Alltag reduzieren. Zusätzlich wird hervorgehoben, dass das Gel parfümfrei und ölfrei ist und dass die Rezeptur laut Darstellung in Deutschland hergestellt und abgefüllt wird. Inhaltlich ist das relevant, weil „parfümfrei“ in der Intimpflege häufig als Vertrauenssignal verstanden wird: Es geht dann weniger um maskierende Duftnoten als um Verträglichkeit und Alltagstauglichkeit. Trotzdem bleibt die zentrale Prüffrage bestehen, wie gut die Rezeptur gerade in diesem Anwendungsbereich wirkt – zumal der Anbieter keine eigene Studie als Beleg in Aussicht stellt.
Auch die Produktanwendung ist klar auf Routine ausgelegt. Beim Duschen wird der Intimbereich gereinigt, danach soll eine erbsengroße Menge auf Eichel und Leiste verteilt und einziehen gelassen werden; ein Abspülen ist nicht vorgesehen. Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied gegenüber klassischen Waschgels oder parfümierten Intimwaschlotionen, hat aber praktische Folgen: Wenn die Anwendung täglich funktioniert, sinkt die Hürde für eine regelmäßige Kaufentscheidung. Gleichzeitig entsteht eine Abhängigkeit von der Erwartungshaltung der Kundschaft. Wer bisher „sauber“ als Standard empfindet, entscheidet bei Penice eher über die zweite Ebene – „frisch genug für den Alltag“ – und genau dort wird im Marketing die psychologische Komponente besonders wichtig. Der Name selbst spielt mit dem Wort „Penis“ und dem englischen „nice“, was im TV Aufmerksamkeit erzeugt, jedoch im E-Commerce ebenfalls die Produkterkennung beeinflusst.
Für den Markteintritt ist der Zeitpunkt der Vermarktung derzeit der größte Risikohebel. Zum Sendetermin ist der Verkauf noch nicht gestartet; die Seite kündigt den Start bei Amazon an und sammelt bis dahin Adressen für eine Warteliste, die beim Verkaufsstart 20 Prozent Rabatt verspricht. Ein solches Setup kann zwar das frühe Interesse bündeln, in der Praxis ist es aber auch eine Test-Phase für die Conversion-Rate: Wenn Zuschauer nach dem Pitch suchen, landen sie möglicherweise nicht im Warenkorb, sondern zunächst auf einer Warteliste. Genau solche Reibung ist gefährlich, weil die Aufmerksamkeit nach einem Sendeabend nur begrenzt anhält und andere Pitch-Kandidaten aus derselben Staffel ihre Shops zum Termin bereits geöffnet hatten. In einem Segment, in dem Kunden aus Scham oder Unsicherheit eher online kaufen als im Laden nachfragen, entscheidet der reibungslose Weg zum Checkout besonders stark darüber, ob aus Interesse Umsatz wird.
Wirtschaftlich bekommt der Pitch zusätzlich eine Mischung aus Problemverständnis und Zahlenlogik. Penice nennt eine eigene Marktdatenbasis: Laut Anbieterangaben waren 63 Prozent der befragten Männer in den vergangenen zwölf Monaten unsicher, ob sie im Schritt „frisch genug“ sind. Die Erhebung soll über einen Crowd-Research-Dienst gelaufen sein und jeweils 99 Männer und 99 Frauen in Deutschland im Januar 2026 umfasst haben. Genau hier muss man einordnen: Die Stichprobe ist zwar überschaubar, liefert aber eine Argumentationslinie für das Produktziel. Die konkrete Bewertung aus der Sendung – 70.000 Euro für 25,1 Prozent – wird im Marktumfeld schnell als Signal verstanden. Eine solche Nachkommastelle ist ungewöhnlich und hat mit gesellschaftsrechtlichen Schwellen zu tun, kann aber auch einfach ein Resultat der Verhandlungsdynamik im Pitch gewesen sein. Für die praktische Bewertung zählt am Ende, ob Penice schneller als die Konkurrenz von der Idee zur wiederkehrenden Nachfrage kommt.
Inhaltlich tritt Penice gegen mehrere andere Startups an, die ebenfalls auf ein klares Kundenproblem zielen. Genannt werden ein automatisiertes Pflanzsystem aus Erlangen, ein Abflussreiniger ohne Chemie sowie weitere Produkte rund um zuckerfreies Eis, eine Kind-Handtasche mit Tragehilfe und eine Drohne zur Fensterreinigung. Damit wird deutlich, dass der Investoren- und Publikumskontext nicht nur „innovativ“ ist, sondern vor allem die Frage stellt, ob ein Produkt in einem klaren Bedarf verankert ist und ob es sich gut erklären lässt. Penice hat dafür den Vorteil eines sehr direkten Problems, während sich die Hürde eher verschiebt: Der Erfolg hängt stark davon ab, ob der Wirkmechanismus plausibel ist, die Anwendung in den Alltag passt und die Marke ohne Hürden im Vertrieb startet. Wenn der Shop zu spät öffnet oder der Traffic nur auf Wartelisten landet, kann ein Teil der TV-Wirkung verpuffen.
Für die nächsten Schritte wird es deshalb weniger um den „Skurrilitätsfaktor“ gehen, sondern um Umsetzung und Nachweise. Der Anbieter steht unter Druck, die versprochenen Effekte in Form von zumindest belastbaren Produkt- oder Testdaten zu untermauern, wenn es später um Skalierung geht. Gleichzeitig muss Penice das Produkt in E-Commerce-Logik übersetzen: klare Anwendungshinweise, nachvollziehbare Inhaltsangaben und ein schneller, intimerweise auch sprachlich sensibler Supportprozess. Für Investoren und Handel zählt dann vor allem, ob sich aus der einmaligen Aufmerksamkeit eine wiederkehrende Routine entwickelt. Unterm Strich ist Penice ein Beispiel dafür, wie stark KI-gestützte Marketing- und Personalisierungslogik inzwischen die Customer Journey prägt – auch wenn die Kernleistung hier nicht aus KI besteht, sondern aus einer konsequenten Produktpositionierung im Intimpflege-Alltag.
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