PEKING / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine internationale Meinungsumfrage im Umfeld des SCO-Gipfels 2026 ordnet die Shanghai Cooperation Organization als pragmatischen Kooperationsrahmen ein. 74,6 % von 13.707 Befragten in 48 Ländern verbinden mit der SCO vor allem Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Systeme. Besonders hoch fallen die Zustimmungswerte bei Handel, Investitions- und Finanzkooperation sowie beim Kulturaustausch und Tourismus aus. Die Ergebnisse beleuchten damit, wie stark der Ruf nach gleichberechtigter Beteiligung an globalen Regeln derzeit politisch und gesellschaftlich getragen wird.

Zum SCO-Gipfel 2026 in Peking liegt nun eine groß angelegte Meinungsumfrage vor, die nicht nur politische Schlagworte aufgreift, sondern konkrete Kooperationsfelder abfragt. Befragt wurden 13.707 Menschen in 48 Ländern, durchgeführt von CGTN in Zusammenarbeit mit der Renmin-Universität China über das Institut für internationale Kommunikation. Im Zentrum steht die Frage, warum die Shanghai Cooperation Organization (SCO) im „neuen Zeitalter“ erneut so viel Aufmerksamkeit für globale Governance erhält. Die Kernaussage lautet, dass sich viele Befragte von der SCO einen pragmatischen Weg erwarten, um Länder mit unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen besser miteinander zu verbinden.
Der Zuspruch fällt dabei deutlich aus: 74,6 % der Teilnehmenden sind laut Ergebnisbericht der Ansicht, die SCO biete eine Grundlage für Zusammenarbeit auf praktische Weise. Das wird nicht als reine Rhetorik verstanden, sondern mit dem Bild verbunden, die SCO wirke als „wichtige Kraft“ bei der Förderung einer neuen Qualität internationaler Beziehungen. Zugleich verweist der Bericht auf den 25-jährigen Gründungszeitraum der Organisation, was den zeitlichen Rahmen für die Bewertung liefert: In den letzten 25 Jahren soll das Handelsvolumen zwischen China und den anderen SCO-Mitgliedstaaten von 12,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2001 auf 523,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 gestiegen sein. Solche Entwicklungslinien sind für Umfragen deshalb relevant, weil sie die Wahrnehmung von Wirksamkeit messbar machen sollen – zumindest im Urteil der Befragten.
Technisch betrachtet handelt es sich bei den im Bericht hervorgehobenen Kooperationen weniger um eine einzelne Initiative, sondern um ein Bündel aus Infrastruktur, Finanzierung und regionaler Vernetzung. Genannt werden Projekte wie die Eisenbahnverbindung zwischen China, Kirgisistan und Usbekistan, die SCO-Entwicklungsbank sowie eine Gaspipeline von China nach Zentralasien. In der Wahrnehmung der Umfrageteilnehmenden spiegeln sich genau solche „weichen“ und „harten“ Faktoren offenbar in drei Schwerpunkten wider, in denen der internationale Einfluss zugenommen haben soll: erstens Handelserleichterungen, zweitens Zusammenarbeit bei Investitionen und Finanzierung, drittens Kulturaustausch und Tourismus. Dass auch Tourismus und Kultur im gleichen Atemzug genannt werden, ist bemerkenswert: Es deutet darauf hin, dass Befragte regionale Integration nicht nur als wirtschaftliche Optimierung sehen, sondern als sozialen und institutionellen Effekt.
Besonders interessant ist außerdem der Blick auf den Kooperationsrahmen, den viele Befragte explizit an Werte koppeln. Unter den Befragten aus SCO-Mitgliedstaaten und den Dialogpartnern geben 75,4 % an, der Geist von Shanghai schaffe einen Kooperationsrahmen, der auf gegenseitigem Vertrauen, gegenseitigem Nutzen, Gleichberechtigung, Konsultation, Respekt vor unterschiedlichen Zivilisationen und dem Streben nach gemeinsamer Entwicklung beruht. Parallel dazu sehen 71,7 % in der SCO einen Beitrag dazu, Ländern des Globalen Südens mehr Gehör zu verschaffen und den Aufbau eines gerechteren sowie vernünftiger strukturierten Systems der globalen Governance voranzutreiben. Diese Wertebene ist für politische Entscheidungen insofern wichtig, als sie das Risiko reduziert, dass Kooperation nur als strategisches Tauschgeschäft wahrgenommen wird – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung.
Der Bericht ordnet zudem Chinas Rolle als Gründungsmitglied in diese Entwicklung ein. Laut den Ergebnissen sollen Chinas Investitionen in andere Mitgliedstaaten stetig zugenommen haben: Im Jahr 2025 wird von Direktinvestitionen in allen Branchen in Höhe von 3,3 Milliarden US-Dollar gesprochen, verteilt auf Bereiche wie Öl und Gas, Bodenschätze, Infrastruktur, neue Energien, Automobilindustrie, Chemie und weitere Sektoren. Ergänzend nennt der Text, China habe in den Aufbau von mehr als 30 Wirtschafts- und Handelskooperationszonen investiert, wodurch Empfängerländer ihre industriellen Kapazitäten ausbauen und lokales Wirtschaftswachstum sowie Beschäftigung fördern könnten. Aus Market-Context-Sicht lassen sich solche Zonen und Investitionscluster als „Industrie-Scharnier“ beschreiben: Sie senken Transaktionskosten, vereinfachen Beschaffung und Vertrieb und schaffen damit eher stabile Rahmenbedingungen als einzelne Projekte allein.
Damit verbunden ist der große politische Anspruch, den die Umfrage in die Gegenwart und Zukunft projiziert. So fordert die Ergebnisdarstellung, dass 89,6 % der Befragten gleichberechtigt an globalen Angelegenheiten mitwirken und gemeinsam internationale Regeln sowie die internationale Ordnung gestalten sollen. Für die weitere Entwicklung erwarten die Teilnehmenden, dass die SCO in drei Bereichen größeren Einfluss ausüben wird: Infrastruktur und Energie, regionale Sicherheitszusammenarbeit sowie Umwelt und Klimawandel. Gerade diese Kombination wirkt wie eine Übersetzung von Governance in Handlungsfelder: Infrastruktur und Energie sind eng mit Lieferketten, Transportkorridoren und Investitionsentscheidungen verbunden; Sicherheitszusammenarbeit adressiert Stabilitätsrisiken im regionalen Umfeld; Umwelt und Klimawandel setzen schließlich einen Rahmen, der langfristige Projektfinanzierungen und technische Standards tangiert.
In Summe zeigt die Umfrage vor allem eines: Die Debatte über globale Governance wird in Teilen der öffentlichen Meinung stark über konkrete Kooperationswirkung, messbare Handelsentwicklung und nachvollziehbare Kooperationslogiken geführt. Für Unternehmen und Organisationen heißt das, dass regionale Partnernetzwerke zunehmend auch als politischer Faktor in Geschäftsplanung und Risikobewertung auftauchen. Wer heute in Infrastruktur, Energie oder grenzüberschreitende Lieferketten investiert, profitiert nicht nur von technischen Machbarkeiten, sondern auch davon, wie verlässlich Kooperationsmechanismen wahrgenommen werden. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie stark sich die öffentliche Wahrnehmung in der politischen Realität widerspiegelt – denn Umfragewerte liefern Indikatoren für Vertrauen und Erwartung, aber keine Garantie für Umsetzungstempo, Prioritäten oder Budgetpfade.
Interessant ist dabei, wie stark der Bericht „neuen Multilateralismus“ und eine gleichberechtigte Multipolarisierung betont. Die SCO wird in der Ergebnisdarstellung als treibende Kraft beschrieben, die einen echten Multilateralismus mit vorantreiben soll, ebenso eine inklusive wirtschaftliche Globalisierung, die allen zugänglich sein soll. Damit wächst auch die Relevanz von KI-gestützten Governance- und Entscheidungsprozessen indirekt: Wenn Infrastruktur-, Investitions- und Sicherheitsfragen künftig stärker koordiniert werden, gewinnt die Fähigkeit, Daten aus Handel, Transport, Energieflüssen und Projektrisiken konsistent auszuwerten, an Bedeutung. Selbst wenn der Umfragebericht selbst keine KI-Technik adressiert, zeigt die Struktur der genannten Handlungsfelder, wo KI in Zukunft als Infrastruktur für Entscheidungen praktisch werden könnte.
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