LONDON (IT BOLTWISE) – In einem koordinierten Angriff sollen Unbekannte über denselben Wallet-Zugriff bei Fetch.ai und NuNet Kryptowert entwendet haben. Sicherheitsfirmen berichten von etwa 8,7 Millionen FET-Tokens sowie der anschließenden Prägung von 408,5 Millionen nicht autorisierten NTX-Token. In Summe wird der Schaden auf knapp 2 Millionen US-Dollar beziffert, während der NTX-Kurs zeitweise deutlich einbrach. Für Nutzer bleibt vorerst entscheidend, ob die betroffenen Plattformen ihre Smart-Contract-Sicherheit nachweisen können.

Sicherheitsvorfall bei Fetch.ai und NuNet: Hacker erbeutet rund 2 Mio. US-Dollar
Sicherheitsvorfall bei Fetch.ai und NuNet: Hacker erbeutet rund 2 Mio. US-Dollar (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Vorfall wirkt zunächst wie ein klassischer Krypto-Exploit, trifft aber genau den Schnittbereich, in dem KI- und Compute-nahe Projekte derzeit besonders viel Vertrauen sammeln: spezialisierte Token-Mechaniken, automatische Converter und modulare Smart-Contract-Ketten. Laut Sicherheitsberichten haben Angreifer am 19. September zwei getrennte AI-bezogene Krypto-Ökosysteme angegriffen und dabei rund 2 Millionen US-Dollar an Wert abgezogen. Der Clou aus technischer Sicht ist nicht nur das Ausnutzen eines einzelnen Vertrags, sondern die Verknüpfung beider Teilangriffe über denselben Wallet-Zugriff.

Im ersten Schritt soll der Angreifer etwa 8,7 Millionen FET-Token aus einem Token-Converter-Contract von Fetch.ai abgezogen haben; das entspreche laut den Berichten ungefähr 1,53 Millionen US-Dollar. Entscheidend ist dabei, dass der Zugriff über einen Token-Converter häufig als “Brücke” zwischen Liquidität, Umwandlung und Abwicklung gedacht ist. Wenn dort Berechtigungen oder interne Prüfungen nicht robust gegen manipulierte Aufrufpfade sind, kann ein Angreifer genau jene Funktionalität missbrauchen, die eigentlich effiziente Umwandlungen garantieren soll. Aus den gleichen Angaben geht hervor, dass die gestohlenen Mittel anschließend nicht nur geparkt, sondern schnell weiterverarbeitet wurden.

Der zweite Schritt richtet sich dann auf NuNet: Dieselbe Wallet habe darüber hinaus 408,5 Millionen nicht autorisierte NTX-Token geprägt, und zwar direkt über das “Deployer”-Konto des Projekts. Damit zeigt der Angriff ein Muster, das in vielen Smart-Contract-Systemen als zentrale Schwachstelle wiederkehrt: Wenn Mint- oder Deployment-Funktionen über zu weit gefasste Privilegien verfügen, kann ein Angreifer aus einem fremden Kontext heraus Token erzeugen, ohne dass der eigentliche Projekt-Workflow “from scratch” angestoßen wird. Sicherheitsberichte ordnen die Verknüpfung der beiden Angriffe genau über diese gemeinsame Wallet-Identität ein; zusätzliche Indizien lieferten den Angaben zufolge veröffentlichte Wallet-Adressen und ein Beispiel-Transaktionsverlauf, mit dem weitere Akteure unerwünschte Bewegungen nachvollziehen und blockieren können.

Für den Markt setzte das schnell ein, allerdings nicht einheitlich: NuNet meldete einen Kursrutsch beim NTX-Token um bis zu 65–70 %, während FET laut den genannten Trackern um rund 10 % nachgab. Solche Divergenzen sind im Krypto-Alltag plausibel, wenn die Marktteilnehmer unterschiedliche Risiken für Liquidität, Staking-Bedingungen und die Integrität tokenbasierter Mechanismen bewerten. Der Angreifer soll die Mittel zudem zügig in 546 ETH umgewandelt haben, um die Rückverfolgbarkeit zu erschweren und eine mögliche Blockierung zu umgehen – ein häufiges Vorgehen, bei dem Konvertierungen als “Entkopplung” von der ursprünglichen Token-Quelle genutzt werden.

Bemerkenswert ist außerdem die fehlende offizielle Einordnung: Bis zum Zeitpunkt der Berichte hätten weder Fetch.ai noch NuNet eine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht, die den konkreten Exploit-Tatbestand, den betroffenen Smart-Contract-Teil und mögliche Gegenmaßnahmen transparent macht. Genau diese Lücke ist für Betreiber und Nutzer aus operativer Sicht der kritischste Punkt, weil erst eine belastbare technische Antwort klärt, ob es sich um einen einmaligen Abfluss aus einem klar begrenzten Vertrag handelt oder ob weitere Berechtigungen, Rollen oder “Admin”-Wege ebenfalls kompromittiert wurden. Sicherheitsforscher raten daher vorerst zur Vorsicht für alle, die Tokens aus dem jeweiligen Ökosystem halten oder aktiv nutzen, bis Sicherheits- und Betriebsdaten vorliegen.

Für Unternehmen und Entwickler in der KI-nahen Krypto-Szene liegt der eigentliche Lerneffekt tiefer als die Schlagzeile “Hacker stiehlt”. Der Vorfall illustriert, wie eng Permission-Strukturen mit der Angriffsoberfläche verknüpft sind: Wenn ein Angreifer über einen Smart-Contract-Schritt Rechte erlangt, kann er diese Rechte unter Umständen auch außerhalb des ursprünglichen Projekts ausspielen – selbst dann, wenn es formal um unterschiedliche Token-Ökosysteme geht. Gleichzeitig zeigt sich, warum mehrstufige Sicherheitsprüfungen für Rollen, Mint-Pfade und Deployment-Abhängigkeiten so wichtig sind: Nicht selten entstehen Schwächen nicht im “sichtbaren” Token-Vertrag, sondern in Anbindungspunkten wie Convertern, Deployern oder wiederverwendeten Komponenten.

In der Praxis heißt das für die nächsten Schritte häufig: On-Chain-forensische Auswertung der betroffenen Transaktionen, Überprüfung der konkreten Permission-Grants und ein Audit der Pfade, die Minting oder Konvertierung auslösen. Auch das schnelle Bereitstellen relevanter Daten durch Sicherheitsforschung kann die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen, weil Exchanges und Integratoren Filterlisten und Risikoentscheidungen kurzfristig aktualisieren können. Für die Community bleibt allerdings abzuwarten, ob Fetch.ai und NuNet die Ursachen so dokumentieren, dass Nutzer die Plattform wieder mit einem nachvollziehbaren Sicherheitsstatus nutzen können.

Bis dahin sollten Betreiber nicht nur auf die unmittelbare Kursreaktion schauen, sondern auf die technischen Indikatoren: Welche Contracts wurden wirklich berührt, welche Rollen waren betroffen, und gab es Mechanismen, die den Zugriff später wieder entzogen haben? Gerade im Umfeld von KI-getriebenen Netzwerken, in dem Token-Anreize häufig zentrale Betriebslogik darstellen, ist “Sicherheit” am Ende weniger eine Annahme als ein überprüfbarer Zustand – und genau daran wird sich der weitere Verlauf des Vorfalls voraussichtlich entscheiden.


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