HAINAN / LONDON (IT BOLTWISE) – China hat in nur 45 Stunden vier unterschiedliche Orbitalraketen gestartet und damit die wachsende Bandbreite seines Startsektors gezeigt. Den Anfang machte LandSpace mit einer Zhuque-2E, die flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff nutzt und Satelliten für Qianfan in den niedrigen Erdorbit brachte. Weitere Starts gingen von einer Barke bei Shanghai sowie vom Weltraumbahnhof Wenchang auf Hainan aus, bevor Orienspace und Kuaizhou den Viererblock ergänzten. Entscheidend: Keine der Missionen enthielt eine Landung, während parallel das Thema Wiederverwendbarkeit weiter vorangetrieben wird.

Innerhalb von 45 Stunden hat China gleich vier verschiedene Orbitalraketen abgesetzt – und zwar von drei Startstandorten. Der Ablauf begann am Dienstag um 2:26 a.m. EDT (0626 GMT) und zog sich bis in die späten Stunden des folgenden Tages hinein. Diese Schlagzahl ist in sich schon aussagekräftig, weil sie nicht nur die Startbereitschaft, sondern auch die Vielfalt der eingesetzten Trägersysteme sichtbar macht: flüssig angetriebene Fahrzeuge für Mega-Konstellationen, daneben ein sehr leistungsfähiger Feststoff-Booster und schließlich staatlich betriebene Schwerlastrouten für weitere LEO-Satellitennetze.
Den Auftakt lieferte die Privatfirma LandSpace mit der Zhuque-2E, die vom Jiuquan Satellite Launch Center im Nordwesten des Landes startete. Die Mission war technisch in mehreren Punkten interessant, weil die Zhuque-2E flüssiges Methan und flüssigen Sauerstoff als Treibstoff nutzt. Damit bewegt sich der Start auf einer Linie, die auch im Kontext anderer wiederverwendbarer Raketenentwürfe diskutiert wird: Methan gilt als besonders praxisnah, weil es im Zusammenspiel mit modernen Motorkonzepten und Fertigungsprozessen eine gute Balance aus Leistungsfähigkeit und Handhabbarkeit verspricht. Die Zhuque-2E brachte zehn Satelliten in den niedrigen Erdorbit, konkret für die Qianfan-(„Thousand Sails“)-Breitband-Megakonstellation.
Die Qianfan-Zielgröße wird in der Berichterstattung mit etwa 15.000 aktiven Raumfahrzeugen beschrieben, falls alles wie geplant verläuft. Für die technische Einordnung ist weniger die Zahl allein entscheidend als das Muster: Mehrere kleine Satellitenstarts in kurzer Folge erlauben eine schnellere Staffelung der Konstellation, sofern die Bahneinbringung, die Satelliten-Operationen und die Stationslogik zusammenpassen. Am selben Tag folgte ein zweiter Start, diesmal mit einer Gravity-1-Rakete, die neun weitere Qianfan-Satelliten beförderte. Gravity-1 startete von einer Barke vor der Küste von Shanghai – ein Hinweis darauf, dass sich Startlogistik auch außerhalb klassischer Startgelände automatisieren und flexibilisieren lässt.
Bei Gravity-1 steht vor allem der Antriebsmodus im Fokus: Der Feststoff-Raketenmotor gilt als „weltweit leistungsstärkster“ Solid-Rocket laut Quelle. Solche Systeme sind oft besonders interessant, wenn schnelle Turnarounds und robuste Betriebsabläufe im Vordergrund stehen, weil die Tank- und Kryotechnik-Komplexität von flüssig angetriebenen Varianten reduziert wird. Gleichzeitig ist die Querschnittslandschaft entscheidend: Die Quelle ordnet Gravity-1 als Fahrzeug der Firma Orienspace ein und ergänzt mit einer typischen visuellen Charakteristik. Danach ging es weiter mit staatlicher Infrastruktur: Eine Long-March-12-Rakete, betrieben vom staatlich geprägten Umfeld um China Aerospace Science and Technology Corporation, startete am Mittwoch um 8:32 p.m. EDT (0032 GMT am 17. September) vom Wenchang Space Launch Site auf Hainan.
Die Long March 12 brachte neun Raumfahrzeuge für SatNet in den Orbit. SatNet wird in der Berichterstattung als chinesische LEO-Breitband-Megakonstellation beschrieben, deren Endausbau bei etwa 13.000 Satelliten liegen soll. Für Unternehmen, die Konstellationen beobachten oder sich in Bodensegmenten, Nutzlast-Integration oder Datenpipelines engagieren, ist das vor allem ein Signal für Skalierung: Ein Megakonstellationsprogramm erfordert nicht nur Startfenster, sondern auch abgestimmte Schnittstellen zwischen Satellitenbus, Antennenarchitektur, Telemetrie und dem späteren Datenmanagement. Kurz darauf – zwei Stunden später – schloss eine Kuaizhou-11 den Viererblock ab. Der Start erfolgte von Jiuquan, diesmal um 10:40 p.m. EDT (0240 GMT am 17. September), und das Missionsziel bestand aus zwei erdbeobachtenden Radar-Satelliten für die chinesische Firma Spacety.
Dass es sich um eine „Vierfach-Mission“ handelte, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass an jeder Station bereits operative Wiederverwendung erprobt wurde. In der konkreten Sequenz habe keine der vier Raketen eine Landung versucht, heißt es ausdrücklich. Das ist insofern relevant, als Wiederverwendbarkeit im Alltag der Startwirtschaft meist aus mehreren getrennten Lernschleifen besteht: erst das sichere Wiedereinsetzen der ersten Stufe, dann die wiederholte Missionseignung über mehrere Orbitalstarts hinweg. Die Quelle lenkt daher den Blick auf den bisherigen Fortschritt außerhalb dieses konkreten Rollouts: In den letzten 2,5 Monaten hätten zwei verschiedene Fahrzeuge – LandSpace’ Zhuque-3 und die Long March 10B aus dem Umfeld von CASC – beim ersten Stadien-Treffpunkt in einer Orbitalmission erfolgreich gelandet.
Für die Marktwirkung ist diese Trennung zwischen „Startkette ohne Landelogik“ und „Paralleltests zur Wiederverwendung“ typisch. Erst wenn eine erste Stufe mehrere Orbitalmissionen abdeckt, verschiebt sich das wirtschaftliche Zielbild spürbar: Dann wird die Wiederverwendungsstrategie nicht nur als Technikdemonstration, sondern als wiederholbares Produktions- und Betriebsmodell sichtbar. Die Quelle stellt dazu fest, dass bisher keine chinesische erste Stufe mehrere Orbitalmissionen geflogen hat; diese Hürde könnte jedoch „fairly soon“ genommen werden. Für die Branche heißt das: Der Wettbewerb verschiebt sich zunehmend von der Frage „Wer bringt Satelliten hoch?“ hin zu „Wer skaliert Startfrequenzen bei gleichzeitig sinkenden Grenzkosten pro Mission?“ – und genau dafür liefern die genannten Starts aus unterschiedlichen Antriebs- und Missionsprofilen die Grundlage.
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