LONDON (IT BOLTWISE) – Ärztinnen und Ärzte rechnen für den kommenden Herbst und Winter mit einem anziehenden Verlauf bei mehreren Atemwegsviren, insbesondere bei Grippe sowie weiterhin bei COVID-19. Für die klassische Grippesaison nennen sie einen Start im September oder Oktober und einen typischen Höhepunkt im Zeitraum Dezember bis Januar. Zusätzlich wird RSV für den Winterverlauf erwartet, während Erkältungen ohne spezifische Impfungen vor allem über Hygienemaßnahmen abgefedert werden sollen. Wer Risiken senken will, soll laut den Empfehlungen Tests, Impfungen und die bereits aus der COVID-Zeit bekannten nicht-medikamentösen Schutzroutinen konsequent kombinieren.

Saison der Atemwegsviren: Was Ärztinnen und Ärzte für Herbst und Winter erwarten
Saison der Atemwegsviren: Was Ärztinnen und Ärzte für Herbst und Winter erwarten (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der Jahreszeit kehrt für viele Menschen ein vertrautes Muster zurück: Innenräume werden häufiger geschlossen, Kontakte werden dichter und Atemwegsviren finden mehr Gelegenheiten, sich auszubreiten. Ärztinnen und Ärzte beschreiben den Herbst und Winter daher nicht als „eine“ Virenwelle, sondern als Saisonfenster, in dem mehrere Erreger parallel zirkulieren können – von Influenza über RSV und COVID-19 bis hin zu den zahlreichen Erkältungsviren. Gerade weil sich die Verläufe überlappen, verschiebt sich der Fokus im Alltag weg von „Ich mache mir keine Sorgen“ hin zu gezielteren Entscheidungen: Impfschutz prüfen, bei Symptomen richtig vorgehen und die nicht-medikamentösen Maßnahmen aus der COVID-Zeit wieder konsequent aktivieren.

Für Influenza (Grippe) nennen die behandelnden Fachärzte einen eher klaren Zeitrhythmus: Die Grippesaison beginne typischerweise im September oder Oktober und könne bis in den März reichen, in manchen Jahren sogar bis April. Der Peak liege häufig irgendwo im Dezember oder Januar. Außerdem gibt es innerhalb der Saison eine typische Verschiebung zwischen den Subtypen: Zu Beginn dominieren laut den Angaben zunächst Influenza-A-Infektionen, später im Winter rücken Influenza-B-Fälle stärker in den Vordergrund. Interessant ist dabei weniger die Theorie als die Praxisrelevanz für die Versorgung: Wenn lokale Fälle bereits langsam anziehen, entscheidet sich häufig frühzeitig, wie schnell Tests, ärztliche Einschätzung und – falls verfügbar – antivirale Therapien organisiert werden müssen.

Ein weiterer Punkt, der in den Empfehlungen immer wieder auftaucht, ist die begrenzte Vorhersagbarkeit. Auch wenn man nicht „vollständig“ prognostizieren könne, wie stark eine kommende Grippesaison ausfällt, lässt sich aus früheren Mustern indirekt ableiten, was wahrscheinlich ist. Als Beispiel wird der saisonale Ablauf in der südlichen Hemisphäre herangezogen: Dort verläuft die Grippesaison von Mai bis September und damit zeitlich vor der nördlichen Hemisphäre. Für das laufende Jahr wurde die Saison dort als eher normal eingeordnet – weder besonders schlecht noch besonders gut. Zusätzlich wird auf eine regionale Beobachtung in Baltimore verwiesen, wo die Grippesaison laut den beschriebenen Einschätzungen „leichter und später“ als im Vergleichszeitraum ausfiel. Für Unternehmen, Schulen und Familien ist diese Art von Einordnung vor allem deshalb relevant, weil sie die Planung von Präventionsmaßnahmen über den Kalender unterstützt: nicht als Sicherheit, aber als Risikohinweis.

Parallel zur Influenza wird COVID-19 im Winter als zunehmend präsent beschrieben, ohne dabei eine strikt saisonale Begrenzung zu haben. Die Argumentation ist technisch-epidemiologisch plausibel: Während Flu, RSV und klassische Erkältungsviren häufig stärker an bestimmte Jahreszeiten gebunden sind, bleibt COVID-19 insgesamt länger im Jahr beobachtbar und kann mit dem Wechsel in die kältere Jahreszeit zusätzliche Dynamik gewinnen. Damit rückt die Frage nach dem Verhalten in Innenräumen in den Vordergrund: Wenn Fenster geschlossen bleiben, sinkt der Luftaustausch, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass infektiöse Partikel länger in der Umgebungsluft verbleiben. Genau an dieser Stelle knüpfen die Empfehlungen an die bereits bekannten nicht-medikamentösen Strategien an – also auch an das Muster, das viele aus der Pandemie gelernt haben.

Beim RSV, dem respiratorischen Synzytialvirus, wird ebenfalls ein typischer Winterverlauf erwartet: Die Aktivität sei derzeit niedrig, und das Virus beginne meist im Oktober zu zirkulieren, bevor es im Januar einen Höhepunkt erreicht. Für die Risikogruppen ist das besonders wichtig, weil RSV bei gesunden Kindern und Erwachsenen zwar häufig „nur“ Erkältungssymptome verursacht, aber bei Babys und älteren Menschen ernstere Komplikationen auslösen kann. Zusätzlich wird die Rolle von Impfungen hervorgehoben: Eine RSV-Impfung sei für mehrere Gruppen verfügbar, darunter Babys (über passende Impfprogramme), Schwangere, Erwachsene ab 75 Jahren sowie auch Erwachsene von 50 bis 74 Jahren, wenn ein erhöhtes Risiko für Komplikationen vorliegt. Gerade hier zeigt sich, warum Impfstrategie nicht nur „medizinischer Komfort“, sondern Teil des Risikomanagements ist, weil sie die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe reduziert und damit auch die Belastung im Gesundheitssystem mit dämpfen kann.

Erkältungen werden schließlich als eigenes Problemfeld eingeordnet: Für die Vielzahl der Auslöser – etwa Rhinoviren oder Enteroviren – gibt es keine spezifischen Impfungen und auch keine antiviralen Mittel, die gegen das breite Spektrum gezielt wirken würden. Die praktische Konsequenz lautet daher: Prävention über Hygiene und Verhalten. Dazu zählen laut den Empfehlungen Masken „falls angebracht“, Händehygiene sowie das Vermeiden von großen Menschenansammlungen, insbesondere in beengten Innenräumen. Ergänzend wird betont, dass bei Atemwegssymptomen ein Test auf Influenza und COVID-19 sinnvoll sein kann, weil es für diese beiden Erkrankungen antivirale Behandlungsoptionen gibt – und die ärztliche Entscheidung über eine mögliche Therapie dadurch schneller und präziser fällt. Besonders schutzbedürftig seien dabei ältere Menschen, Schwangere und junge Säuglinge, aber es wird auch klar gesagt: Impfungen können je nach individueller Risikosituation auch außerhalb dieser Gruppen relevant sein.

Aus Sicht der Umsetzung bedeutet das für die kommenden Monate vor allem eins: Maßnahmen nicht gegeneinander ausspielen, sondern kombinieren. Impfungen bleiben der wichtigste Baustein, wenn sie für die jeweilige Person verfügbar sind und medizinisch in Frage kommen. Daneben werden die etablierten nicht-medikamentösen Regeln konkretisiert: Abstand zu Kranken, wenn möglich das Vermeiden symptomatischer Kontakte, und bei Bedarf der Griff zu Barriere-Methoden wie Masken, vor allem in Situationen mit hoher Belegdichte. Wer zudem bei Symptomen testet statt zu raten, gewinnt Zeit für die richtige ärztliche Einschätzung. So entsteht ein Schutzkonzept, das nicht nur den „Worst Case“ adressiert, sondern den Alltag robust macht – gerade in einer Saison, in der mehrere Atemwegsviren gleichzeitig präsent sein können.


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