LONDON (IT BOLTWISE) – Der zweiwöchige XRP-RSI ist auf ein 13-jähriges Tief gefallen und signalisiert extrem geschwächte Verkaufsdynamik. Gleichzeitig bleibt der Kurs in der Nähe wichtiger technischer Marken, darunter das Bereich um 1,29 US-Dollar. Während die technische Lage nach einem möglichen Boden klingt, fehlt noch die Bestätigung durch anhaltende höhere Tiefs und das Zurückerobern zentraler Widerstände. Auch die Divergenz aus schwachem Momentum und weiterem Zufluss in US-XRP-ETFs sorgt für eine gespannte Ausgangslage.

Der Markt schiebt XRP gerade in eine typische „Setup gegen die Gewohnheit“-Situation: Auf der einen Seite steht ein extrem niedriges Momentum-Signal, auf der anderen Seite bleibt der Kursverlauf noch zu inkonsequent, um daraus sofort „Wende“ abzuleiten. Konkret ist der zweiwöchige Relative-Strength-Index (RSI) bei rund 33,5 angekommen – ein Wert, der historisch innerhalb der rund 13-jährigen Handelszeit von XRP so niedrig nicht vorkam. Wichtig ist dabei die Einordnung: Der genannte RSI bezieht sich auf das Zwei-Wochen-Fenster und nicht auf den täglichen RSI, der für kurzfristige Schwankungen oft genutzt wird und zwangsläufig stärker „zittert“.
Technisch betrachtet misst der RSI die Geschwindigkeit und das Ausmaß jüngster Preisänderungen auf einer Skala von 0 bis 100. Üblich ist die Interpretation, dass Werte unter 30 als überverkauft und Werte über 70 als überkauft gelten. Bei XRP liegt der aktuelle Wert mit etwa 33,5 zwar noch leicht über dieser klassischen 30er-Grenze, aber die eigentliche Aussage entsteht aus der historischen Vergleichbarkeit: Der RSI liegt niedriger als in früheren Belastungsphasen wie dem Bärenmarkt 2018, dem COVID-Absturz im März 2020 und der Krypto-Korrektur 2022. Solche Extremwerte tauchen häufig nahe Marktenden auf – nicht weil der RSI „automatisch“ den Boden datiert, sondern weil Verkäuferpower in einem Abwärtsmove mit der Zeit stärker nachlässt.
Genau hier steckt die zentrale Gefahr für die Deutung. Ein RSI-Tief sagt nicht, dass ein Asset „zu billig“ geworden ist und deshalb zwingend steigen muss. In Trendphasen können Kryptowährungen lange Zeit „überverkauft wirken“, während der Kurs weiter fällt, weil das Momentum einfach weiterhin den Ton angibt. Auch der Text stellt deshalb die Timing-Frage in den Mittelpunkt: Ein Extrem kann einen Bodenbildungsprozess anzeigen, aber es kann den exakten Zeitpunkt der Trendwende verfehlen. In der aktuellen Phase zeigt sich das daran, dass der RSI nach einem starken Sell-off zwar wieder hochgesprungen ist (laut Quelle von dem tiefen Bereich auf etwa 43,78), der Kurs aber weiterhin in einer Zone bleibt, die den Gesamttrend noch nicht klar dreht.
Neben dem RSI liefert auch die technische Struktur zusätzliche Hinweise – und zugleich Bremsklötze. XRP handelt laut Darstellung nahe der unteren Begrenzung eines langfristig steigenden Kanals, der über mehrere Marktzyklen hinweg als „Containment“-Rahmen fungierte. In der Logik der Chartanalyse wäre das bullisch, weil ein intakter Strukturkanal trotz starker Schwankungen zeigt, dass Verkäufer zwar Druck aufbauen, aber nicht automatisch die große Richtung zerstören. Ein weiterer Analyst wird zudem mit einem ähnlichen Muster im zwei-Monats-RSI verknüpft: Die Aussage zielt weniger auf eine konkrete Zahl als auf eine wiederkehrende längerfristige Momentum-Zone, die in früheren Bodenphasen sichtbar war. Das bedeutet aber auch: Eine Bodenbildungsphase ist nicht identisch mit einer sofortigen Rally; zwischen „Weg aus dem Abwärtsdruck“ und „Trendwechsel“ kann ein gutes Stück Volatilität liegen.
Entscheidend für die Bestätigung wird deshalb der Kursbereich um die gleitenden Durchschnitte. Im kurzfristigen Bild nennt die Quelle eine Zone um die 20-Wochen-EMA bei etwa 1,29 US-Dollar als wichtigen Halt. Gleichzeitig wird ein höher liegender Widerstand bei der 50-Wochen-EMA nahe 1,52 US-Dollar beschrieben, während XRP aktuell zwischen diesen Marken „komprimiert“ wirken kann. Die bullische Interpretation wäre: XRP verteidigt den unteren Bereich, stabilisiert sich, während der RSI aus seinem historischen Tief heraus weiter anzieht und die Bewegung zunehmend wie Akkumulation statt wie fortgesetztes Abverkaufen wirkt. Die bearische Gegenposition ist genauso klar formuliert: Ein überzeugender wöchentlicher Bruch unter die 20-Wochen-EMA würde die Bodenhypothese schwächen und damit auch das psychologisch wichtige Niveau um 1,00 US-Dollar wieder stärker in den Fokus rücken.
Spannend ist zusätzlich die Marktdynamik über den reinen Chart hinaus, weil sie nicht vollständig zum Kursbild passt. Laut Quelle sind US-Spot-XRP-ETFs seit ihrem Launch in spätem 2025-Umfeld auf etwa 1,7 Mrd. US-Dollar kumulierte Nettozuflüsse gekommen. In einem Tagesbeispiel werden am 16. September etwa 3,5 Mio. US-Dollar Nettozufluss genannt – während gleichzeitig bei Bitcoin- und Ethereum-ETFs zusammengefasste Abflüsse im dreistelligen Millionenbereich berichtet werden. Diese Divergenz bedeutet nicht automatisch, dass die Preiswende „gesichert“ ist, aber sie verändert die Wahrscheinlichkeitssicht: Wenn regulierte Anlageprodukte Kapital anziehen, während das Token-Momentum technisch am unteren Rand einer historischen Verteilung hängt, entsteht ein anderes Umfeld als in Phasen, in denen Preis und Nachfrage gleichzeitig erodieren.
Unter der Oberfläche des Preises bewegt sich laut Darstellung ebenfalls etwas auf XRP Ledger-Ebene. Für das zweite Quartal wird erwähnt, dass die Zahl täglicher Order-Book-Trader im Jahresvergleich gesunken ist, die verbleibenden Konten aber größere Beträge handeln. Zugleich wird für Order-Book-Volumen ein Anstieg um etwa 79% genannt, während der Wert gehaltener tokenisierter Assets und RLUSD die Marke von über 4 Mrd. US-Dollar erreicht haben soll. Außerdem wird betont, dass Ripple weiter institutionelle Infrastruktur rund um Zahlungen, Custody, Tokenisierung, Stablecoins und Prime Brokerage ausbaut. Das kann den Kurs nicht „erzwingen“, weil ein Token kurzfristig durch Liquidität, Makrolage und Risikoappetit dominiert wird – aber es liefert einen Kontext dafür, dass die Plattformaktivität nicht vollständig mit dem Abverkauf zusammenbricht.
Unterm Strich wird das aktuelle Bild zu einem plausiblen Reversal-Setup, aber noch nicht zum bestätigten Reversal. Für eine echte Wende braucht XRP laut der Argumentationslinie ein Ende der unteren Tiefs, eine wiederholte Verteidigung des aktuellen Supportbereichs und anschließend das Zurückerobern von Widerständen, insbesondere um 1,50 bis 1,52 US-Dollar. Erst wenn diese Preisbestätigung mit einem ansteigenden RSI zusammenfällt, kann die Phase rückblickend wie ein größerer Zyklusboden wirken. Scheitert der Support jedoch, kann der rekordtiefe RSI als Warnsignal nur noch deutlicher werden – etwa in Richtung 1,00 US-Dollar. Dazu kommt der breitere Markt: Selbst ein gutes XRP-spezifisches technisches Muster kann scheitern, wenn das gesamte Krypto-Universum in einen erneuten Risk-off-Modus kippt. Für Unternehmen und Marktteilnehmer heißt das: Das Setup ist interessant, die Umsetzung liegt aber im Preis, nicht im Indikator.
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