LONDON (IT BOLTWISE) – Auf dem Weg zu Schule und Arbeit ist das Unfallbild 2025 unterschiedlich: Rund 90.000 Schülerunfälle wurden auf dem Schulweg gemeldet, etwa 25 davon endeten tödlich. Gleichzeitig ist das Risiko bei der Arbeit weiter gesunken: 689.900 meldepflichtige Arbeitsunfälle bedeuten einen Rückgang um 3,1 Prozent. Auch in Bildungseinrichtungen stieg die Zahl der Unfälle im Schulalltag auf 1.032.500. Die Zahlen zeigen vor allem, wie stark Infrastruktur, Tagesroutine und betriebliche Abläufe das Sicherheitsniveau beeinflussen.

DGUV-Zahlen: Mehr Schulwegunfälle, Arbeitsrisiko sinkt 2025
DGUV-Zahlen: Mehr Schulwegunfälle, Arbeitsrisiko sinkt 2025 (Foto: IT BOLTWISE)
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Die neue Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeichnet für 2025 ein zweigeteiltes Bild: Auf Schulwegen steigt die Belastung, am Arbeitsplatz dagegen sinkt das Risiko. Schülerinnen und Schüler erlitten auf dem Weg zur Schule im vergangenen Jahr rund 90.000 Unfälle. Die DGUV beziffert den Anstieg bei den Schulwegunfällen um rund 3.300 auf fast 90.700 Fälle, was einem Plus von 3,8 Prozent entspricht. Besonders schwer wiegt dabei die Zahl der tödlichen Verläufe: 25 Schulwegunfälle endeten tödlich, während es im Vorjahr 15 waren.

Dass auch Beschäftigte betroffen sind, zeigt die Statistik über Wegeunfälle von der Arbeit zum Wohnort und zurück. Für 2025 meldeten die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 170.306 meldepflichtige Unfälle im Wegeverkehr, also auf dem Weg hin oder zurück, mit einem Plus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Wegeunfällen liegt ebenfalls höher: 231 Menschen starben 2025 aufgrund eines Wegeunfalls, nach 214 im Vorjahr. Gleichzeitig nennt die DGUV für das eigentliche Unfallgeschehen bei der Arbeit eine positive Entwicklung: 689.900 meldepflichtige Arbeitsunfälle bedeuten einen Rückgang um 3,1 Prozent, während bei den tödlichen Arbeitsunfällen 299 Versicherte betroffen waren (nach 307 im Vorjahr).

Technisch betrachtet ist diese Entkopplung zwischen Schulweg und Arbeitsplatz ein Hinweis darauf, dass Prävention an unterschiedlichen Stellen ansetzt. Auf Schulwegen spielen Sichtachsen, Verkehrsführung und Routenlogik eine zentrale Rolle; in der Vergangenheit berichteten Unfallkassen bereits, dass ein Drittel der befragten Eltern innerhalb von zwölf Monaten mindestens eine gefährliche Situation auf dem Schulweg beobachtet hat. Als typische Gefahrenstellen gelten fehlende Radwege und schwer einsehbare Kreuzungen. Gleichzeitig wird der Arbeitsplatz in vielen Branchen stärker über standardisierte Abläufe, Unterweisung, technische Schutzmaßnahmen und die Dokumentation meldepflichtiger Ereignisse gesteuert. Das erklärt zumindest teilweise, warum das Unfallrisiko bei der Arbeit laut DGUV 2025 weiter gesunken ist.

Auch im schulischen Alltag selbst spiegelt sich die Entwicklung. Die Zahl der Unfälle in Schulen stieg um zwei Prozent: Im Schulalltag kam es zu 1.032.500 Unfällen, und fünfmal endete ein Unfall tödlich in einer Bildungseinrichtung. Die Melderegeln sind klar: Unfälle von Schülerinnen und Schülern, Kita-Kindern und Studierenden müssen gemeldet werden, wenn ärztliche Behandlung erforderlich ist oder wenn ein Unfall tödlich verläuft. Damit wird der Bereich nicht nur als Randrisiko betrachtet, sondern als Teil eines breiteren Sicherheitsmanagements rund um Bildungseinrichtungen. Für Träger und Schulleitungen bedeutet das: Prävention beschränkt sich nicht auf den Verkehr vor dem Schulgelände, sondern umfasst auch Unterrichts- und Pausensituationen.

Für die betriebliche Unfallanalyse nennt die DGUV zudem konkrete Ursachenbilder, die sich in der Präventionspraxis wiederfinden lassen. Häufigste Unfallursache war 2025 der Verlust der Kontrolle über ein Werkzeug mit 171.638 Fällen. Direkt dahinter stehen Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (163.430). Für tödliche Arbeitsunfälle nennt die Statistik als häufigste Ursache den Kontrollverlust über ein Transportmittel (101), gefolgt von Absturzunfällen (53). Diese Aufteilung ist für Unternehmen relevant, weil sie die Hebel klar macht: Ergonomie und sichere Handhabung reduzieren Werkzeugrisiken; Ordnung, Beleuchtung und rutschhemmende Oberflächen wirken bei Stürzen; bei Transportmitteln müssen Fahrwege, technische Sicherungen und organisatorische Regeln eng zusammenpassen. Ergänzend weist die DGUV auf den Ausbau der Absicherung hin: 12.645 Versicherte erhielten 2025 erstmals eine Rente aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls.

Beim Blick auf die Kosten- und Finanzierungslogik zeigt sich, dass Sicherheit auch betriebswirtschaftlich wirkt. Die DGUV-Geschäftsführung bewertet das sinkende Unfallrisiko bei der Arbeit als „sehr gute Nachricht“. Trotz gestiegener Kosten ist der durchschnittliche Beitragssatz zur Berufsgenossenschaft jedoch von 1,09 auf 1,08 Euro je 100 Euro Lohnsumme gesunken. Hintergrund: Die gewerblichen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen finanzieren sich über Beiträge der Unternehmen und richten sich damit indirekt an der Risikolage aus. Gleichzeitig werden in der Statistik nicht nur klassische Betriebsunfälle erfasst: Versichert sind auch Teilnehmende an Rehabilitationsmaßnahmen, Feuerwehrleute, pflegende Angehörige und verschiedene ehrenamtlich Tätige. In dieser Gruppe gab es 40.651 Arbeitsunfälle und 4.836 Wegeunfälle; außerdem verloren 35 im Ehrenamt Versicherte bei einem Unfall das Leben.

Ein weiterer Strang sind Berufskrankheiten, weil hier Prävention weniger über einzelne Ereignisse läuft, sondern über dauerhafte Exposition. 2025 meldeten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 91.200 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit, Tendenz gleichbleibend. Als Hauptgründe werden Anzeigen wegen Hautkrebs sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen genannt. In 24.340 Fällen wurde eine Berufskrankheit anerkannt; mehr als 9.800 Mal lag die Anerkennung am häufigsten bei lärm-bedingter Schwerhörigkeit. Darüber hinaus erhielten 686 Versicherte erstmals eine Rente aufgrund eines Versicherungsfalls. Für Arbeitgeber und Verantwortliche im Arbeitsschutz ist das ein Signal, dass die Risikorechnung nicht nur Unfälle, sondern auch langfristige Belastungen umfasst.

Für die nächste Planungsrunde in Unternehmen und Kommunen lässt sich daraus vor allem eins ableiten: Wenn sich das Unfallniveau auf dem Schulweg gegenüber dem Vorjahr sichtbar verschiebt, muss die Präventionsarbeit an den Schnittstellen zwischen Verkehrsinfrastruktur und Alltagsroutinen ansetzen. Gleichzeitig können Betriebe die positive Entwicklung beim Arbeitsunfallrisiko nutzen, um Maßnahmen konsequent zu verfeinern, statt sich auf dem Trend auszuruhen. Gerade die genannten Ursache-Schwerpunkte lassen sich mit konkreten technischen und organisatorischen Verbesserungen verbinden, etwa durch bessere Sicherung von Transportwegen oder durch standardisierte Werkzeughandhabung. Damit wird Sicherheit nicht nur als Pflicht verstanden, sondern als messbarer Bestandteil von Prozessqualität.


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