LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Google startet mit Googlebook OS ab dem 5. Oktober den Verkauf erster Android-basierter Notebooks in Europa. Acer, Asus, Dell, HP und Lenovo bringen vorbestellbare Modelle mit. Das System kombiniert den Android-Unterbau mit einer stark an Notebooks angepassten ChromeOS-ähnlichen Oberfläche und soll damit vor allem Android-Nutzer adressieren. Mit Gemini-Funktionen wie dem KI-gestützten „Magic Pointer“ und der Diktierfunktion „Rambler“ positioniert sich Google klar gegen etablierte Desktop-Ökosysteme.

Googlebook OS: Googles Android-Desktop startet ab 5. Oktober in Europa
Googlebook OS: Googles Android-Desktop startet ab 5. Oktober in Europa (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit Googlebook OS verschiebt Google den Schwerpunkt seines Desktop- und Notebook-Ansatzes spürbar. Nach einer langen Phase, in der ChromeOS primär als „eigener“ Weg neben Windows und macOS lief, kommt nun ein Android-basiertes Desktop-Setup in den Handel. Ab dem 5. Oktober stehen in Europa die ersten Notebooks von Acer, Asus, Dell, HP und Lenovo zur Verfügung, zuvor sind die Geräte bereits vorbestellbar. Die Marketingbotschaft aus London lautet, der Notebook-Formfaktor solle mit Googlebook OS neu definiert werden; John Maletis, bei Google für Laptops und Tablets zuständig, formulierte es im Kontext der Vorstellung so: „Wir wollen den Notebook-Formfaktor mit Googlebook OS nun neu definieren.“ Damit adressiert Google vor allem die Größe der Android-Basis: Ziel seien „mehr als drei Milliarden Android-Nutzerinnen und -Nutzer“.

Technisch betrachtet versucht Google, eine Brücke zwischen dem nativen Android-Unterbau und der Notebook-UX von ChromeOS zu schlagen. Googlebook OS setzt auf die für Notebooks optimierte Oberfläche von ChromeOS, beschreibt das Design dabei mit „Material 3 Expressive“, das Google zuerst mit Android 16 auf Smartphones ausgerollt hat. Unter der Oberfläche bleibt der Kern jedoch Android-nah: Es gibt einen Linux-Kernel wie bei Android, dazu Anpassungen sowohl für x86- als auch für ARM-Prozessoren. Diese doppelte Architektur-Strategie ist entscheidend, weil Notebooks historisch stark segmentiert sind: Intels x86 dominiert weite Teile des Marktes, während ARM-basierte Systeme – auch durch neuere Laptop-Generationen – ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Laut Google sollen viele Android-Apps auf beiden Architekturen laufen; bei älteren Anwendungen ist auf x86 allerdings eine Übersetzungsschicht nötig, die die Leistung nicht „spürbar bremsen“ soll. Für Käufer ist das ein Versprechen mit einem konkreten Ziel: möglichst wenig App-Brüche beim Umstieg vom Smartphone-Ökosystem in den Laptop-Alltag.

Auf der Softwareseite bleibt Google eng an die bestehenden Zuflüsse über den Play Store und den Browser gebunden. Google zufolge steht die gesamte Play-Store-Bibliothek bereit, und der Konzern arbeitet mit zahlreichen Anbietern daran, Anwendungen zusätzlich für Tastatur, Touchpad und Maus zu optimieren. Diese angepassten Versionen sollen im Play Store entsprechend gekennzeichnet sein. Genannt werden unter anderem Adobe Photoshop und Lightroom, Fantastical, Luminar, Figma und CapCut; zudem sollen Netflix und Disney+ wie auf Smartphones und Tablets auch offline funktionieren, also Inhalte lokal speichern und abspielen. Auch bei Spielen positioniert Google sich zweigleisig: Android-Titel laufen direkt, anspruchsvolle AAA-Spiele sollen über den Streamingdienst GeForce Now abgedeckt werden. Ergänzend nennt Google das Programm „Google Play Games Level Up“, bei dem „die Hälfte der 100 Top-Titel“ für Eingabe über Tastatur, Maus und große Bildschirme optimiert sei, mit monatlich neuen Titeln. Dazu kommen Controller-Unterstützung und der Hinweis, dass professionelle Profi-Software aufgrund des begrenzten App-Angebots möglicherweise an Grenzen stößt.

Gerade diese Kombination aus App-Zugriff, Offline-Fähigkeit und Interoperabilität macht Googlebook OS zugleich zu mehr als nur einem „neuen Betriebssystem“. Googlebook OS lässt sich als Erweiterung des Smartphones verstehen: Bei der Einrichtung meldet man sich mit dem Google-Konto an, und Einstellungen wie WLAN-Netzwerke oder gespeicherte Passwörter sowie Nachrichten sollen Ende-zu-Ende-verschlüsselt auf das Notebook wandern. Wenn beide Geräte gekoppelt sind, will Google das klassische Wechseln zwischen Kontexten reduzieren: Eine App, die auf dem Smartphone gestartet wurde, lässt sich fortsetzen, nachdem man auf dem Notebook weiterarbeitet – funktional ähnlich zu Apple Continuity und Hand-off. Diese enge Verzahnung ist auch eine Antwort auf die historische Schwäche von ChromeOS im klassischen Desktop-Sinn: Wo ChromeOS häufig als „leichtgewichtiges Browser-Gerät“ wahrgenommen wurde, versucht Google jetzt, den Funktionsumfang über Android-typische Workflows zu erhöhen. Wenn Sameer Samat, der bei Google Chef des Android-Ökosystems ist, bereits vorher sagte, Googlebook OS bestehe „aus den besten Teilen von Android und ChromeOS“, dann wird dieser Anspruch nun über konkrete Integrationsdetails im Alltag unterfüttert.

Besonders auffällig ist die KI-Positionierung, die Google über zwei zentrale Features in den Vordergrund stellt. Beim Mauszeiger setzt Google auf eine KI-gestützte Erweiterung und nennt das Ergebnis „Magic Pointer“: Der KI-Assistent Gemini soll sich laut Google auf das konzentrieren, was gerade „auf dem Bildschirm zu sehen ist“, sobald Nutzer den Zeiger über das große Trackpad oder per Maus bewegen. Das soll Interaktionen ohne Fensterwechsel ermöglichen, etwa um einen Kalender zu sortieren oder Text zu übersetzen. Google betont dabei eine Kontrolllogik: Gemini sei nur aktiv, wenn Nutzerinnen und Nutzer es einschalten. In einer Demo wurde gezeigt, wie der Magic Pointer mehrere Termine aus dem PDF eines Trainingsplans herauskopierte und daraus automatisch Kalendereinträge erzeugte. Daneben gibt es „Rambler“, eine Diktierfunktion, die Google bereits mit Android 17 bei ausgewählten Samsung- und Pixel-Smartphones eingeführt hatte: Rambler strukturiere gesprochenes Material und mache daraus Notizen, To-do-Listen, Mails oder Aufzählungen; laut Google versteht die Funktion mehrere Sprachen gleichzeitig. Für Unternehmen ist das mehr als Komfort: Solche Interaktionsmuster können mittelfristig darüber entscheiden, ob ein Notebook als „produktives Arbeitsgerät“ akzeptiert wird oder als reines Konsum-Device bleibt.

Für die Hardware schnürt Google klare Mindestanforderungen – und nähert sich damit indirekt dem Profil, das man auch von KI-fokussierten PC-Klassen kennt. Bei den Materialien nennt Google Alu, Magnesiumlegierung oder Kohlefaser; zudem sollen „reaktionsschnelle Touchscreens“ mit bis zu 2,8K-OLED-Displays verbaut sein, dazu haptische Glas-Trackpads und beleuchtete Tastaturen. Im Inneren setzt Google auf Prozessoren von Intel (x86) sowie Qualcomm und MediaTek (ARM) und ergänzt einen dedizierten KI-Chip (NPU) mit mehr als 45 TOPS Rechenleistung. (TOPS steht für Billionen Rechenoperationen pro Sekunde.) Beim Akku erwartet Google bis zu 14 Stunden Videowiedergabe oder 16 Stunden Surfen. Gleichzeitig verweist Google auf eine Speicherkrise: mindestens 16 GByte RAM seien Pflicht – ein Punkt, der die Geräte vergleichsweise teuer macht und der sich mit dem Profil von Microsofts Copilot+-Rechnern deckt, bei denen ebenfalls 16 GByte und mindestens 40 TOPS verlangt werden. Als Erkennungszeichen dient die „Glowbar“, eine Leuchtleiste am Gehäuse, die beim Hochfahren aufleuchtet, den Akkustand per Schwenkbewegung anzeigt und bei Gemini-Kommunikation mit „verspielten Animationen“ reagiert. Weitere Funktionen sollen folgen; Entwickler erhalten laut Google begrenzten Zugriff. Bei Updates orientiert sich Google an Chromebooks: zehn Jahre Android-Updates, alle drei Monate eine Aktualisierung.

Preislich positioniert sich Googlebook OS im gehobenen Bereich, was die Zielgruppe für die erste Welle bereits eingrenzt. Das günstigste Modell ist das Acer Googlebook 14 mit 14 Zoll und Core Ultra 300 ab 900 US-Dollar. Dell verlangt für das XPS Googlebook (13 Zoll, Snapdragon X Elite) mindestens 1200 US-Dollar. Asus, HP und Lenovo starten ebenfalls im vierstelligen Bereich: Das Asus Googlebook 14 (Core Ultra 300) und das HP Googlebook 14 (Snapdragon X Elite) beginnen bei 1300 US-Dollar, während das Lenovo Googlebook 15 (15,3 Zoll, Core Ultra 300) ebenfalls bei 1300 US-Dollar startet. In Europa liegen alle Modelle laut Google im vierstelligen Bereich. Genau hier entscheidet sich, ob das neue Setup gegenüber etablierten Desktop-Ökosystemen nicht nur technisch überzeugt, sondern auch wirtschaftlich: Für Nutzerinnen und Nutzer mit starkem Android-Workflow zählt vor allem die nahtlose Verzahnung mit dem Smartphone und die KI-gestützte Interaktion. Für IT-Abteilungen wird hingegen wichtiger werden, wie zuverlässig Apps und Offlineszenarien im konkreten Unternehmensbetrieb funktionieren und wie gut sich Profi-Software im Alltag abbilden lässt – denn genau bei dieser Lücke will Google mit Partnern und App-Optimierungen nachschärfen.


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