SAN ANTONIO / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Veteranin Kelsey Waters baut in San Antonio das KI-Startup Openlane auf, das kleinen Unternehmen dabei hilft, Sicherheits-Audits und Zertifizierungen schneller nachzuweisen. Sie setzt auf Automatisierung statt auf monatelange Sammelarbeit mit Tabellen und Belegketten. Ausgangspunkt war ihre eigene Frustration über ineffiziente manuelle Prozesse in sicherheitsnahen Systemen. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie sich Militär-Erfahrung in eine skalierbare KI- und Compliance-Produktlogik übersetzen lässt.

In San Antonio treffen zwei Entwicklungen aufeinander: eine wachsende Gründungskultur unter Veteranen und der dringende Bedarf kleiner Unternehmen, Sicherheitsanforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern sie auch sauber zu dokumentieren. Laut den im Text genannten Daten aus dem Umfeld der U.S. Census Bureau liegen Veteranen-getragene Unternehmen im San Antonio-Metropolenraum bei knapp 7% bis 8% aller Arbeitgeber-Firmen – das ist laut Angabe fast doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt von 4,65%. Genau in dieses Umfeld fällt Kelsey Waters, die als Marine Corps Communications Officer ihre Rolle von 2009 bis 2012 beschrieben hat: Netzwerke am Laufen halten, teilweise „aus dem Heck eines Humvees“. Aus diesem Technik- und Einsatzalltag heraus entstand bei ihr später der Impuls, einen Prozess zu verbessern, den viele Startups in der Compliance-Praxis erst sehr spät in den Blick nehmen.
Waters co-fandete Openlane im August 2024. Das Unternehmen adressiert eine konkrete Schnittstelle zwischen KI-Software und Audit-Praxis: Openlane ist eine KI-gestützte Plattform, die kleinen Betrieben dabei hilft, Sicherheits-Audits sowie Compliance-Zertifizierungen zu bestehen, indem sie aus vorhandenen Nachweisen eine verwertbare Belegkette macht. Der Mehrwert wird dabei nicht als „Compliance auf Knopfdruck“ verkauft, sondern als Unterstützung, um gegenüber potenziellen Kunden glaubwürdig zu zeigen, dass man die eigenen Sicherheitsanforderungen ernst nimmt. Technisch lässt sich dieser Ansatz als Orchestrierung von Dokumentations- und Nachweisprozessen verstehen: Statt dass Teams Belege manuell suchen, kategorisieren und in Tabellenlogik pressen, kann die Software helfen, Evidenzen schneller zu strukturieren und konsistenter vorzubereiten.
Der Ursprung der Idee ist bemerkenswert, weil er nicht aus dem üblichen Narrativ „Wir haben KI gesehen und wollten sie irgendwo einsetzen“ kommt. Waters beschreibt vielmehr Jahre der Frustration über die manuelle Durchführung solcher Arbeiten – konkret mit einer Vorgehensweise, bei der jede einzelne Evidenz über ein Spreadsheet erfasst wird. Ihre zentrale Erkenntnis: Diese Art der Arbeit sei „insanely inefficient“. Aus dieser Erfahrung heraus habe sie mit ihren zwei Mitgründerinnen und Mitgründern zusammen die Frage gestellt, ob sich ein System bauen lässt, das den Prozess deutlich besser macht. Gerade in sicherheitsnahen Abläufen ist Effizienz nicht nur ein Kostenfaktor, sondern auch ein Risiko- und Qualitätsfaktor: Je stärker ein Prozess auf menschliche Detailarbeit angewiesen ist, desto höher wird die Varianz zwischen Teams, Projekten und Zeitpunkten – und desto schwieriger wird später die Nachvollziehbarkeit gegenüber Audits.
Waters verbindet diese Produktidee zudem mit einem Kompetenzprofil, das sie ausdrücklich aus dem Militär-Kontext herleitet. Sie spricht von einer „military skill set“: Initiative ergreifen, eine Handlungsorientierung („bias for action“) mitbringen und aktiv erkennen, wenn etwas die Bedürfnisse der Menschen nicht erfüllt. Für Unternehmen ist das in der Startup-Praxis relevant, weil KI-Projekte selten an der Modellinnovation scheitern, sondern an der Umsetzung im Tagesgeschäft: Daten müssen verfügbar sein, Workflows müssen funktionieren, Verantwortlichkeiten müssen klar bleiben. In diesem Sinne ist Openlane weniger ein reines Forschungsprojekt als ein „Workflow-Produkt“, das das richtige Maß an Automatisierung für wiederkehrende Compliance-Aufgaben liefern will.
Auch der Weg zur Finanzierung zeigt den Markt- und Ökosystembezug. Waters ist seit 2020 Mitglied bei Geekdom und erhielt laut Text zuletzt 30.000 US-Dollar über den Geekdom Community Fund. Dass sie dafür nicht nur Pitch-Decks, sondern offenbar auch einen klaren Problembezug mitbrachte, passt zum Grundton, den Brian Sierakowski – als entrepreneur in residence bei Geekdom – anschlägt: Beim Aufbau eines Unternehmens sei nichts „fix“. Es gibt, wie er es beschreibt, unendlich viele Möglichkeiten, wie man zum Erfolg kommt; genau diese Vielfalt macht den Weg so anspruchsvoll. Für Veteranen ist diese Dynamik besonders spannend: Waters sagt, die fehlende Komponente sei meist weniger die Fähigkeit zum Handeln, sondern eher die passende Community – also Mentoren, Mitgründer und wiederkehrender Austausch mit anderen, die ähnliche Hürden kennen. Sie nennt dabei ausdrücklich eine „cohort“ aktiver Gründerinnen und Gründer aus dem Umfeld aktueller Militär-, Veteranen- und Reservistenerfahrung in San Antonio.
Konkrete Barrieren beim Start sieht Waters dagegen nicht als prinzipielles Hindernis. Sie formuliert sinngemäß: „Founders sind Founders“, und speziell Veteranen ließen sich von wenig Dingen leicht abbringen. Das ist zwar als Haltung zu verstehen, hilft aber inhaltlich bei der Einordnung des Produkts: Wenn Compliance-Arbeit scheitert, liegt das häufig nicht an einzelnen technischen Komponenten, sondern daran, dass Teams wiederholt gegen Zeitdruck, unklare Belegdichte oder fehlende Systematik kämpfen. Eine KI-gestützte Plattform muss daher in der Praxis nachweisen, dass sie nicht nur „intelligent“ wirkt, sondern echte Zeit spart und Fehlerquoten reduziert. Genau deshalb ist der Fokus auf Sicherheits-Audits und Zertifizierungen so greifbar: Hier gibt es harte Qualitätskriterien, die sich daran messen lassen, ob Nachweise beim Audit akzeptiert werden.
Für die Region ist das Timing ebenfalls interessant: Die SA Startup and Tech Week läuft dem Text zufolge in der nächsten Woche an, mit mehr als 40 kostenlosen Sessions an drei Standorten in der Innenstadt – darunter Geekdom und eine öffentliche Bibliothek. Solche Formate wirken oft wie ein Katalysator für Netzwerke: Gründungen wie Openlane profitieren von Sichtbarkeit, potenziellen Pilotkunden und direkten Gesprächen mit Menschen, die später als Berater, Partner oder frühe Anwender auftreten können. Gleichzeitig zeigt der Fall eine größere Branchenentwicklung: KI wandert zunehmend von experimentellen Demo-Szenarien in produktive Workflows, insbesondere dort, wo Dokumente, Prozessketten und wiederkehrende Prüfungen dominieren. Wenn Openlane diesen Ansatz solide im Mittelstand verankert, könnte sich KI in Compliance-Aufgaben in der Breite eher als „Operational Layer“ durchsetzen – nicht als Ersatz für Verantwortliche, sondern als Beschleuniger für belastbare Nachweise.
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