NEW YORK CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Einstieg ins Investmentbanking bei JPMorgan und Goldman Sachs ist heute deutlich anspruchsvoller als noch vor einigen Jahren. Eine ehemalige JPMorgan-Mitarbeiterin beschreibt, warum Praktika als Türöffner funktionieren, aber selten ausreichen. Besonders wichtig sind laut ihr eine früh aufgebaute „Story“ über mehrere Jahre, passendes Networking und eine souveräne Vorbereitung auf typische Interviewformate. Dazu kommen Denkaufgaben, bei denen weniger die „richtige“ Antwort zählt als die Herangehensweise.

Die Wahl des Arbeitgebers wird im Investmentbanking schnell zur strategischen Entscheidung: Wer bei großen Häusern wie JPMorgan oder Goldman Sachs starten will, konkurriert nicht nur um Stellen, sondern auch um die Aufmerksamkeit der Recruiting-Teams. Dass der Weg dorthin nicht mit einem einzigen Praktikum „automatisch“ endet, wird in Erfahrungsberichten aus der Branche besonders deutlich. Eine ehemalige JPMorgan-Mitarbeiterin mit Bezug auf New York City hebt hervor, dass sich der Einstieg gegenüber früher spürbar verschärft hat: Es reicht immer weniger, einmal zu glänzen, stattdessen müssen Kandidaten über mehrere Stationen hinweg ein konsistentes Profil aufbauen.
Praktika gelten in diesem Umfeld zwar weiterhin als einer der effizientesten Einstiegskanäle, die Auswahlmechanik dahinter wirkt aber wie ein Filter mit sehr enger Maschengröße. Für Goldman Sachs nennt der Beitrag für das Jahr 2022 eine weltweite Annahmequote von etwa 1,5 Prozent bei Praktika. Im Vergleich dazu lag die Annahmequote für Harvard im selben Jahr bei 3,19 Prozent. Allein diese Gegenüberstellung macht klar, warum viele Bewerber ihren Lebenslauf nicht mehr auf „einen Wurf“ ausrichten, sondern mehrere Praktika und Projektphasen kombinieren, um nachweisbar Kompetenz und Durchhaltevermögen zu zeigen.
Damit rückt ein zweiter Faktor in den Fokus: Networking. Laut dem Bericht geht es dabei weniger um oberflächliche Kontakte, sondern um das praktische Kennenlernen von Berufstätigen, damit Fürsprecher im Unternehmen Empfehlungen aussprechen können und auf offene Rollen hinweisen. Für viele Studierende bedeutet das, dass sie zusätzlich zu guten Noten gezielt Aktivitäten wählen, die sich im Gespräch in eine verständliche Entwicklung übersetzen lassen. Die ehemalige JPMorgan-Mitarbeiterin empfiehlt außerdem, früh mit relevanten Erfahrungen zu beginnen und eine belastbare Geschichte über mehrere Jahre vorzubereiten. In ihrem eigenen Beispiel spielt nicht nur akademische Arbeit eine Rolle: Sie sammelte Spenden für Brustkrebsforschung, arbeitete als Lehrassistentin in einem Kurs für Marketing und Unternehmensanalyse und engagierte sich als Schülermentorin.
Im nächsten Schritt entscheidet dann die Vorbereitung auf das Interview, denn die Gesprächsformate sind oft standardisiert und sollen nicht nur „Wissen“, sondern vor allem Denkstil und Selbstpräsentation sichtbar machen. Bei Praktikums- und Analystenprogrammen von JPMorgan, so der Beitrag, werden Bewerber typischerweise in große Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten eingeteilt. Entsprechend sollten sie sich im Vorfeld nicht nur über das Unternehmen, sondern auch über die konkreten Arbeitsfelder informieren. Als Einstiegsfrage nennt die Quelle wiederkehrend: „Erzählen Sie mir von sich.“ Die Erwartung dahinter ist klar – eine prägnante Antwort, die Leidenschaft für die Position zeigt, gleichzeitig aber genug Substanz enthält, um Leistungen, Engagement und Noten sinnvoll einzuordnen und sich abzuheben.
Interessant ist außerdem, dass im Interview Denkaufgaben gestellt werden können, deren Hauptziel weniger die korrekte Lösung als die Analyse und Herangehensweise ist. Das verschiebt die Bewertungslogik: Kandidaten sollten nicht nur Ergebnisse liefern, sondern strukturiert erklären, wie sie ein Problem zerlegen, welche Annahmen sie treffen und wie sie mit Unsicherheit umgehen. Genau hier fällt die Lücke zwischen „gut im Studium“ und „fit für die Arbeit“: In der Praxis zählt, wie schnell jemand in einer neuen Aufgabenwelt Ordnung schafft. Wer diese Logik verinnerlicht, kann auch dann überzeugen, wenn die Aufgabe nicht sofort „gelöst“ wirkt.
Für den Sprung vom Praktikum in eine Vollzeitrolle nennt der Beitrag schließlich drei Eigenschaften, die aus Sicht der Autorin besonders relevant sind: Begeisterung für die Stelle, Neugier und Hilfsbereitschaft. Diese Kombination ist strategisch, weil sie sowohl kurzfristige Einsatzfähigkeit als auch langfristige Teamtauglichkeit signalisiert. Begeisterung sorgt dafür, dass Kandidaten die Inhalte nicht nur „abarbeiten“, sondern aktiv nachfragen und sich einarbeiten wollen. Neugier verhindert, dass sie bei der ersten Erklärung stehen bleiben, und Hilfsbereitschaft adressiert den praktischen Alltag in Bankteams, in dem Zusammenarbeit und verlässliche Unterstützung oft über Erfolg oder Reibung entscheiden.
Für Unternehmen und Recruiter lässt sich daraus eine realistische Erwartung ableiten: Die Hürde für den Einstieg ist so hoch, dass sich Bewerberprofile weniger über einzelne Highlights definieren, sondern über Konsistenz. Praktische Konsequenz für Kandidaten ist, frühzeitig eine eigene „Narrativ“-Klammer zu bauen und zugleich die Interviewkommunikation zu trainieren – inklusive klarer Struktur bei Denkaufgaben. Damit entsteht ein Transfer, der über das reine Bewerbungstraining hinausgeht: Wer die Fähigkeit zur Problemaufteilung und das eigene Lernprofil sichtbar macht, reduziert das Risiko für Arbeitgeber und erhöht die Chance, aus einem Praktikum eine feste Position zu machen.
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