LONDON (IT BOLTWISE) – Aktive ETFs setzen nicht nur auf Indexabbildung, sondern kombinieren die Handelbarkeit eines ETFs mit gezielter Titelauswahl. In einem Webinar der DWS erklärten Portfolio- und Produktverantwortliche am Beispiel der Xtrackers Enhanced Active ETFs sowie des Xtrackers Global Growth Leaders Active ETF, wie Zusatzerträge über lange Zeiträume entstehen sollen. Zentral war dabei die Logik, Wachstum jenseits großer Mega-Caps zu identifizieren und Bewertung sowie Wachstum zusammen in die Selektion einfließen zu lassen. Für Anleger rückt damit weniger die Frage nach „aktiv versus passiv“ in den Vordergrund, sondern das konkrete Ausführungsdesign der aktiven Strategie im ETF-Mantel.

Aktive ETFs werden oft als Zwischenform beschrieben: Sie sollen die Kosten- und Handelsvorteile eines börsengehandelten Fonds mit dem Portfoliomanagement verbinden, das bei klassischen aktiv gemanagten Fonds nach Alpha strebt. Genau an dieser Schnittstelle setzt der Ansatz an, den die DWS in einem Webinar vorgestellt hat: Während passive Indexfonds Märkte abbilden, versuchen aktive ETFs gezielt, Werttreiber zu identifizieren und daraus zusätzliche Erträge zu erschließen. Das ist besonders dann relevant, wenn sich Wachstum nicht mehr so klar auf wenige „Benchmark-Treiber“ konzentriert, sondern sich Chancen eher in Nischen und bei weniger sichtbaren Unternehmen zeigen.
Technisch betrachtet liegt der Kern nicht allein im „Aktiv“-Versprechen, sondern in der Umsetzung: Ein ETF ist darauf ausgelegt, transparent und effizient an der Börse gehandelt zu werden. Aktive ETFs brauchen daher eine Strategie, die sich regelbasiert oder zumindest prozessgetrieben in ein portfoliobasiertes Handels- und Rebalancing-Konzept übersetzen lässt, ohne dass die Mechanik der ETF-Struktur die eigentliche Titelselektion aushebelt. In der Präsentation wurde das anhand konkreter Produktlinien greifbar, darunter die Xtrackers Enhanced Active ETFs. Der dortige Gedanke: Selbst vergleichsweise kleine, aber über längere Zeiträume verlässliche Zusatzerträge können im Ergebnis einen deutlichen Effekt haben. Das ist im Kern ein Rendite- und Erwartungswert-Argument, das gerade in Phasen mit volatileren Bewertungen relevant wird.
Bei der zweiten gezeigten Säule, dem Xtrackers Global Growth Leaders Active ETF, verlagerte sich der Fokus auf die Selektionslogik. Das Management setzt demnach darauf, disruptive Innovatoren jenseits der etablierten Mega-Caps zu finden. Solche Werte sind allerdings schwerer zu „sehen“, weil ihre Kursentwicklung häufig früher bewertet wird, als Kennzahlen am Markt bereits vollständig sichtbar sind. Deshalb spielt in der Titelauswahl nicht nur das Wachstum als Story eine Rolle, sondern auch die Bewertung: Wachstum und Bewertung fließen gemeinsam in die Auswahlentscheidung ein. Zusätzlich wurde eine Faustregel aus dem Venture-Capital-Umfeld herangezogen, die als Orientierungsgröße bei der Einschätzung der Titel dient. Das zielt darauf, nicht ausschließlich auf die bisherige Größe oder die reine Marktbewertung zu schauen, sondern ein Risikoprofil und ein Chancenbild systematisch zu berücksichtigen.
Für Anleger ist dabei vor allem die Frage entscheidend, wie die aktive Komponente in einen ETF-Kontext „eingezogen“ wird. Bei klassischen aktiven Fonds sind Kostenstruktur und Reporting zwar ebenfalls klar, aber die Handelsmechanik ist stärker vom Fondsprozess geprägt. Im ETF-Lager rückt dagegen die Alltagstauglichkeit in den Vordergrund: Börsennotierung, handelbare Einheiten und eine Struktur, die sich in das Portfoliomanagement vieler Institutionen einfügt. Genau deshalb ist das Argument „ETF-Effizienz trifft auf Titelselektion“ mehr als Marketing: Es soll den Spagat schaffen, aktive Einzelfallentscheidungen mit einer Konstruktion zu kombinieren, die die administrative und operative Umsetzung erleichtert. Die Webinar-Darstellung stellte zudem die beteiligten Rollen in den Vordergrund: Markus Doerr als Senior Product Specialist Equities & SQI bei der DWS, Dr. Felix Armbrust als Portfolio Manager mit Verantwortung unter anderem für den Xtrackers Global Growth Leaders sowie Edmond Kaiser als Client Coverage Analyst Xtrackers, der den Austausch mit Portfolio Managern und Fondsselektoren begleitet.
In den Biografien der Referenten steckt zudem ein Hinweis auf die Art von Kompetenz, die solche Strategien im Alltag brauchen. Dr. Felix Armbrust promovierte unter anderem zu Anwendungen von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen im Finanzbereich und beschäftigte sich früh mit Sprachmodellen und Large Language Models. Für die Strategieentwicklung bedeutet das nicht automatisch, dass ein bestimmter Modelltyp öffentlich „als Zauberformel“ eingesetzt wird; aber es legt nahe, dass datengetriebene Ansätze in der Arbeit mit Themen wie Unternehmensanalyse, Informationsverarbeitung und Prognose-Logik eine Rolle spielen können. In ähnlicher Weise unterstreicht die Einbindung von Produkt- und Coverage-Expertise, dass die Ausgestaltung der aktiven Komponente auch aus Sicht der Investorenpraxis gedacht wird: Welche Parameter sind verständlich, wie lässt sich die Strategie im Mandatskontext erläutern und wie wird die Selektion gegenüber einem passiven Referenzbild abgegrenzt?
Marktseitig ist der Zeitgeist klar: In einem Umfeld, in dem Wachstumschancen zunehmend außerhalb der bekannten Mega-Caps gesucht werden, steigt die Nachfrage nach Lösungen, die nicht nur nach Indexgewicht arbeiten. Genau hier positionieren sich aktive ETFs, weil sie theoretisch weniger „nur“ in Large Caps investieren müssen, sondern systematisch auch andere Segmente adressieren können. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung bei den Investoren, den Strategieprozess zu prüfen: Welche Kriterien steuern die Titelauswahl, wie werden Bewertungsunterschiede interpretiert, und wie robust ist die Umsetzung in unterschiedlichen Marktregimen? Die im Webinar genannten Elemente – verlässliche Zusatzerträge über lange Zeiträume, die Kombination aus Wachstum und Bewertung sowie eine Faustregel aus dem Venture-Capital-Umfeld – skizzieren dabei eine Richtung: eher ein Portfolioansatz mit selektivem Renditetreiber-Charakter statt bloßem Faktor-Banking.
Für die Praxis in Deutschland und Europa lohnt sich daher ein Blick darauf, wie solche Produkte in Asset-Allokationen eingebettet werden. Aktive ETFs können als taktische Ergänzung zu passiven Kernbeständen dienen, wenn ein Portfolio bewusst Lücken im Indexprofil adressieren will. Daneben können sie für selektive Wachstumsmandate interessant sein, bei denen der Investor eine aktive Über- oder Untergewichtung bestimmter Teilsegmente erwartet, ohne vollständig in die operative Komplexität klassischer Fondsprozesse zu rutschen. Entscheidend ist, dass Anleger die Strategie nicht nur als Namen – „Enhanced Active“ oder „Global Growth Leaders“ – verstehen, sondern als Prozess: vom Screening über die Bewertungssystematik bis zur Portfolio-Konstruktion. Genau dort wird die angekündigte Kombination aus ETF-Effizienz und aktiver Titelselektion konkret.
Interessant ist abschließend auch, wie die Themen im Webinar organisatorisch vermittelt wurden: Die DWS brachte das Thema als Aufzeichnung in den Kontext wiederholbarer Weiterbildung, und die Referenten deckten sowohl Produkt- als auch Portfolioperspektive ab. Für Entscheidungsträger in Vermögensverwaltung und Corporate Finance ist das relevant, weil solche Formate die technische und strategische Abgrenzung zwischen aktiven und passiven Ansätzen verständlicher machen. Wer darüber nachdenkt, ob aktive ETFs die richtige Ergänzung zum bestehenden Setup sind, sollte in der nächsten Bewertung daher besonders auf die „Mechanik der Umsetzung“ achten: Wie entsteht der angestrebte Mehrwert, wie wird er im Portfolio sichtbar gemacht und wie wird er über Zeiträume hinweg plausibilisiert. In dieser Hinsicht liefert das Webinar zumindest die konzeptionellen Bausteine – und verlagert die Diskussion von der Grundsatzfrage hin zum konkreten Ausführungsdesign.
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