LONDON (IT BOLTWISE) – Ein ETF-Analyst von Bloomberg sagt voraus, dass Bitcoin-Fonds Gold in der langfristigen Entwicklung überholen werden. Gleichzeitig räumte er kurz zuvor ein, dass Bitcoin-ETFs nach gängiger Definition „cash verbrennen“, weil Zuflüsse stärker sind als das Wachstum der verwalteten Vermögenswerte im Zeitraum. Der Vergleich der beiden großen Produkte zeigt eine klare Divergenz: IBIT ist im letzten Jahr deutlich im Minus, während GLD zulegt. Damit verschiebt sich der Blick von kurzfristigen Preisbewegungen hin zur Frage, wer künftig im institutionellen und bei jüngeren Anlegern die größeren Kapitalflüsse anzieht.

Bitcoin-ETFs sollen Gold langfristig überholen – trotz jüngster Mittelabflüsse
Bitcoin-ETFs sollen Gold langfristig überholen – trotz jüngster Mittelabflüsse (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um Bitcoin-ETFs kippt in der Praxis oft an einem Punkt, der an Börsenkursen schwer sichtbar ist: Wie lassen sich Mittelzuflüsse und die Veränderung der Fondsgröße sauber voneinander trennen? Genau darauf hat Eric Balchunas, Senior-ETF-Analyst, in zwei kurzen Beiträgen auf X seine Argumentation aufgebaut – erst mit einer definitorischen Korrektur, danach mit einer klaren Langfrist-These. Dabei bleibt die Aussage spannend, weil sie nicht auf rosige kurzfristige Zahlen setzt, sondern auf ein strukturelles Argument zur Anleger- und Kapitalverteilung.

Zunächst kam am Donnerstag um 10:46 AM ET der Rückzieher in der Begrifflichkeit. In dem Post schrieb Balchunas: „Burn cash = flows are greater than dif in assets from beginning to end of period. In that def it has in fact burned cash.“ Übersetzt in die Logik typischer ETF-„Flow“-Tabellen bedeutet das: In einem bestimmten Zeitraum flossen mehr Gelder in den Fonds als sich gleichzeitig in der Bilanz der Nettovermögenswerte widerspiegelte. Der Kurs kann in so einem Bild trotzdem steigen oder fallen; entscheidend ist, ob die Netto-Asset-Veränderung die Zuflüsse im betrachteten Zeitraum zeitlich „mitnimmt“. Genau deshalb wirkt die spätere Prognose nicht wie ein Widerspruch, sondern wie eine bewusste Trennung von Fundamentos und Marktmechanik.

Nur knapp 90 Minuten später, um 12:11 PM ET, machte Balchunas dann den Schritt in die Zukunft. In seiner späteren Einschätzung lautet die Kernvorstellung, dass Bitcoin ETFs „one day ‘triple gold in assets’“ erreichen könnten. Hintergrund ist der Langfrist-Hypothese zufolge eine Verschiebung der Nachfrage: nicht nur wegen der Performance einzelner Produkte, sondern weil die Nutzerbasis und die institutionelle Allokationslogik voraussichtlich reifen. Balchunas formulierte auf X drei Gründe, die sich inhaltlich wie ein Mix aus Demografie, Marktstruktur und Vertriebskraft lesen: „1) btc leans younger, gold older 2) it will get used more by big money as it matures and settles down w both vol and corr 3) way more enthusiasm and sales firepower. no one is out there talking about gold ETFs but you got dozens of wholesalers.“ Hier zeigt sich das zentrale Framing: Gold sei zwar als Anlagekategorie stabil und etabliert, aber Bitcoin-ETFs könnten durch die Kombination aus breiterer Vermarktung und wachsender Akzeptanz in institutionellen Prozessen schneller skaliere n.

Der Vergleich der beiden „Flaggschiff“-Produkte macht diese Gegenüberstellung außerdem messbar. Über das vergangene Jahr betrachtet liegt der iShares Bitcoin Trust (IBIT) laut dem in der Meldung verwendeten Zeitraum mit -34,44% im Minus. Der SPDR Gold Trust (GLD) dagegen zeigt im selben Zeitraum ein Plus: +17,67%. Noch deutlicher wird die langfristige Divergenz über fünf Jahre, wo GLD mit +143,99% deutlich vorn liegt. Diese Zahlen sind wichtig, weil sie die Diskussion weg vom „Wer hat gerade gewinnt?“ hin zum „Wer bekommt langfristig neue Kaufanlässe?“ lenken. Besonders bei Rohstoff-ETFs ist die Erwartungshaltung oft anders: Gold wird in vielen Portfolios als konservativeres, etablierteres Sicherungs- und Diversifikationsinstrument behandelt. Bitcoin-ETFs dagegen stehen stärker im Spannungsfeld aus Risikoprofil, Volatilitätserwartung und dem Timing, wann große Adressen ein Produkt als „portfolio-fähig“ betrachten.

Technisch betrachtet läuft die ETF-Logik bei beiden Produkten zwar auf denselben Grundmechanismen hinaus – Ausgabe und Rücknahme von Anteilen, Preisbildung über den Net Asset Value und die Ableitung aus zugrunde liegenden Vermögenswerten –, doch der Markt für den Basiswert unterscheidet sich fundamental. Bei Bitcoin spielt die Volatilität des Basisassets eine größere Rolle, und auch die Korrelationen zu traditionellen Risikoindikatoren können über die Zeit anders aussehen. Bei Gold wirken dagegen etablierte Marktteilnehmer und ein längerer Gewöhnungsprozess an ETF-Strukturen. Balchunas argumentiert genau hier mit „Reifung“: Mit zunehmender Markttiefe und standardisierter Nutzung durch große Investoren sollen Bitcoin-ETFs langfristig weniger wie ein „Trading-Instrument“ und mehr wie ein planbares Portfolio-Element wirken. Das Zielbild „stabilisiert sich bei Volatilität und Korrelation“ ist dabei weniger eine Garantie als ein Erwartungshorizont, der davon abhängt, wie sich Nachfrage und Liquidität im Zeitverlauf entwickeln.

Interessant ist auch, wie er die Gegenposition einordnet. In einem späteren Beitrag stellt er klar: „All that said, gold isn’t going anywhere. It’s been around for 5000 years. It’s mentioned in the Bible 400 times. I can’t not respect that. I just think it will be lapped by bitcoin ETFs as a category long term.“ Damit setzt er die Aussage nicht als Entweder-oder, sondern als kategorieweiten Wettbewerb: Gold bleibt, aber Bitcoin-ETFs könnten als Anlageklasse insgesamt größere Vermögenssummen einsammeln. Für Unternehmen und Anlageausschüsse ist das relevant, weil solche Prognosen nicht primär die Rendite einzelner Quartale adressieren, sondern die Portfoliogewichte über mehrere Zyklusphasen hinweg. Wer heute Planungsannahmen für Multi-Asset-Portfolios trifft, muss deshalb stärker als bisher über Kapitalflüsse, Nutzerkohorten und institutionelle Nutzungsbarrieren nachdenken.

Auch die Produktseite liefert zusätzliche Anhaltspunkte für die Einordnung. In der Meldung wird berichtet, dass GLD am Mittwoch geschlossen habe und am folgenden Handelstag bei $399.58 intraday lag, mit +2% im Tagesverlauf und +219,51% über zehn Jahre. Die Kostenquote wird mit 0,40% genannt. Diese Kennzahlen sagen noch nichts über den „Wettbewerb“ im Sinne des Endzustands aus, sie erklären aber, warum Gold-ETFs für viele Anleger als kostengünstig und administrativ vertraut wirken. Bitcoin-ETFs stehen dagegen zusätzlich unter dem Eindruck, dass sie noch stärker im Aufbau begriffen sind – was Balchunas Hinweis auf „burned cash“ als definitorische Unterstreichung interpretiert: Die Zuflussdynamik kann schneller sein als die bilanziellen Asset-Effekte im betrachteten Messfenster. Genau diese Diskrepanz ist für Leserinnen und Leser ohne Zugang zu Fund-Flow-Spreadsheets oft schwer zu greifen.

Unterm Strich liefert die Sequenz aus definitorischer Korrektur und späterer Langfristprognose ein praktikables Lehrstück für die ETF-Analyse. Wer nur auf Kursverläufe schaut, verpasst das Zusammenspiel aus Zuflüssen, Asset-Entwicklung und dem Reifegrad der Investorensegmente. Für den Markt bedeutet das: Die Debatte um Bitcoin-ETFs wird nicht nur über kurzfristige Performance geführt, sondern zunehmend über Skalierungsvoraussetzungen – also darüber, wann und wie schnell „big money“ solche Produkte tatsächlich als Allokationsbaustein nutzt. Balchunas setzt dabei auf einen Generationenwechsel und auf die Erwartung, dass Bitcoin als Anlagekategorie über die Zeit mehr Verkaufs- und Handelskanäle durchdringt. Ob sich daraus tatsächlich die „dreifache“ Größenordnung gegenüber Gold ableiten lässt, bleibt offen – die Argumentationskette macht jedoch deutlich, warum die Diskussion für Portfolio-Entscheider jetzt schon Substanz hat.


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