LONDON (IT BOLTWISE) – Jasmin Soravia verbindet Immobilien-Expertise mit Kapitalmarkt-Fokus und baut gleichzeitig eine Finanzbildungsplattform für Frauen auf. Ihr Weg führt über Wirtschaftsprüfung in Wien, internationale Bauträgerprojekte sowie Aufsichtsratsmandate bis hin zur eigenen Beteiligungsgesellschaft und Startup-Investments. Besonders prägend waren die Erfahrung mit einem geerbten Depot und die Erkenntnis, wie wenig viele Menschen finanzielle Zusammenhänge verstehen. Als Anlagestrategie nennt sie den Optionshandel – vor allem Covered Calls auf Wochen- und Monatsbasis.

Wer Jasmin Soravia beim Wechsel von der Immobilienpraxis in den Kapitalmarkt zuhört, merkt schnell: Es geht ihr nicht nur um Rendite, sondern um Entscheidungsfähigkeit. In der Episode S26/07 des Podcasts „Börsepeople“ beschreibt die Wirtschaftsprüferin und Aufsichtsrätin einen Lebenslauf, der von der Bauträgerwelt bis zur Börse reicht – und der später in ein eigenes Finanzbildungsangebot mündet. Der rote Faden ist die Frage, wie sich komplexe Systeme strukturieren lassen: Immobilienportfolios werden analysiert, Projekte finanziert und verkauft; Finanzprodukte werden verstanden, statt blind verwaltet zu werden.
Technisch-konzeptionell beginnt ihre Laufbahn mit der Fähigkeit, Zahlen und Risiken sauber zu lesen. Nach dem BWL-Studium in Graz arbeitete sie zunächst ein halbes Jahr bei PricewaterhouseCoopers in London, bevor sie nach Wien zu Ernst & Young wechselte und dort drei Jahre in der Wirtschaftsprüfung tätig war. Dass sie dabei auch die Steuerberaterprüfung ablegte, erklärt zumindest, warum sie später in Immobilien- und Infrastrukturkontexten so stark auf Struktur, Dokumentation und Bewertungslogik setzt. Der Einstieg in die Immobilienbranche kam dann indirekt über familiäre Kontakte: Als bei der Soravia Bauträger GmbH jemand für Steuern, Recht und Rechnungswesen gesucht wurde, wurde aus dieser Schnittstellenrolle der Start in eine Branche, die ihr laut eigener Bilanz insgesamt 25 Jahre prägte.
In den folgenden Stationen wird deutlich, wie Soravias Schwerpunkt auf Portfolio- und Verkaufslogik entstanden ist. 2006 wechselte sie zur Strabag, noch bevor der Konzern an die Börse ging, und stieg in das Asset Management ein. Dort übernahm sie die Bereichsleitung für nicht betriebsnotwendige Immobilien – also jene Liegenschaften und Bestandsobjekte, die durch Zukäufe entstanden waren, aber nicht für den laufenden Betrieb gebraucht wurden. Diese Aufgabe zielte auf Strukturierung und Verkauf; sie habe die Leidenschaft für den Verkauf entdeckt, sagt Soravia sinngemäß und bringt das intern sogar mit einem „Weg-rationalisieren“ eigener Rollen in Verbindung. Anschließend wechselte sie intern in die PPP-Infrastrukturabteilung, wo sie an Projekten beteiligt war, bei denen öffentliche Hand und private Partner gemeinsam Infrastruktur realisieren.
Später vertiefte sie die Logik erfolgreicher Portfolioentscheidungen bei conwert: Von 2011 bis 2015 war sie für die Regionalleitung Österreich und CEE verantwortlich. Auch dort beschreibt sie wiederkehrende Muster – ein Unternehmen wollte den Wiener Zinshausbestand halten und sich von anderen Projekten trennen. Das bedeutete für Soravia eine konsequente Auswahl und Transaktionsarbeit, bei der sich der „Verkaufserfolg“ am Ende daran messen lässt, dass kaum noch relevante Restbestände übrig bleiben. Interessant ist dabei auch die organisatorische Einbettung: In derselben Zeit berichten sich Episoden aus dem beruflichen Alltag, etwa dass conwert in einen Raum übersiedelte, der räumlich nahe am Büro des Podcast-Hosts lag. Solche Details wirken zwar privat, zeigen aber, wie stark Netzwerke und Prozesswissen in der Immobilienbranche zusammenspielen – von der Projektentwicklung bis zu späteren Unternehmensübernahmen.
Den Schritt in die Aufsichtsratswelt beschreibt Soravia als gezielte Qualifizierung über das „Zukunftsfrauen“-Programm und als Folge eines Headhunter-Kontakts über LinkedIn. Erstes Mandat: Caverion, ein Gebäudetechnik-Konzern mit Sitz in Vantaa bei Helsinki, der an der Nasdaq notiert ist. Ihre erste Amtszeit fiel in die Zeit der Covid-bedingten Umstellungen, in der sie ein Jahr lang ausschließlich per Zoom mit dem Board zusammentraf, bevor später die erste physische Sitzung folgte – teils in nordischen Standorten wie Stockholm und Oslo, aber auch in Wien. Inhaltlich koppelt sie die Aufsichtstätigkeit an einen großen Transformationsprozess: Caverion entwickelte sich vom projektbezogenen Arbeiten hin zu einem stärkeren Serviceansatz, mit Schwerpunkten in Nachhaltigkeit (ESG) und Digitalisierung für Smart Buildings. Nach einer Übernahme durch Triton wurde Caverion anschließend von der Börse genommen.
Parallel dazu engagiert sie sich seit 2023 im Aufsichtsrat der Greco Gruppe, einem Versicherungsmakler-Unternehmen mit Fokus auf Risikoberatung und Risk Engineering. Soravia hebt dabei weniger die Kontrolle im Sinne von „Überwachen“ hervor, sondern die Rolle als Sparringpartner, der über Jahre gesammelte Expertise einbringen kann. Diese Perspektive passt auch zu ihrem Startup-Engagement: Während der Pandemie gründete sie die J. Soravia Beteiligungs-GmbH, begann später in zwei Startups sowie in den „Fund F“ zu investieren, einem europäischen Early-Stage-Venture-Capital-Fonds mit Fokus auf technologiegetriebene und gender-diverse Unternehmen. Aus ihrer Erfahrung leitet sie ein klares Learning ab: Direktbeteiligungen an einzelnen Startups würde sie heute weniger eingehen; Fonds ermöglichen breitere Risikostreuung – ein Ansatz, der ihre eigene Denkweise bei Immobilien- und Portfoliothemen spiegelt.
Der entscheidende Schwenk zur Finanzbildung trägt den Namen „Rendita“ und entsteht aus einer späten Erkenntnis über die eigene Abhängigkeit von anderen. Ausgangspunkt war der Tod ihres Vaters im Jahr 2018, der ihr ein kleines Wertpapierdepot hinterließ; zunächst ließ sie es unverändert. Als 2020 mit der Covid-Pandemie die Kurse einbrachen, wollte sie ihren Bankberater kontaktieren, erreichte ihn jedoch erst zwei Wochen später – und erkannte in dieser Zeit, dass sie selbst keine klare Vorstellung davon hatte, wie das Depot konkret investiert war. Soravia beschreibt die Situation rückblickend als Mischung aus Glück und Unglück, weil die Kurse zwischendurch wieder stiegen, das Verständnis für Risiken aber fehlte. Genau daraus zieht sie ihre Handlungslogik: Sie bildete sich über Kurse der Wiener Börse und weitere Ausbildungen weiter (laut eigener Angabe mit einem zweistelligen Tausenderbetrag), verwaltet seitdem ihr Vermögen eigenständig und erweitert das Angebot über Seminare, Kompakttage sowie ein Retreat in den Dolomiten. Den Schwerpunkt auf Frauen begründet sie mit strukturellen Unterschieden wie dem Gender Pension Gap von rund 40 Prozent und der überproportionalen Betroffenheit von Frauen bei Altersarmut – dabei kritisiert sie zugleich die Idee rein geschlechtsspezifischer „Frauenaktien“, weil ein Finanzprodukt ein Finanzprodukt bleibt; entscheidend seien die Lebensumstände, die in der Bildung stärker berücksichtigt werden müssen. Als bevorzugte Anlagestrategie nennt sie neben klassischer Vermögensverwaltung vor allem Optionshandel, ausdrücklich nicht Daytrading, sondern insbesondere Covered-Call-Writing auf Weeklys und Monthlys, wobei sie betont, dass Freitage durch auslaufende Optionen und anstehende Zinsentscheidungen oft besonders volatil und damit spannender werden.
Für Unternehmen und Finanzprofis steckt in Soravias Weg vor allem eine übertragbare Schlussfolgerung: Portfoliomanagement ist nicht nur eine Frage von Auswahl, sondern von Governance und Verständnis. Wer Projekte wie Immobilien-Transaktionen strukturiert, kann später auch Finanzprodukte verständlich in Prozesse übersetzen – und genau das versucht Rendita offenbar mit einem didaktischen Ansatz zu lösen. Zudem zeigt ihr Wechsel von operative Rollen in CEO-/CFO-Nähe hin zur „Vogelperspektive“ eines Aufsichtsrats, wie hilfreich ein Kontroll- und Sparringrahmen sein kann, wenn Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden. In Kombination mit ihrem Startup- und Fonds-Ansatz entsteht so ein konsistentes Bild: Diversifikation, Risikobewusstsein und Bildung als Grundlage für bessere Entscheidungen statt reine Produktorientierung.
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