JIUQUAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Am 25. September 2008 startete China mit Shenzhou 7 seine dritte bemannte Mission. Drei Astronauten verbrachten 68 Stunden und 27 Minuten im Orbit und absolvierten dabei den ersten chinesischen Raumspaziergang. Zentral war dabei das Zusammenspiel aus Feitian-Raumanzug, neuer Schleusen- und Missionsprozedur sowie einem neuartigen Daten-Setup für begleitende Tests. Damit legte das Programm auch die Grundlage für späteres Andocken und den Weg zur Tiangong-Raumstation.

Am 25. September 2008 markierte Shenzhou 7 einen Punkt, an dem Chinas bemannte Raumfahrt von der reinen Kapsel-Epochengeschichte in Richtung deutlich komplexerer Operations überging. Zwar dauerte die Mission „nur“ drei Tage, doch innerhalb dieser Zeit wurden mehrere technische Bausteine erstmals in einem zusammenhängenden System erprobt. Drei Astronauten starteten im Shenzhou-Raumschiff auf einer Long March 2F-Rakete vom Jiuquan Satellite Launch Center. Im Ergebnis waren die Bedingungen für das, was die Öffentlichkeit meist als sichtbaren Höhepunkt wahrnimmt – der Raumspaziergang – nicht nur organisatorisch vorbereitet, sondern technisch in das Gesamtdesign der Mission eingebettet.
Die Crew bestand aus Kommandant Zhai Zhigang sowie Liu Boming und Jing Haipeng. Bemerkenswert ist, dass China damit nicht einfach eine Einzelmission absolvierte, sondern eine neue Besatzungskonfiguration dauerhaft in den Flugablauf überführte: Es handelte sich um die ersten drei Personen, die für Chinas Raumfahrt gemeinsam an Bord gingen. Nach dem Start verbrachten sie insgesamt 68 Stunden und 27 Minuten im Orbit; die Mission lief vom 25. bis zum 28. September 2008. Dass alle drei Astronauten 42 Jahre alt waren, unterstreicht zugleich den „Mannschaftscharakter“ solcher Programme: In der Raumfahrt entscheidet weniger das Durchschnittsalter als die Fähigkeit, Prozeduren präzise und in enger zeitlicher Taktung durchzuführen, etwa beim Vorbereiten des Raumanzugs, beim Arbeiten an Schnittstellen zwischen Schleuse und Außenbereich oder beim Koordinieren von Video- und Telemetrieabläufen.
Technisch kommt Shenzhou 7 besonders durch den ersten chinesischen Raumspaziergang ins Spiel. Zhai Zhigang, ein früherer Kampfpilot, führte die extravehikuläre Aktivität aus. Dafür nutzte er den damals neuen Feitian-Raumanzug, der in der Mission im Kontext eines 15-Millionen-Dollar-Programms (100 Millionen Yuan) genannt wird. Der Raumspaziergang selbst dauerte etwa 20 Minuten und hatte erklärten Testcharakter: Der Anzug sollte in der Praxis überprüft werden, ebenso eine neue Airlock-Logik, die aus dem orbitalen Modul heraus umgesetzt wurde, sowie weitere Technologien, die im Außenbetrieb zusammenwirken müssen. Hinzu kam ein Medienaspekt, der im Programmkontext ebenfalls als „erstmalig“ hervorgehoben wird: Der Ablauf – einschließlich Start und Landung – wurde live im Fernsehen übertragen. Aus Engineering-Sicht ist „live“ nicht nur ein Kommunikationssignal, sondern ein zusätzlicher Belastungstest für die Datenkette von Sensorik bis zur Außenvermittlung.
Neben dem sichtbaren Ereignis liefert die Missionsbeschreibung auch Hinweise darauf, wie China die Lernkurve strukturiert hat. In der Rückschau wurden mehrere Schlüsseltechnologien genannt, die im Vergleich zu Shenzhou 5-Varianten bzw. früheren bemannten Flügen systematisch weiterentwickelt wurden. Dazu zählten unter anderem Konstruktions- und Designansätze für eine integrierte Schleusen- und Lebensmodul-Architektur, Verfahren für die Durchführung von extravehikulären Aktivitäten sowie ein Relay-Satelliten-Daten-Terminalsystem, das für die Informationsübertragung im Orbit eine Rolle spielt. Außerdem wird auf ein In-orbit-Test-Design verwiesen, auf Lokalisierungs- und Anwendungstechnologie für Raumflugprodukte sowie auf Design- und Anwendungsaspekte für die dreisitzige Transportkapazität. Damit wird ein Muster sichtbar: Shenzhou 7 war keine einzelne „Feier“ des Außenbords, sondern ein Flug, der die Routine für zukünftige Missionen vorbereiten sollte – mit klarer Schwerpunktsetzung auf Schnittstellen, Prozesssicherheit und Systemintegration.
Ein weiterer technischer Punkt war das Aussetzen eines Begleitsatelliten namens Banxing. Dieser Mini-Satellit diente dazu, Fotos und Videos von der Mission bzw. dem Raumschiff aufzunehmen – also Aufgaben, die nicht erst am Boden ausgewertet werden, sondern die im Gesamtbetrieb Daten und Bilder liefern sollen, um die Leistung von Übertragung, Stabilität und Sichtachsen zu beurteilen. Solche „Nebenlasten“ sind in bemannten Programmen nicht nebensächlich: Sie erhöhen den Grad an Systemkomplexität, weil Flugzeit, Bahnlage, Strombudget und Kommunikationsfenster gleichzeitig koordiniert werden müssen. In der Außenperspektive erscheint Banxing als Zusatz; im operativen Kern ist es ein Testhebel, der zeigt, wie robust das System auch dann bleibt, wenn mehrere Informationsströme parallel laufen.
Die Mission endete nach dem dreitägigen Aufenthalt mit der Landung in der Inneren Mongolei am 28. September 2008. Strategisch stellte Shenzhou 7 damit eine Art Zwischenstation auf dem Weg zu noch ambitionierteren Flugprofilen dar: Insbesondere Docking-Missionen und Flüge zu den kleineren Tiangong-Raumlaboren werden als Konsequenz genannt. Diese Schritte sind historisch betrachtet typisch für bemannte Raumfahrtpfade: Erst werden Außenoperationen und neue Schnittstellen verlässlich, danach folgt das Andocken als „nächste“ Disziplin – und anschließend wird das Gelernte in größere Strukturen überführt. Für die industrielle und wissenschaftliche Entwicklung bedeutet das: Wer an Trainingsprozeduren, Anzugtechnik, Schleusenmechanik oder Datenübertragungssystemen beteiligt ist, bekommt hier einen Referenzflug, dessen Parameter und Testlogik später in wiederholbaren Betriebsabläufen wiederauftauchen. Und selbst wenn Künstliche Intelligenz (KI) in dieser konkreten historischen Mission selbst nicht als Kernkomponente auftaucht, prägen solche Datensätze und Telemetrie-Erfahrungen die späteren KI-gestützten Auswertungs- und Planungsworkflows in der Raumfahrt – weil Modelle nur so gut werden wie die Qualität der zugrunde liegenden Messketten.
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