LONDON (IT BOLTWISE) – EA Sports FC 27 wirkt weniger wie ein Sprung nach vorn als wie eine präzise Anpassung am Ballgefühl. Besonders im Ultimate Team belohnt das Spiel inzwischen mehr manuelle Abwehrkontrolle, während sich das Timing für Pässe und Außenläufe stärker auf dem Platz bemerkbar macht. Mit The Grounds kommt zwar ein instanziertes Open-World-Format ins Spiel, aber es bleibt vorerst ein Nebenmodus für kurze Sessions. In den Karriereteilern zeigt sich EA zudem beim Detailgrad – doch hinter den Kulissen kann die KI-Entscheidungslogik noch holprig sein.

EA Sports FC 27 im Test: Mehr Spielaufbau, schwächere KI und ein limitiertes Grounds-Konzept
EA Sports FC 27 im Test: Mehr Spielaufbau, schwächere KI und ein limitiertes Grounds-Konzept (Foto: IT BOLTWISE)
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EA Sports FC 27 startet mit einem Anspruch, der im ersten Moment nach „neuem Modus“ klingt: The Grounds bringt ein instanziertes, klein gehaltenes Open-World-Setting ins Spiel. Wer aber vor allem den Fußball selbst spielt, merkt schnell, dass sich der größte Hebel in den Systemen versteckt, die über viele Matches hinweg konstant wirken. In Ultimate Team verschiebt sich der Schwerpunkt spürbar weg von automatisierten Entlastungen hin zu kontrollierten Aktionen, vor allem in der Defensive. Das bedeutet: Das Spiel bleibt dynamisch, verlangt aber in Momenten, in denen man früher auf CPU-Unterstützung setzen konnte, mehr saubere Eingaben und bessere Laufwege.

Technisch gedacht liegt der Kern der Veränderung in der Balance zwischen assistierter Verteidigung und manueller Steuerung. Laut Testbeschreibung wurde CPU-assistierte Defense in Ultimate Teams Competitive-Einstellung „nerfed“, während die manuelle Kontrolle der eigenen Verteidiger stärker belohnt wird. Dadurch steigen allerdings auch die Anforderungen an das eigene Timing: Wer zu hektisch umschaltet oder die Raumdeckung nicht aktiv hält, landet schnell in Situationen, in denen man einen Spieler anwählt, der gerade nicht die passende Rolle im Pressing übernimmt. Neben der Abwehrsteuerung fallen außerdem mehrere kleinere Gameplay-Tweaks ins Gewicht: neue Team-Läufe, mehr Spielerbeherrschung bei Eckbällen und eine präzisere Zielanforderung bei Steilpässen, die das Gefühl „echter“ bringen sollen.

Damit hängt auch die subjektive Zufriedenheit zusammen, die im Testbericht besonders betont wird: Das Lesen des Gegners und das Unterbrechen von Spielwegen durch früh getimtes Abfangen oder das Aufreißen der gegnerischen Struktur mit einem gut platzierten Steilpass funktioniert, wenn die Kontrolle stimmt. Gerade deshalb wirkt FC 27 an manchen Stellen wie eine Belohnungsmaschine für Spielverständnis, nicht nur für Reflexe. Erwähnt wird zudem, dass die neuen „curved runs“ helfen können, Stürmer in einer günstigeren Offside-Position zu halten und sie in bessere Angriffsoptionen zu bringen. Gleichzeitig bleiben die Schwächen sichtbar: Frantic Sequences mit viel Spielerwechsel können die Steuerung fragmentieren, und CPU-Teammates sollen in manchen Phasen unkluge Entscheidungen treffen.

The Grounds ist in diesem Bild der interessanteste, aber auch der am kritischsten eingeordnete Neuzugang. Das Konzept folgt dem Prinzip, dass man an mehreren Standorten zur eigenen Figur queue’t, um dort Varianten von Rush, andere Small-Side-Formate sowie Mini-Games zu spielen. In den Testausführungen wird auch beschrieben, dass Clubs den Modus nun ebenfalls beherbergen. Der Haken liegt laut Darstellung weniger im Umfang, sondern in der Ausrichtung: The Grounds sei kein „Destination Mode“, weil das Gameplay nicht stark genug oder zu wenig motivierend in sich geschlossen wirkt, zudem bleibt es separate vom Player Career. Für Gelegenheitsspieler soll es damit schwer sein, eine passende Nische zu finden; der Modus wirkt eher wie ein Trainingsplatz für „Sweats“, die FC Season Points sammeln, um Ultimate-Team-Rewards zu erhalten.

Während The Grounds also eher wie ein zusätzlicher Taktgeber funktioniert, bleibt Ultimate Team der eigentliche Motor. Der Bericht verweist auf eine neue Gallery, die sich in der Logik wie eine Art Squad Building Challenge (SBC) anfühlt: Man stellt thematische Sets zusammen, erhält Rewards, und kann Sets weiter aufwerten, indem bessere Karten eingebracht werden. Interessant ist dabei der Spielrhythmus aus Re-Gradings und dem Streben nach höheren Set-Scores und -Grades, zusätzlich soll das System sogar Spieler erlauben, die man früher besaß, dann aber wieder verkauft hat. Passend dazu heißt es, dass man in Ultimate Team in dieser Iteration mit mehr Coins und handelbaren Items startet – ein möglicher Startvorteil, der besonders für Gallery-Zyklen kurzfristig hilft. Gleichzeitig bleibt ein UX-Thema: Die Gallery wird zwar wie eine Trophy Room präsentiert, doch in der Form interagieren Spieler nicht wirklich so, wie die Inszenierung es suggeriert.

Auch die Manager- und Player-Career-Änderungen werden als eher „granular“ als radikal beschrieben. Das Training-Plan-System soll verschwunden sein, während Manager Career weiterhin Dynamic OVR für Spieler nutzt, die sich über Form, Fitness und Moral während langer Saisons hinweg nachvollziehbar verändern. Im Verhandlungsprozess soll ein „Tension“-Meter helfen, während es bei den Entscheidungen auch unerwartete Ereignisse geben kann – etwa die Gelegenheit, einen Spieler zu verpflichten, der eigentlich auch den Rivalen interessiert. Genau hier zeigt sich aber die zweite Seite: Das Rivalry-System in der Player Career sei zu rudimentär, um dauerhaft ähnlich spaßige Momente zu erzeugen. Statt echter Rivalitätsdynamik bleibt es häufig bei Menüs mit Fortschrittsanzeigen, plus einem weiteren Weg, Personality Points zu generieren. Dazu kommt, dass „CPU determinations“ im Hintergrund manchmal wackeln: Im Test wird beschrieben, dass Spieler bereits beim ersten Angebot transferiert werden wollten, obwohl man in dieser Version offenbar weniger blockieren kann als in früheren Jahren.

In der Summe ergibt sich ein klares Bild: EA verbessert Career-Elemente Schritt für Schritt und hält das Franchise dabei nah an dem, was Fans aus dem Vorgänger kennen. Wer ein konsistentes Gefühl auf dem Platz sucht, bekommt es offenbar weiterhin – nur mit einem höheren Kontrollanteil in der Defensive und anspruchsvolleren Ziel- beziehungsweise Laufentscheidungen. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass FC 27 zwar an mehreren Stellschrauben dreht, die größten strukturellen Ambitionen jedoch noch nicht durchschlagen. Für viele dürfte das dennoch ein guter Kompromiss sein: Ultimate Team liefert den stärksten Mehrwert, The Grounds ergänzt das Ökosystem, aber bleibt vorerst eher ein Zusatz für kurze, zweckmäßige Sessions statt ein Modus, der neue Langzeit-„Destination“-Gewohnheiten schafft.


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