LONDON (IT BOLTWISE) – Rheinland-Pfalz übt am 26. September 2026 großflächig den Brand- und Katastrophenschutz. Rund 5.000 Einsatzkräfte nehmen an mehr als 180 Einzelübungen teil, um Melde- und Kommunikationswege zwischen Landkreisen, Leitstellen und Lagezentrum zu prüfen. Im Fokus stehen dabei auch Szenarien mit Starkregen, Gewittern und Sturmböen sowie simulierte Stromausfälle. In Mainz und Trier wird die Koordination unter realitätsnahen Ausfallbedingungen einschließlich alternativer Notfallmeldestellen trainiert.

Rheinland-Pfalz geht mit einem zweiten landesweiten Übungstag nach dem Auftakt 2025 in den Intensivmodus: Am 26. September 2026 sollen rund 5.000 Einsatzkräfte in insgesamt über 180 Einzelübungen zeigen, wie stabil die Krisenkommunikation in der Fläche funktioniert. Aus Sicht der Einsatzpraxis ist das weniger ein „Probelauf“ für Technik als ein Belastungstest für Abläufe: Wer Informationen aus Landkreisen und kreisfreien Städten an Integrierte Leitstellen und das Lagezentrum Bevölkerungsschutz des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz (LfBK weitergibt, muss auch unter Zeitdruck und bei wechselnden Lagen ein gemeinsames Lagebild erzeugen. Die Veranstalter setzen dabei bewusst auf Wiederholung, denn Formate wie dieser jährliche Übungstag – künftig jeweils am letzten Samstag im September – sind nur dann sinnvoll, wenn sich Fehler systematisch finden und beheben lassen.
Das zentrale Szenario kombiniert Wetterextreme mit Kommunikationsanforderungen: Eine Kaltfront aus Frankreich soll massiven Starkregen, kräftige Gewitter und Sturmböen in exponierten Lagen mit Geschwindigkeiten zwischen 90 und 120 km/h auslösen. Genau in solchen Situationen geraten nicht nur Einsatzwege unter Druck, sondern auch die Fähigkeit, Meldungen konsistent zu erfassen, zu priorisieren und weiterzuleiten. Im Übungsdesign steht deshalb die Prüfung der Kommunikations- und Meldewege zwischen den beteiligten Ebenen im Mittelpunkt – von den Kommunen bis hin zum Lagezentrum. Auch der parallel angekündigte Einsatz eines Sammelraums durch den ASB-Landesverband Rheinland-Pfalz an der MEWA Arena zeigt, dass die Übung nicht nur „Alarmierung“, sondern auch organisatorische Vorhaltung und Entlastungstrukturen im Blick hat.
Technisch und organisatorisch besonders anspruchsvoll wird es im Großraum Mainz. Dort beteiligt sich die Feuerwehr Mainz am 26. September 2026 zwischen 8 und etwa 14 Uhr an dem landesweiten Vorhaben. Das Mainzer Szenario simuliert einen länger andauernden Stromausfall, der Kommunikations- und Versorgungsstrukturen einschränkt. Rund 100 Einsatz- und Unterstützungskräfte proben dabei die Arbeit des Führungsstabs, die Leitstellenstrukturen sowie die Erstellung eines gemeinsamen Lagebilds – also genau jene Kette, die im realen Ereignis entscheidet, ob Lageinformationen zeitnah zusammenlaufen oder fragmentieren. Auffällig ist die Ausgestaltung der Notfallrufebene: Während der Übungszeit werden die Notrufnummern 110 und 112 durch besetzte Notfallmeldestellen ersetzt, um den Prozess unabhängig von der gewohnten Rufnummernlogik zu testen. In der Realität bleiben die Notrufnummern während der Übungszeit laut Angaben uneingeschränkt erreichbar.
Für die Verantwortlichen in den Kommunen ist das Muster besonders relevant, weil es mehrere technische Abhängigkeiten berührt, ohne dabei den öffentlichen Betrieb vollständig zu unterbrechen. Wie in der Beschreibung hervorgehoben wird, existieren in der Übung Ersatzstrukturen im Mainzer Stadtgebiet: Notfallmeldestellen werden aufgebaut und besetzt, und ihre Standorte sind über ein Online-Portal der Berufsfeuerwehr Mainz abrufbar. Dieses Detail adressiert ein oft unterschätztes Problem im Krisenmanagement: Selbst wenn Einsatzkräfte intern gut koordiniert sind, entscheidet die externe Auffindbarkeit von Anlaufpunkten darüber, wie schnell Hilfe bei Betroffenen ankommt. Im Tagesverlauf besucht Oberbürgermeister Nino Haase zudem Leitstelle und Führungsstab, was die Übung auch auf der Ebene der politisch-administrativen Einbettung sichtbar macht – ohne die fachliche Umsetzung zu ersetzen.
In Trier läuft parallel eine Katastrophenschutzübung unter dem Titel „Blackout durch“ an. Die Beteiligung ist breit aufgestellt: Etwa 150 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, elf Freiwillige Feuerwehren sowie der Malteser und des Technischen Hilfswerks (THW) sind involviert. Hier wird ein Stromausfall simuliert, der ab 9:00 Uhr zunächst die linke Moselseite und ab 10:30 Uhr das komplette Stadtgebiet betrifft. Das setzt andere Prioritäten als ein punktuelles Ausfallereignis, weil die Einsatzlage mit fortschreitender Zeit räumlich größer wird und damit Leitungswege, Personalverteilung und Informationsflüsse gleichzeitig reagieren müssen. Um die fußläufige Erreichbarkeit für die Bevölkerung sicherzustellen, richten die Akteure 25 Notfall-Anlaufstellen ein – in Gebäuden mit Notstromversorgung wie Feuerwehrhäusern oder dem Rathaus sowie in Bussen und Feuerwehrfahrzeugen.
Aus einem historischen Blickwinkel wirkt die Planung konsequent: 2025 fand bereits ein ähnlicher Landesübungstag in Montabaur statt, bei dem ein ICE-Unfall im Tunnel Dernbach/Süd nach einer Kollision mit einer Schafherde simuliert wurde. Der Wechsel vom Verkehrsszenario hin zum Wetter- und Blackout-Komplex zeigt, dass der Fokus der Krisenvorsorge nicht auf einem einzelnen Gefahrenbild liegt, sondern auf wiederverwendbaren Kernfähigkeiten. In solchen Ereignissen entscheidet bei großflächigen Stromausfällen „die Abstimmung zwischen den Leitstellen über Minuten“, und genau diese Schnittstellen werden laut Beschreibung getestet – von der überörtlichen Weitergabe von Lageinformationen bis zum gemeinsamen Lagebild. Für Unternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen ist das indirekt relevant, weil sie im Ernstfall ebenfalls auf konsistente Kommunikationswege und belastbare Notfallprozesse angewiesen sind, selbst wenn ihre Zuständigkeiten unterschiedlich sind.
Für die nächste Stufe der Umsetzung kündigt die Vorbereitung zudem einen Handlungsrahmen an: Ein kostenloser Leitfaden zur Krisenvorsorge wird als Referenz genannt und beschreibt in drei Schritten, wie Behörden die Abstimmung in solchen Lagen vorbereiten können. Unmittelbar greifen die Ergebnisse der Übung in die laufende Vertiefung der Koordination ein: Mit den aktuellen Übungen in Mainz, Trier und auf Landesebene wird die Zusammenarbeit bei großflächigen Schadensereignissen und kritischen Infrastrukturausfällen weiter trainiert. Damit geht der Übungstag über das „Abhaken“ eines Prozesstests hinaus und nähert sich eher einer kontinuierlichen Verbesserung an, wie sie in modernen Sicherheits- und Betriebskonzepten üblich ist. Entscheidend ist schließlich, dass solche Tests wiederholbar bleiben und die gewonnenen Erkenntnisse zwischen den Ebenen in konkrete Anpassungen an Kommunikationswegen, Rollen und Ersatzstrukturen überführt werden.
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