LONDON (IT BOLTWISE) – Solari Capital geht aus der Deckung: Der von AJ Scaramucci mitbegründete Investor steckt laut Angaben rund 350 Millionen US-Dollar in frühe Investments, Wachstumsrunden und eigene Inkubationen. Im Zentrum steht die These „Programmable Reality“, nach der sich mit steigender Rechenleistung Geld, Biologie, Intelligenz und physische Materie per Software-Logik immer präziser steuern lassen. Solari verteilt seine Wetten auf vier Verticals – von KI- und Compute-Playbooks über Arznei- und Gentechnik bis hin zu Krypto-Infrastruktur und programmierbaren Finanzbausteinen. Für die Branche ist vor allem interessant, wie das Modell zugleich auf KI-Entwicklung und die Liquiditätsschaffung für private Unternehmen zielt.

Solari Capital ist aus der „Stealth“-Phase herausgeholt worden, und das mit einer Größenordnung, die in der Startup- und Investmentlandschaft sofort auffällt: Das Unternehmen soll grob 350 Millionen US-Dollar in eine Mischung aus Early-Stage-Deals, Late-Stage-Wachstum und eigenen Inkubationen stecken. Hinter dem Vehikel steht AJ Scaramucci, der selbst aus der Venture- und Startup-Welt kommt und vor seinem Investmentfokus auch Stationen in Technologieunternehmen durchlief. Seine Laufbahn reicht dabei von einer frühen Zeit im Umfeld von Tesla bis zu beruflichen Schritten bei Google – inklusive einer Phase, in der er kurzzeitig mit Eric Schmidt im Arbeitskontext Berührung hatte. Zusammen mit der Tatsache, dass Solari nun auch öffentlich strukturiert auftritt, verschiebt sich das Signal: Hier soll nicht nur Kapital fließen, sondern eine wiederholbare Denk- und Bewertungslogik etabliert werden.
Diese Logik fasst Scaramucci unter „Programmable Reality“. Gemeint ist kein einzelner Deep-Tech-Ansatz, sondern ein übergreifendes Narrativ, das auf die Kopplung von Rechenleistung und „Engineering-Fähigkeit“ setzt. Solari verknüpft die Idee, dass sich mit zunehmender Rechenleistung unterschiedlichste Bereiche zunehmend als Systeme behandeln lassen – also so, wie man Software entwirft und optimiert. In der Praxis übersetzt sich das in eine Portfoliostruktur, die vier Verticals abdeckt und dadurch auch unterschiedliche Risiko-Profile abfedert: Statt nur auf KI-Modelle oder nur auf Finanzprodukte zu setzen, kombiniert Solari KI-Compute und Bildungsangebote, Biotechnologie-Wetten, „programmierbare“ physische Systeme sowie eine eigene Sicht auf digitale Finanzinfrastruktur und Liquidität.
Technisch betrachtet liegt der Schwerpunkt im Bereich „Programmable Intelligence“: Dort bündelt Solari Investments in KI und Compute sowie in Bildungs- und Ökosystembausteine. Namhaft genannt werden Positionen in xAI sowie das KI-Education-Produkt Kira Learning. Für Entscheider in Unternehmen ist dabei weniger die einzelne Beteiligung relevant als die Architektur des Portfolios: KI wird nicht nur als Modell betrachtet, sondern als Stack aus Rechenressourcen, Tools und Human-Capital. xAI wird in dem Zusammenhang als KI-Unternehmen beschrieben, das den Grok-Chatbot entwickelt hat und zuvor organisatorisch mit SpaceX zusammengeführt wurde. Diese Verknüpfung deutet auf einen Ansatz hin, bei dem KI nicht isoliert, sondern eng mit Produktentwicklung, Infrastruktur und Skalierung gedacht wird – ein Punkt, der gerade für Industriekunden wichtig ist, wenn es um Latenz, Deployment und betriebliche Integration geht.
Die zweite Säule „Programmable Biology“ adressiert denselben Engineering-Anspruch, aber mit Blick auf Lebenswissenschaften: Solari nennt hier drug discovery, Gene Therapy und Longevity. Der Markt für solche Anwendungen ist seit Jahren in Bewegung, allerdings mit typischen Phasenrisiken, die sich aus Regulierung, klinischen Endpunkten und Zeitachsen ergeben. Neu ist weniger das Biotech-Thema an sich, sondern die Portfolio-Einbettung: Biologische Systeme werden als Kandidaten für präzisere Modellierung behandelt, was in der Praxis häufig KI-gestützte Ansätze in Datenanalyse, Zielstruktursuche oder Optimierung von Kandidaten ergänzt. Für die Industriewelt heißt das: Wer Biotech-Investments verfolgt, wird zunehmend mit denselben Software-Landschaften konfrontiert, die auch im KI-Umfeld dominieren – etwa bei Datenpipelines, Modellmonitoring und dem Aufbau messbarer Erfolgsmetriken von Experimenten bis zur Zulassungsreife.
„Programmable Matter“ wiederum erweitert das Narrativ in die physische Welt. Hier nennt Solari Investments in Aerospace, Defense, Energy und Robotics. Diese Auswahl ist interessant, weil sie im Vergleich zu rein digitalen Produkten häufig andere Hardware- und Engineering-Ketten erfordert, inklusive Lieferzeiten, Zertifizierungserfordernissen und Sicherheitsanforderungen in Produktion und Betrieb. Gleichzeitig ist gerade in Robotik und Energieinfrastruktur das Versprechen hoch, dass Software-Logik – beispielsweise über Steuerungsalgorithmen und vernetzte Systeme – reale Prozesse messbar verbessert. Am Ende der Logikkette steht für Solari damit nicht nur ein Portfolio aus Beteiligungen, sondern eine zusammenhängende Vorstellung davon, wie sich physische Systeme über Software-Workflows optimieren lassen.
Die Vertikale „Programmable Finance“ bildet den Bezug zur Krypto-Welt, die im Text ausdrücklich als „most relevant“ hervorgehoben wird. Hier nennt Solari mehrere konkrete Portfolio-Bausteine: Genius Terminal als nicht-verwahrender, Multi-Chain-Trading-Terminal, Fission Labs als Plattform, die private, venture-backed Unternehmen tokenisiert, um eine liquidere Secondary-Trading-Option zu schaffen, sowie Architect Financial als US-Derivatebörse, die gezielt für die „AI economy“ aufgebaut worden sein soll. Für viele Marktteilnehmer ist das die Stelle, an der die Investmentthese besonders greifbar wird: „Programmieren“ bedeutet hier nicht nur, dass Märkte technisch angebunden sind, sondern dass Infrastruktur so gestaltet wird, dass Liquidität, Handel und Risikoverteilung schneller und breiter verfügbar sein können. Genau diese Mischung aus Trading-UX, Tokenisierung und neuem Derivate-Design adressiert die traditionellen Engpässe, die sich bei privaten Märkten und bei wiederholbaren Handelsmechanismen zeigen.
Personell verbindet Solari das aktuelle KI- und Krypto-Setup auch mit der bekannten Scaramucci-Dynamik. AJ Scaramucci ist als Sohn von Anthony Scaramucci beschrieben, der in den 2010er-Jahren zunächst bei Goldman Sachs startete und später SkyBridge Capital gründete. Anthony Scaramucci wird zudem als früher White-House-Kommunikationsdirektor im ersten Trump-Regierungsabschnitt genannt, allerdings nur für kurze Zeit; das Ende nach zehn Tagen wird als bereits erfolgt dargestellt. Für den Krypto-Kontext wird außerdem erwähnt, dass er 2025 vor einem möglichen Bitcoin-Absturz von 40 % gewarnt habe, später dann aber einen Kurs von 500.000 US-Dollar in Aussicht stellte. Unabhängig davon, ob man solche Preisnarrative teilt, unterstreicht die Solari-Strategie vor allem eines: Die neue Wette kombiniert KI-Entwicklung, daten- und modellgetriebene Produktivität sowie Krypto-Infrastruktur, um genau dort Skalierung zu ermöglichen, wo bisher vor allem Liquidität und Verfügbarkeit begrenzt waren.
Für die Branche ergibt sich daraus ein klares Bild, wie sich Investmenthäuser gerade neu positionieren: Nicht nur „eine“ Technologieklasse, sondern ein durchgängiger Anspruch an Engineering – von Modellen über Biologie bis zu Marktplattformen – soll Kapital und Aufmerksamkeit bündeln. Interessant ist dabei, dass Solari gleichzeitig auf Ökosysteme (Education), Infrastruktur (Compute/Trading/Börsenlogik) und auf Sekundärliquidität für private Beteiligungen setzt. Ob dieses Prinzip im Alltag hält, entscheidet sich weniger an der Story als an der Umsetzungsfähigkeit: an der Geschwindigkeit der Deals, an der Qualität des Deal-Flow-Engineerings und daran, wie schnell sich aus Beteiligungen tatsächlich wiederholbare Produkte und Skalierungseffekte ableiten lassen.
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