LONDON (IT BOLTWISE) – Pasqal arbeitet mit USA Rare Earth und Riven Systems daran, Quantencomputer und KI einzusetzen, um die Trennung und Verarbeitung seltener Erden außerhalb Chinas effizienter zu machen. Ziel ist, aus bereits verfügbaren Ressourcen mehr nutzbares Material herauszuholen, statt auf neue Minen zu warten. Der Ansatz adressiert ein zentrales Risiko: Wenn Lieferketten stärker von China kontrolliert werden, kann der Zugang zu strategischen Elementen für Industrie und Verteidigung verknappen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von reiner Rohstoffsuche hin zu daten- und simulationsgestützter Prozessoptimierung.

Der Engpass bei seltenen Erden ist weniger eine Frage „wo“ die Elemente vorkommen, sondern „wie“ sie sich wirtschaftlich und selektiv aus einem Gemisch lösen lassen. Quantencomputer könnten hier künftig als Werkzeug dienen, um chemische Systeme deutlich genauer zu modellieren. Pasqal setzt dafür auf die Kombination aus Quantenrechnern, KI und einem schnellen chemischen Test-Setup, um Trenn- und Verarbeitungsprozesse besser auszusteuern. Im Kern geht es darum, aus begrenzten Vorräten außerhalb Chinas mehr verwertbare Bestandteile zu gewinnen – ein Ansatz, der bei jeder einzelnen Prozessstufe skalieren kann.
Technisch betrachtet ist die Herausforderung bei seltenen Erden, dass die Elemente in der Natur typischerweise nicht isoliert auftreten. Sie sind vielmehr mit anderen Mineralen vermischt, und die chemische Separierung ist entsprechend komplex: Nicht nur die Zielkomponente muss identifiziert werden, auch die Prozessparameter müssen so gewählt werden, dass die Abtrennung effizient gelingt. Pasqal beschreibt, dass Quantenrechner Moleküle und Verbindungen, in denen seltene Erden vorkommen, auf tieferer Ebene modellieren könnten. Damit lassen sich potenziell Eigenschaften herausarbeiten, die Forscher gezielt nutzen, um die wertvollen Bestandteile effektiver von „Nicht-Zielstoffen“ zu trennen.
In der Umsetzung wird das Projekt laut den beschriebenen Partnerstrukturen nicht nur als reine Modellierungsinitiative verstanden. Pasqal arbeitet mit USA Rare Earth zusammen, das Ressourcen sowie Know-how in der Verarbeitung seltener Erden einbringt. Ergänzt wird das durch Riven Systems, das auf schnelle chemische Experimente und Tests spezialisiert ist. Genau dieses Zusammenspiel ist industriepraktisch relevant, weil Simulationen allein selten den Sprung in die Produktion schaffen: Erst wenn Quanten- und KI-gestützte Modelle durch Laborversuche verifiziert werden, entsteht eine belastbare Pipeline für bessere Selektivität, höhere Ausbeute und stabilere Prozessfenster.
Der Markt- und Sicherheitskontext liefert die Dringlichkeit. China kontrolliert laut Aussage des Pasqal-CEO relevante Anteile an der globalen Versorgungskette und insbesondere an der Verarbeitung seltener Erden. Für die USA und ihre Verbündeten bedeutet das: Alternative Lieferketten müssen nicht nur aufgebaut, sondern auch in der Effizienz nachgezogen werden, damit strategische Anwendungen – von Magneten über Elektronik bis hin zu Verteidigungssystemen – planbar bleiben. In diesem Umfeld wird der Tonfall schnell sicherheitspolitisch: Wenn Lieferungen in einer „sensitiven Situation“ verknappt werden, kann das die Verfügbarkeit für verteidigungs- und nicht-verteidigungsbezogene Anwendungen beeinträchtigen. Gleichzeitig dient das COVID-bezogene Argument als Erinnerung daran, wie stark sich Lieferkettenkaskaden auf Wertschöpfung und Komponentenverfügbarkeit auswirken können.
Auch die konkrete Erfolgslogik wird damit klarer. Pasqal stellt auf den Hebel einzelner Prozessschritte ab: Selbst relativ kleine Verbesserungen in der Separierung könnten sich zu deutlich höheren Gesamterträgen summieren. Der CEO formuliert das als Ausbeute-Problem – also als Frage, wie viel nutzbares Material aus einer gegebenen Menge Gestein herauskommt. Er skizziert dabei ausdrücklich, dass Faktoren wie zwei-, drei- oder sogar zehnfache Verbesserungen im Ergebnis stark ins Gewicht fallen. Für Unternehmen in der Wertschöpfungskette bedeutet das: Wenn sich die Trennchemie und die Auswahl geeigneter Parameter über Modellierung und Tests verbessern lassen, sinkt der Bedarf an Rohstoffinput pro Tonne verwerteter Elemente.
Beim technologischen Reifegrad versucht Pasqal, die Debatte zu entkoppeln von „Zukunftsversprechen“. Der CEO argumentiert, dass Quantencomputer nicht als bloßes Science-Fiction-Thema behandelt werden sollten, sondern bereits heute reale Business-Probleme adressieren könnten. Gleichzeitig zieht er einen Vergleich zur KI-Welle: Wie KI zunächst unter dem Radar arbeitete und dann mit dem massentauglichen Durchbruch durch generative Modelle in den Mainstream gelangte, könnte Quantencomputing zeitlich ähnlich nachziehen. Interessant ist daran weniger der Vergleich als solcher, sondern die Erwartung, dass Quanten-Mehrwerte dort auftreten, wo klassische Systeme bei Material-, Chemie- und Molekülmodellierung an Grenzen stoßen – insbesondere bei der Suche durch sehr große Lösungsräume.
Für die Branche ist entscheidend, wie ein solcher Ansatz in bestehende Entwicklungs- und Lieferkettenprozesse passt. Unternehmen, die heute in Rohstoffsicherung investieren, können ihre Strategie ergänzen um „Prozess-Souveränität“: Wer Trenn- und Verarbeitungsparameter schneller optimieren kann, reduziert Abhängigkeiten nicht nur durch neue Quellen, sondern durch bessere Nutzung der verfügbaren Inputs. Besonders spannend ist das Zusammenspiel aus Quanten-gestützter Modellierung, KI-gestützter Entscheidungsunterstützung und schneller chemischer Validierung, weil daraus eine datenintensive Optimierungsschleife entstehen kann. Damit verschiebt sich der Wettbewerb ein Stück weit: Nicht allein die Geologie entscheidet, sondern die Fähigkeit, chemische Systeme im Labor und in der Simulation schneller und präziser zu iterieren.
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