LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Auftritt in „Höhle der Löwen“ wächst die Warteliste für Penice stark an. Der Gründer Markus Flagner berichtet von rund 900 Interessierten nach der Ablehnung durch die Investoren. Penice soll im November auf Amazon starten und 50 Milliliter für 19,90 Euro kosten. Zusätzlich kündigt er erste Aktionen an, um den Weg in den Markt weiter anzuschieben.

Der Moment, in dem aus einem Pitch ein Warteschlangenprojekt wird, ist bei Penice besonders schnell passiert. In der dritten Folge von „Höhle der Löwen“ stellte Markus Flagner das Produkt als Pflegegel für den männlichen Intimbereich vor und verlangte 70.000 Euro für 25,1 Prozent. Die Lö wen sagten ab; drei Tage spä ter melden sich aber nicht nur einzelne Neugierige, sondern gleich rund 900 Menschen ü ber eine Warteliste. Damit verschiebt sich der Fokus von der Investorenfrage hin zur reinen Nachfrage: Nicht Deal oder kein Deal entscheidet nun, sondern ob die „Start-to-Order“-Kurve nach dem Medienimpuls tragfä hig bleibt.
Technisch bleibt Penice dabei bewusst „schlank“ organisiert. Laut Flagners Angaben hat er die Website penice.men selbst gebaut und den Ansturm vorbereitet; wä hrend der Zeit der Ausstrahlung soll die Serverauslastung meist nur bei 10 bis 20 Prozent gelegen haben. Diese Zahl wirkt auf den ersten Blick unspektakulä r, ist aber fü r ein Startup zentral: Gerade nach einem TV-Moment ist der Engpass hä ufig nicht die Marketingreichweite, sondern die Zugriffsfä higkeit von Landingpages, Wartelistenformularen und Checkout-Prozessen. Wenn eine Seite die Spitzen abfedert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Interessenten abspringen – und genau diese Robustheit scheint dem Produkt im Nachgang geholfen zu haben.
Auch die Resonanz im Social-Umfeld liefert eine weitere Messgrö ß e fü r das Marktinteresse. Das VOX-Reel zu Flagners Pitch habe ü ber 1,7 Millionen Aufrufe erreicht, wurde fast 7.000 Mal weitergeschickt und zä hlt rund 800 Kommentare. Dazu kommt ein zweiter TV-Kontakt: Sebastian Pufpaff zeigte den Pitch bei „TV total“ noch einmal unter dem Titel „Pitch mit Wachstumspotenzial“. Bemerkenswert ist dabei weniger die Wiederholung als die Geschwindigkeit, mit der ein ursprü nglich eng erzä hltes Thema in breite Diskussion ü bergeht. Flagner beschreibt, dass er den zweiten Fernsehauftritt nach eigenen Angaben erst durch Zufall mitbekommen habe – ein Hinweis darauf, wie stark die Reichweite mittlerweile durch Publikumsecho und nicht nur durch die eigene Kommunikation getrieben wird.
Inhaltlich setzt Penice auf eine klare Abgrenzung: Das Gel ersetzt Wasser nicht, sondern soll es ergä nzen. Nach dem Duschen wird es aufgetragen und nicht abgespü lt; damit positioniert sich das Produkt als Bestandteil der tä glichen Pflege statt als abwaschbares Hygieneprodukt. Flagner greift das Tabu-Thema adressierend auf und erzä hlt, viele Gesprä che rund um Intimpflege wü rden im Alltag vermieden. In den Kommentaren, die er fü r die Strategie nutzbar macht, taucht laut seiner Darstellung ein konkreter Vergleich auf: So wie beim Sport oder im Alltag Deodorant unter den Achseln nicht durch das bloß e Duschen ü berflü ssig wird, soll Penice eine Ergä nzung sein – eben „Wasser reinigt, Penice pflegt“. Dass er dabei auf ein Augenzwinkern setzt, zielt offenbar auf eine niedrigere Hemmschwelle. Genau solche psychologischen Barrieren sind bei Konsumgü tern mit intimer Anwendung oft der Engpass, nicht die chemische Rezeptur.
Der konkrete Produktpfad sieht inzwischen nach einem planbaren Launch aus. Flagner berichtet, Penice sei seit der Aufzeichnung frü h genug weit gewesen, um den zweiten Prototyp wenige Tage zuvor aus dem Labor zu erhalten. Die Rezeptur habe er danach noch einmal ü berarbeitet; der Stabilitä tstest sei abgeschlossen, und die Tuben fü r die erste Charge stü nden bereits im Druck. Voraussichtlich im November soll Penice auf Amazon erscheinen: 50 Milliliter fü r 19,90 Euro. Bei tä glicher Anwendung reicht eine Tube laut Angaben etwa ein halbes Jahr. Wer sich auf penice.men einträ gt, bekommt zum Start 20 Prozent Rabatt. Fü r Unternehmen ist diese Kombination aus Testphase, Chargenlogik und klarer Preisspur wichtig, weil sie die Phase nach dem Hype strukturiert: Das Produkt muss nicht nur Interesse wecken, sondern auch in Versand- und Retourenprozessen funktionieren.
Da Flagner den Weg zur Marktreife nach eigenen Angaben allein und damit ohne externe Finanzierung ausbaut, bleibt das Setup online-zentriert. Das hat zwei praktische Konsequenzen: Erstens kann die Story schnell ü ber Websites, Wartelisten und die direkte Kommunikation mit frü hen Interessenten iteriert werden. Zweitens vermeidet man organisatorische Verzö gerungen, die entstehen, wenn Produkt, Compliance-Prozesse und Vertrieb mit mehreren Stakeholdern synchronisiert werden mü ssen. Fü r November plant er „ein paar Aktionen“, die bewusst aus der Komfortzone gehen sollen – was in der Logik eines Tabuthemas plausibel wirkt, weil die Zielgruppe offenbar gerade dann reagiert, wenn Sprache und Auftreten die Hemmung adressieren. Gleichzeitig ist er fü r die Zeit danach offen fü r Partner, die neben Geld auch Produkt- und Missionsverstä ndnis mitbringen sowie Kontakte in Handel, Drogerie, Apotheke oder Pflege. Gerade in der Pflege nennt er Not am Mann als Ü berschrift fü r den Bedarf – und das ist ein Signal, dass er das Thema nicht nur als Lifestyle-Pflege, sondern als anschlussfä hig an professionelle Anwendungskontexte betrachtet.
Der Fall zeigt zudem, wie sich Markteintritt heute von klassischem Venture-Capital-Start unterscheidet. Ein TV-Pitch mit Ablehnung wirkt zwar wie ein Rü ckschlag, aber in Zahlen ü bernimmt das Publikum die Rolle eines „Live-Markttests“: Wartelistenplä tze, Klicks, Kommentare und wiederholte Medienkontakte geben frü he Indikatoren fü r Nachfrage. Gerade fü r Startups im Consumer-Health-Umfeld ist das relevant, weil Intimpflegeprodukte oft an Vertrauen, Nutzungserfahrung und Alltagstauglichkeit gekoppelt sind. Penice bekommt diese Daten offenbar zuerst in digitaler Form. Ob sich die 900 auf der Warteliste im November auch in Kä ufe ü bersetzen, wird der nä chste Realitä tstest sein – dann nä mlich, wenn die Medienaufmerksamkeit in Bestellquoten und Wiederkauf umgerechnet werden muss.
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