WENDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Jugendfeuerwehr Wenden hat zum 50-jährigen Jubiläum eine Großübung auf dem Gelände der Firma Dornseifer in Hünsborn durchgeführt. Ausgelöst wurde der Einsatz zunächst durch eine Brandmeldeanlage im Industriegebiet Hünsborn-Ost, woraufhin der Alarmstichwort-Zug mehrfach angehoben wurde. Die Nachwuchskräfte bekämpften dabei nicht nur einen sich ausbreitenden Industriebrand, sondern leisteten auch technische Hilfe nach einem Pkw-Unfall. Mit einer fast 400 Meter langen Wasserversorgung und mehreren nachalarmierten Jugendgruppen bewältigten sie die Lage nach rund 60 Minuten erfolgreich.

Wenn sich eine Jugendfeuerwehr im Ernstfall bewähren soll, geht es bei Großübungen selten um einzelne Handgriffe. In Wenden zeigte die Jugendfeuerwehrgruppe der Einheit Hünsborn der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wenden genau das Prinzip: Üben heißt hier, mit wechselnden Lagebildern schnell umzugehen, die Einsatzführung mitzutragen und Ressourcen koordiniert aufzubauen. Anlass war das Jubiläumsjahr „50 Jahre Jugendfeuerwehr Hünsborn – Aus Tradition wächst Zukunft“, und Schauplatz der Übung war das Firmengelände der Firma Dornseifer in Hünsborn. Schon bevor die ersten Einsatzkräfte wirklich am Objekt waren, deuteten jedoch frühe Anzeichen darauf hin, dass die Ausbildung nicht „klein“ ausfallen würde: Auf der Anfahrt gab es eine deutliche Rauchentwicklung.
Technisch und einsatztaktisch begann die Übung mit einer Brandmeldeanlage im Industriegebiet Hünsborn-Ost. Um kurz nach 14 Uhr löste die Jugendfeuerwehr Hünsborn deshalb zunächst Alarm unter dem Stichwort „F BMA – BMA-Objekt, Stufe 2“ aus. Dass die Meldung von Beginn an den Charakter einer ausgelösten BMA trägt, ist pädagogisch besonders wertvoll, weil die Gruppe damit übt, wie man aus einer Alarmmeldung einen belastbaren Arbeitsauftrag ableitet – inklusive einer Lagebewertung, die nicht erst beim Eintreffen „von Null“ startet. Der Einsatzleiter erhöhte das Alarmstichwort daraufhin auf „Feuer 2 – Industriebrand“ und löste damit Vollalarm für die Gemeinde Wenden aus.
Mit dem Vollalarm war die nächste Ausbildungsdimension bereits gesetzt: Die Übung sollte mehrere Jugendgruppen über Ortsgrenzen hinweg zusammenführen und die Wirkung von Nachforderungen realistisch erlebbar machen. So rückten neben der Jugendgruppe aus Hünsborn auch die Gruppen aus Hillmicke, Gerlingen und Wenden zur Einsatzstelle aus. Auf dem Firmengelände standen dann mehrere Aufgaben nebeneinander: Zum einen mussten die Nachwuchskräfte einen sich ausbreitenden Großbrand im Bereich der Lkw-Verladerampe bekämpfen. Daneben kam eine technische Hilfeleistung nach einem Pkw-Unfall nahe der Tankstelle hinzu, bei dem mindestens eine Person im Fahrzeug eingeschlossen war. Zusätzlich gehörte noch ein weiterer Brand im Bereich der Unfallstelle zur Aufgabenlage – ein Setup, das zwangsläufig Prioritäten und Umverteilung von Kräften verlangt.
Gerade diese Gleichzeitigkeit brachte den Einsatzleiter dazu, das Alarmstichwort ein weiteres Mal zu erhöhen, weil die Zahl der Einsatzstellen und die vermuteten Verletzten eine andere Größenordnung der Koordination erforderten. In der Folge wurden weitere Jugendfeuerwehrgruppen aus Kreuztal, Drolshagen und Freudenberg sowie aus der rheinland-pfälzischen Verbandsgemeinde Kirchen hinzugezogen. Für die Teilnehmenden ist das ein realistischer Lerneffekt, denn in realen Einsatzlagen hängen Entscheidungen zur weiteren Alarmierung oft an zwei Faktoren: Wie schnell kann man eine Lage abarbeiten, und wie lange braucht man, bis die Einsatzabschnitte „stabil“ sind? Hier wurde deutlich, dass Feuerwehrtraining nicht nur aus „Wasser draufhalten“ besteht, sondern aus strukturiertem Abarbeiten unter Zeitdruck – insbesondere, wenn parallele Einsatzabschnitte entstehen.
In der praktischen Abarbeitung zeigte sich dann, wie stark Ausbildung von klaren Leitungen und gut geplanten Ressourcen lebt. Die Jugendfeuerwehren bewältigten sowohl den Großbrand als auch die technische Hilfeleistung erfolgreich. Ein besonders sichtbarer Bestandteil war der Aufbau einer Wasserversorgung von nahezu 400 Metern Länge, um ausreichend Löschwasser für die Brandbekämpfung bereitzustellen. Diese Distanz ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Komplexthema: Sie bedeutet für die Gruppe, dass Leitungen, Strahlrohr-/Verteilermöglichkeiten, Druckverhältnisse und sichere Verlegewege zusammenpassen müssen, damit die Löschwirkung tatsächlich entsteht. Nach knapp 60 Minuten konnte das Übungsende gemeldet werden.
Nach der Einsatzphase wechselte die Veranstaltung in die Anerkennungs-Logik eines Jubiläums: Die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer sowie Gäste machten deutlich, dass die Leistung der Nachwuchsretter nicht im Hintergrund blieb. Rund um das Gerätehaus Hünsborn fand anschließend eine kleine Feierstunde statt, bei der Getränke und ein vom Eventteam Hünsborn zubereiteter Imbiss das leibliche Wohl sicherten. Zum offiziellen Teil gehörten Danksagungen und Grußworte, unter anderem von Ludger Wurm, erster stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Wenden, sowie von Christoph Lütticke, Kreisbrandmeister des Kreises Olpe. Auch Lena Kalkreuter, stellvertretende Kreisjugendfeuerwehrwartin, und Joachim Hochstein, Leiter der Feuerwehr Wenden, würdigten die Arbeit. Darüber hinaus dankte Mario Arns, Einheitsführer der Einheit Hünsborn, und Jugendfeuerwehrwart Andreas Koch besonders seinem Ausbilderteam sowie der Firma Dornseifer für die Bereitstellung des Übungsgeländes.
Aus Sicht der Einsatzpraxis lässt sich die Übung als Beispiel dafür lesen, wie kommunale Feuerwehrorganisationen Nachwuchsausbildung mit realistischer Taktik verbinden. Die Kette von „BMA-Stufe 2“ über „Industriebrand“ bis zu einer erneuten Alarmstichwort-Erhöhung spiegelt genau die Denkweise wider, die später auch im echten Einsatz entscheidend ist: Erst melden, dann bewerten, dann eskalieren – aber immer mit Blick auf verfügbare Kräfte und absehbare Dauer der Abarbeitung. Für Unternehmen und Kommunen lohnt sich diese Art von Koordination ebenso, weil ein Übungsgelände wie das der Firma Dornseifer nicht nur logistisch, sondern auch sicherheits- und planungsseitig klare Anforderungen stellt. Die nächste Generation profitiert dabei doppelt: Sie übt unter Bedingungen, die nicht „vereinfachtes Lehrbuch“ sind, und sie erlebt zugleich, dass verantwortliche Einsatzführung, Teamarbeit und Nachforderung zusammenwirken. Für die Feuerwehr bleibt damit das Jubiläum nicht nur ein Festtermin, sondern ein sichtbares Stück gelebter Einsatzkultur.
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