LONDON (IT BOLTWISE) – Ölpreise ziehen am Wochenstart kräftig an, weil Donald Trump einen iranischen Vorschlag für eine siebentägige Waffenruhe ablehnt. Brent notiert früh am Montag über 107 US-Dollar je Barrel und damit deutlich über dem Niveau vom Wochenbeginn nach dem ersten Rücksetzer. Der Fokus richtet sich zugleich auf mögliche Engpässe rund um die Straße von Hormus und auf die US-Zinsen, denn höhere Renditen verstärken die Inflationssorgen. Für Anleger heißt das: Energiepreise und Zinsnarrativ greifen wieder stärker ineinander.

Am Wochenstart haben sich die Energiemärkte spürbar neu ausgerichtet: Die Ölpreise stiegen um mehr als 3 Prozent, während der internationale Richtwert Brent früh am Montag in Europa über 107 US-Dollar je Barrel notierte. Die Bewegung wirkt wie ein schneller Stimmungswechsel auf politische Signale, denn sie folgt auf die Zurückweisung eines iranischen Angebots für eine siebentägige Waffenruhe. Parallel verschärft sich damit erneut die Frage, ob es zu einer Angebotsunterbrechung kommen kann, was die Kostenkette weltweit weiter belasten würde.
Der Kern des Konflikts liegt dabei in der möglichen Öffnung der Straße von Hormus. Teheran hatte im Umfeld der UN-Generalversammlung den Stopp von Kampfhandlungen vorgeschlagen, verbunden mit der Idee, die Passage wieder zu öffnen. Diese Route gilt als zentral für die globale Energieversorgung, weil ein großer Teil des Tanker- und Rohstoffverkehrs hier durchläuft. In der Meldung wird zusätzlich auf gewachsene Versandrisiken im Roten Meer verwiesen, nachdem Huthi-Kräfte die Küstenregion in Jemen kontrollieren, einschließlich Gebieten nahe der Bab-al-Mandab-Straße.
Trump begründete die Absage gegenüber Reportern mit klarer Ablehnung des Vorschlags; zugleich ließ er laut Berichten eine Wiederaufnahme indirekter Verhandlungen offen. Die iranische Seite knüpft die Wiederöffnung offenbar weiterhin an konkrete Bedingungen, darunter die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, die Aufhebung von Sanktionen im Ölbereich sowie das Ende einer US-seitigen Seeblockade. Im Marktverhalten zeigt sich: Schon die Ankündigung des Angebots hatte die Preise am Freitag zuvor um mehr als 2 Prozent fallen lassen, doch am Wochenanfang kam der Rebound zurück. US-Öl, gemessen am WTI, lag früh am Montag nahe zwei Prozent im Plus und damit über 94 US-Dollar je Barrel.
Während die Energiekurve nach oben zeigt, bleibt der Kapitalmarkt vor allem wegen Inflationssorgen nervös. Zum europäischen Börsenauftakt zeigte sich der Einfluss in der Breite: Der Euro Stoxx 50 lag zeitweise rund 0,5 Prozent tiefer, während der Stoxx 600 insgesamt leicht im Plus notierte. Mehrere große Indizes in Europa bewegten sich dagegen zwischen minus 0,1 und minus 0,5 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss; besonders auffällig war der IBEX 35 mit etwa minus 0,45 Prozent. Auch in Asien gab es deutlich unterschiedliche Reaktionen: Der Kospi in Südkorea fiel um rund 2,3 Prozent, der Hang Seng stieg dagegen um etwa 0,7 Prozent, während der Shanghai Composite um etwa 1,8 Prozent nachgab.
In den USA setzte sich die Lage zuletzt zwar vorübergehend stabiler durch, aber das Zinsnarrativ bleibt der entscheidende Transmissionsriemen. Am Freitag hatte der S&P 500 noch etwa 0,5 Prozent zugelegt und damit eine dreitägige Verlustserie beendet, die unter anderem durch steigende Renditen im Anleihemarkt geprägt war. Am Montagmorgen allerdings standen die US-Futures deutlich im Minus: CME-S&P-500-E-Mini-Futures fielen um etwa 0,5 Prozent, bei den Nasdaq-100-E-Mini-Futures lag der Rückgang grob bei 1 Prozent. Dahinter steckt die Erwartung, dass höhere Inflation nicht nur den Alltag verteuert, sondern auch Verhalten begünstigen könnte, das die Preisentwicklung weiter anheizt und so einen selbstverstärkenden Kreislauf auslösen kann.
Für die Bewertung von Aktien und für die Realwirtschaft ist dabei besonders wichtig, was der Markt über die nächste Fed-Entscheidung einpreist. In der Meldung wird genannt, dass das CME-FedWatch-Tool die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Zinserhöhung im Anschluss an die nächste Sitzung Ende Oktober auf mehr als 65 Prozent veranschlagt. Die US-Rendite für zehnjährige Staatsanleihen stieg früh am Montag zeitweise über 5,21 Prozent und damit nahe dem höchsten Stand seit 2007. Hohe Renditen wirken gleich doppelt: Sie verteuern Kreditaufnahme und bremsen dadurch Investitionen und Konsum, zugleich drücken sie Bewertungsniveaus, weil alternative Anlagemöglichkeiten attraktiver werden. Die Richtung ist historisch auch sichtbar: Zu Beginn des Iran-Kriegs lag die 10-Jahres-Rendite laut den Angaben bei 3,97 Prozent.
Abseits der Aktien- und Zinsdaten setzt sich der Druck über weitere Märkte fort. In den Währungsnotierungen stieg der US-Dollar in Asien auf 157,69 Japanische Yen nach 157,19 Yen, während der Euro bei etwa 1,1388 US-Dollar lag. Gold verlor ebenfalls deutlich: Der Preis rutschte um mehr als 2 Prozent auf rund 4.220 US-Dollar je Unze. Das passt zum Gesamtbild, denn steigende Realzinsen und ein härteres Zinsumfeld belasten üblicherweise sowohl risikoorientierte Anlagen als auch Edelmetalle. Für Unternehmen bedeutet das: Planungshorizonte werden kürzer, während sich Lieferketten- und Energiepreise schneller als bisher in Kostenkalkulationen und Preissetzung übertragen lassen.
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