CHAPEL HILL / LONDON (IT BOLTWISE) – In einem alten Flugzeughangar bei der ehemaligen Horace-Williams-Airport-Nutzung erinnert das Morehead Planetarium an Trainingsmethoden aus der frühen Raumfahrt. Dort wurden Astronautinnen und Astronauten unter anderem mithilfe projizierter Sterne auf manuelle Navigation vorbereitet. Der berühmte Begriff „cookie time“ diente dabei als verschlüsseltes Ritual, um Privatsphäre zu schützen, während Teams gleichzeitig das Wissen für präzise Landemanöver aufbauten. Bis heute zieht die Kombination aus Technik, Sternbeobachtung und Menschengeschichte Menschen an, die selbst davon träumen, einmal ins All zu fliegen.

Warum das Planetarium in Chapel Hill die Raumfahrt mit navigationsfit machte
Warum das Planetarium in Chapel Hill die Raumfahrt mit navigationsfit machte (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer in Chapel Hill am Rand der früheren Horace-Williams-Airport-Fläche unterwegs ist, sieht heute vor allem stillgelegte Infrastruktur. Genau dort, rund 1,5 Meilen nördlich des Hauptcampus von UNC-Chapel Hill, liegt jedoch ein Ort, der im Wettlauf um den Raum zeitweise wie eine Geheimbasis funktionierte: das Morehead Planetarium und Science Center. Ausgerechnet „cookie time“ war damals Teil eines Trainingsalltags, den viele der großen Namen aus der Raumfahrt nicht öffentlich mit ihrem eigentlichen Zweck verbanden. Stattdessen nutzten die Beteiligten ein harmlose klingendes Signal, das zugleich die Aufmerksamkeit steuerte, die es im Umfeld der Raumfahrtkonkurrenz leicht von technischen Details abgelenkt hätte.

Technisch betrachtet ging es um etwas sehr Konkretes: die Orientierung im Raum, wenn die Systeme an Bord ausfielen oder nicht wie erwartet reagierten. Frühere Raumfahrzeuge hatten zwar Navigations- und Kontrollmechanismen, doch Astronauten mussten für den Ernstfall lernen, sich über Himmelspositionen zu orientieren. Im Planetarium wurden Sterne nicht nur gezeigt, sondern in kontrollierter Weise auf eine 68-Fuß-Domkuppel projiziert und so manipuliert, dass sich ein Bezugssystem aufbauen ließ. Besonders wichtig war der Kontrast zur Realität an Bord: Astronauten sahen keinen „Panorama- Himmel“ wie in einem Außenobservatorium, sondern mussten sich mit dem begrenzten Blick durch das Fenster des Raumfahrzeugs zurechtfinden.

Die Geschichte beginnt bereits deutlich vor der Phase, in der Apollo groß in den Schlagzeilen stand. Morehead wurde 1949 eröffnet und galt als erstes Planetarium im Süden der USA sowie als erstes auf einem Campus überhaupt. Damit war das Haus früh in der Lage, für Astronautentraining ein Maß an Ausstattung bereitzustellen, das zu dieser Zeit nicht überall verfügbar war. Laut den im Umfeld genannten Hintergründen holten Verantwortliche aus dem NASA-Umfeld Tony Jenzano an Bord, weil seine Erfahrung als Navy-Ausbilder für Überlebens- und Navigationssituationen genau zu dem passte, was Astronauten im All improvisieren mussten: Wenn der Automatismus versagt, bleibt nur die Beherrschung von Referenzen. Jenzano brachte dafür unter anderem die Idee mit, sich über 57 navigational Sterne zu orientieren, damit man nicht „blind“ wird, falls der Kurs nicht durch das Bordsystem stabil gehalten werden kann.

Damit das Lernen nicht nur theoretisch blieb, entstanden auch praktische Modell-Setups. Für den Gemini-Zyklus wurden dafür Materialien wie Sperrholz, Stoff, Schaumgummi und Papier in spezielle Anordnungen gebracht und auf zwei Friseurstühlen montiert. Das Ziel: Astronauten konnten nebeneinander Platz nehmen und den Sternfeldbereich gemeinsam steuern, während sie Bewegungen und Relationen zwischen den Konstellationen verinnerlichten. Dass Jenzano zuvor selbst als Elektriker gedient hatte, zeigt sich in dieser Umsetzung: Es ging nicht um „Show“ im Sinne einer Ausstellung, sondern um wiederholbares Training, das die Sinne und das räumliche Denken der Teilnehmenden ansprach. Von diesen Einheiten profitierten später insgesamt 62 Astronautinnen und Astronauten, darunter elf der zwölf Mondlandenden.

Die Wirksamkeit des Ansatzes wird in den Berichten mit einem besonders präzisen Beispiel verbunden: Gordon Cooper soll nach einem Kurzschluss beim automatischen Stabilisations- und Kontrollsystem auf Mercury-Atlas 9 die Orientierung über die zuvor memorisierten Sternpositionen übernommen und die Landung weniger als fünf Meilen vom geplanten Bergungsgebiet erreicht haben. Solche Angaben verdeutlichen, warum Navigation damals nicht „nur“ Wissenschaft, sondern operative Sicherheit war. Genau dieser Punkt wird auch in der Art beschrieben, wie Astronauten die Sterne nutzten: nicht als dekorative Kulisse, sondern als Referenz, ähnlich wie Navigatoren auf See Jahrhunderte lang Landmarken und Himmelsrichtungen nutzten, um Kurskorrekturen vorzunehmen. Die Trainingsinhalte zahlten sich zudem langfristig aus; in den Erzählungen findet sich etwa der Hinweis, dass James Lovell Jenzano 1995 schrieb und damit belegte, dass die Ausbildung noch 25 Jahre später in Erinnerung war.

Heute sind die Wege zwischen Raumfahrtgeschichte und Gegenwart deutlich sichtbar, gerade weil der Ort Menschen weiterhin persönlich anspricht. Karsen Kitchen, die 2025 UNC-CH-Absolventin wurde, arbeitete als Studentin im Planetarium und ging offenbar durch genau diese Erfahrung in eine eigene Sternbiografie über: Im August 2024 wurde sie zur jüngsten Frau, die die Kármán-Linie überquerte, während sie an der Blue-Origin-NS-26-Mission teilnahm. Die Kármán-Linie wird dabei weithin als jene Grenze diskutiert, die die Erdatmosphäre vom Weltraum trennt. Auch Simran Panda, die heute im Morehead-Umfeld arbeitet und als Co-Präsidentin der Carolina Astronomy Association aktiv ist, beschreibt die Verbindung als körperlich spürbare Parallelität: Der Weg zum Hangar, in dem ihr Labor sitzt, liegt für sie auf einer gedanklichen Achse mit der Start- und Ankunftsspur der Astronauten, die einst hier eingeflogen wurden.

Aus Unternehmersicht lässt sich daraus ein wichtiger Blick auf Infrastruktur ableiten, der weit über Nostalgie hinausgeht: Lernsysteme funktionieren besonders dann, wenn sie technische Muster mit wiederholbarer Praxis koppeln und gleichzeitig die „Umgebungsdaten“ der realen Aufgabe nachbilden. In einem Raumfahrzeug sind Sichtkanäle eng, Ausfälle möglich und Zeitpläne streng; genau deshalb ist ein Planetarium als Trainingsumgebung mehr als ein Lernraum für Astronomie. Es ist eine Art analoger Simulator für Navigation unter Unsicherheit. Auch wenn Künstliche Intelligenz (KI) in diesem konkreten historischen Kontext nicht im Vordergrund steht, ist die methodische Parallele interessant: Wie bei datengetriebenen Systemen kommt es darauf an, dass ein Modell die relevanten Zustände zuverlässig abbildet. Hier geschah das eben mit projizierten Sternfeldern, mechanischen Hilfen und eintrainierten Entscheidungswegen statt mit Software allein.

Für die weitere Einordnung lohnt auch ein Blick auf die organisatorische Dimension. Chapel Hill wurde als Standort gewählt, weil er in eine funktionale Nähe zu mehreren NASA-Standorten passte, darunter etwa Kennedy Space Center, Johnson Space Center und Langley Research Center. Der Vorteil war nicht nur geographisch, sondern auch kommunikativ: Die Stadt bot in den Erzählungen den Rahmen, in dem Training ablaufen konnte, ohne dass Astronauten ständig im Rampenlicht stehen mussten. Das „cookie time“-Konstrukt als Code wirkt in diesem Licht wie ein frühes Beispiel dafür, wie Geheimhaltung in Öffentlichkeitsphasen praktisch umgesetzt wird. Und vielleicht liegt genau darin die Brücke zur Gegenwart: Ein Ort kann langfristig relevant bleiben, wenn er nicht nur Technik zeigt, sondern sie so vermittelt, dass Menschen im Ernstfall handlungsfähig werden.


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