LONDON (IT BOLTWISE) – Die Immobilienquote institutioneller Anleger in Deutschland soll trotz eines angespannten Marktumfelds stabil bleiben. In einer Umfrage von Universal Investment wird ein Zielwert von durchschnittlich 23 Prozent über die nächsten zwölf Monate genannt. Gleichzeitig rechnen 91 Prozent mit weiteren Preisanpassungen nach unten und sehen besonders bei Finanzierungen wachsenden Druck. Für die Portfolioanpassung rückt vor allem Wohnen in den Fokus, während Büros anteilig zurückgehen.

Institutionelle Anleger aus Deutschland wollen den Anteil von Immobilien im Portfolio halten, obwohl die Bewertungen im Markt spürbar unter Druck stehen. Das ist das zentrale Signal aus der fünfzehnten, von Universal Investment durchgeführten Immobilien-Umfrage: Im Juli und August 2026 befragte die Kapitalverwaltungsgesellschaft Pensionseinrichtungen, Versicherungen, Kreditinstitute und Unternehmen zu ihrem Anlageverhalten und ihren Markterwartungen. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden laut Erhebung ein verwaltetes Vermögen von rund 355 Milliarden Euro. Statt einer generellen Abkehr von der Assetklasse zeigt sich damit eher ein „Steuerungsmodus“: Immobilien bleiben, aber die Zusammensetzung wird gezielt angepasst.
Wie konservativ diese Linie beim Gewicht ausfällt, zeigt sich an der Zielgröße. Die Befragten halten aktuell im Schnitt 23 Prozent ihrer gesamten Investments in Immobilien und wollen diesen Wert über die kommenden zwölf Monate beibehalten. Als wichtigste Begründungen nennen sie dabei stabile laufende Erträge (67 Prozent) sowie Inflationsschutz und eine geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen, die jeweils von 63 Prozent der Investoren als Argument angeführt werden. Der Punkt dahinter ist weniger ein kurzfristiges Timing als eine langfristige Portfoliologik: Kurt Jovy, Head of Real Estate bei Universal Investment, hebt hervor, dass sich Immobilien über Jahrzehnte als Portfoliobaustein bewährt haben. Für viele Häuser ist genau diese Stabilitätsannahme der Anker, um in einem volatilen Zins- und Konjunkturumfeld dennoch planbar zu bleiben.
Spannend wird die Lage vor allem bei Bewertungen und Regionen. 91 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten weitere Preisanpassungen nach unten. Bei Neuinvestitionen sehen 62 Prozent in Deutschland die Preise als hoch, aber noch akzeptabel an; in Europa ohne Deutschland trifft das nur auf 47 Prozent zu. Ein Fünftel hält die Preise in Europa für fair, ein weiteres Fünftel sieht dort sogar Kaufgelegenheiten. Besonders deutlich fällt die Skepsis in Deutschland aus: Lediglich knapp 5 Prozent bewerten die Immobilienpreise im Durchschnitt aller Immobilienarten als fair. Dazu kommt, dass für 83 Prozent die Preisentwicklung und Bewertungen zu den drängendsten Themen zählen – noch vor Finanzierungsfragen (63 Prozent). Jeder zweite Befragte empfindet die Fremdkapitalbeschaffung als erschwert, 21 Prozent sogar als deutlich erschwert; das wirkt typischerweise direkt auf die Deal-Performance, etwa über höhere Anforderungen an interne Renditen oder über konservativere Annahmen bei Mieterträgen und Instandhaltungsbudgets.
Auch die geografische Allokation verändert sich damit, ohne die deutsche Dominanz aufzugeben. Deutschland bleibt für 75 Prozent der Befragten der primäre Markt im Immobilienportfolio. Dennoch verschiebt sich die Planung: Weitere Europa folgt mit 21 Prozent, Nordamerika mit 2 Prozent und Asien-Pazifik mit 1 Prozent. Diese Verteilung unterstreicht einen Trend, der bereits im Vorjahr erkennbar war: weg von einer rein nationalen Sicht, hin zu mehr internationaler Diversifikation. Konkret peilen die Investoren bei künftigen Neuinvestitionen eine Erhöhung des Anteils in Nordamerika auf etwa vier Prozent an, während Asien auf knapp zwei Prozent steigen soll. Deutschland soll weiterhin den größten Anteil stellen, jedoch leicht weniger stark als bisher ausfallen: von 75 Prozent auf 73 Prozent. Europa ist mit einem Anstieg auf knapp 22 Prozent der Hauptgewinn für die Diversifikationsstrategie.
Neben Region und Preis bleibt auch die sektorale Gewichtung ein Hebel. Beim Büroanteil planen die Befragten eine Reduktion von durchschnittlich 34 Prozent auf knapp 28 Prozent. Im Gegenzug soll der Wohnanteil von 36 Prozent auf durchschnittlich 41 Prozent steigen. Jovy begründet das mit der Weiterentwicklung des Wohnsegments durch moderne Wohnformen für Senioren, Studenten oder Berufspendler – Zielgruppen, die häufig mit spezifischen Miet- und Betreiberkonzepten verbunden sind. Diese Mechanik ist für Investoren relevant, weil sie das „Fundamental-Risiko“ einzelner Standorte über die Ausrichtung an nachgefragten Nutzungsprofilen tendenziell glätten kann. Logistikimmobilien, die bereits im Vorjahr an Gunst gewonnen hatten, sollen leicht zulegen: von 13 auf 14 Prozent. Einzelhandelsimmobilien und Hotels sollen dagegen mit rund neun beziehungsweise gut zwei Prozent stabil bleiben, was auf eine selektive Haltung statt eines kompletten Sektorwechsels hindeutet.
Für Unternehmen, die Immobilienportfolios oder immobilienahe Kapitalanlagen betreuen, lässt sich daraus eine klare Arbeitsagenda ableiten. Erstens wird die Bewertungssensitivität zur Pflichtaufgabe: Wenn 91 Prozent weitere Preisrückgänge erwarten, steigen die Anforderungen an Transparenz im Pricing, etwa durch belastbare Cashflow-Modelle, realistische Mietsteigerungsszenarien und ein stringentes Monitoring von Energie- und Instandhaltungskosten. Zweitens gewinnt das Thema Finanzierung zusätzlich an Gewicht, weil sich die Fremdkapitalbeschaffung laut Umfrage spürbar schwieriger gestaltet; das spricht für eine aktivere Strukturierung von Finanzierungsbausteinen und eine frühere Abstimmung mit Banken. Drittens zeigen die geplanten Verschiebungen – mehr Wohnen, weniger Büro, leichte Internationalisierung – dass „Immobilien halten“ nicht automatisch „Immobilien unverändert halten“ bedeutet: Portfolios werden in Richtung Segmente gesteuert, die aus Sicht der Investoren eher Robustheit gegen Markt- und Finanzierungsstress liefern. Wenn die aktuelle Erwartungslage zu Preisanpassungen nach unten tatsächlich eintrifft, könnten sich zudem zusätzliche Chancen für taktische Einstiege ergeben, allerdings nur dort, wo das Finanzierungsthema und die langfristige Nutzungsannahme zusammenpassen.
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