MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der September dürfte für Autofahrer der teuerste Tankmonat seit Beginn der bisherigen Vergleichszeiträume werden. Der ADAC erwartet für Superbenzin E10 zum Monatsende rund 2,27 Euro pro Liter und für Diesel etwa 2,38 bis 2,39 Euro. Als Haupttreiber nennt der ADAC den eingeschränkten Ölexport aus der Golf-Region aufgrund des Iran-Kriegs sowie fehlende Raffineriekapazitäten. Ab Donnerstag greift zudem ein neuer Tankrabatt, der die Steuerlast pro Liter um knapp 17 Cent senken soll.

Der September steht in Deutschland schon jetzt unter einem sehr ungünstigen Vorzeichen: Nach Auswertungen auf Basis von ADAC-Daten wird der Monatsdurchschnitt der Spritpreise den bisherigen Rekordwerten aus dem August beziehungsweise April voraussichtlich überlegen sein. Selbst ein Szenario, in dem der letzte Tag des Monats als „Geschenk“ gestaltet würde, könnte diese Tendenz nicht mehr drehen. Für Verbraucher bedeutet das vor allem Planungssicherheit bei den Kosten pro Fahrt, während Tankstellenbetreiber kurzfristig weiter mit einer hohen Preissensibilität rechnen müssen.
Konkreter wird der ADAC bei den Erwartungen für den Monatsendspurt: Für Superbenzin der Sorte E10 rechnet er mit einem Preis in der Größenordnung von 2,27 Euro pro Liter. Beim Diesel erwartet der ADAC Werte im Bereich von 2,38 bis 2,39 Euro. Damit lägen die Preise nach den genannten ADAC-Werten jeweils deutlich über den bisherigen Rekordmarken: Für E10 nennt der ADAC 2,145 Euro und für Diesel 2,263 Euro. In der Summe ist das keine bloße Verschiebung um wenige Cent, sondern ein merklicher Abstand, der sich typischerweise auch in der Wahrnehmung an der Kasse niederschlägt.
Als zentrale Ursache führt der ADAC vor allem den Iran-Krieg an, der den Ölexport aus der Golf-Region massiv einschränke. Ökonomisch wirkt so ein Exportengpass meist über mehrere Kanäle gleichzeitig: Einerseits verknappt er das Angebot an Rohöl, andererseits erhöht er die Volatilität der Terminkurse, was wiederum die Kalkulationen für die nachgelagerten Produkte Benzin und Diesel beeinflusst. Zusätzlich nennt der ADAC einen Mangel an Raffineriekapazitäten. Das ist technisch relevant, weil nicht nur Rohöl verfügbar sein muss, sondern es auch Kapazitäten braucht, um es in die benötigten Endprodukte umzuwandeln; wenn das „Veredelungsband“ bereits ausgelastet ist, steigt der Preis trotz stabiler Nachfrage häufig schneller als in einem Szenario mit mehr Puffer.
Auf diese Entwicklung folgt zumindest zeitlich eine Gegenbewegung: Für Oktober erwartet der ADAC eher fallende Spritpreise. Solche Erwartungen passen häufig zu Phasen, in denen der Markt nach extremen Angebotsrisiken wieder etwas Entspannung einpreist und kurzfristige Lieferketten weniger unter Druck stehen. Entscheidend ist zudem, dass zum Monatswechsel nicht nur am Rohölmarkt gedreht wird, sondern auch an der Steuerkomponente: Ab Donnerstag, 0.00 Uhr, soll der neue Tankrabatt gelten und die Steuerlast pro Liter Diesel oder Benzin um knapp 17 Cent drücken. Im Alltag kann das den Preisdruck zwar abfedern, die zuvor genannte Ursache-Lage (Export und Raffineriekapazitäten) bleibt jedoch zunächst bestehen.
Für Unternehmen mit Fuhrparks, Logistik oder Außendienst ist das ein relevanter Kostenblock, der sich kurzfristig auf Budgetplanung und Margen auswirkt. Besonders spürbar wird das dort, wo Diesel oder Benzin ein hoher Anteil der variablen Kosten ist und wo Dienstwagenregelungen oder Umlagemodelle die Wirkungen nicht vollständig abfedern. Gleichzeitig verändert sich mit jedem kurzfristigen Preissprung die Risikolage in der Beschaffung: Wer flexibel nachsteuern kann, etwa durch angepasste Routenplanung oder zeitlich optimierte Betankungsfenster, reduziert den Effekt; wer dagegen stark getaktet fährt, trägt den vollen Monatsdurchschnitt stärker.
Aus Branchensicht zeigt der Bericht zudem, wie eng Energiepreise, geopolitische Risiken und technische Engpässe im Raffineriebetrieb zusammenhängen. Die Kombination aus eingeschränkter Rohöllage und fehlenden Umwandlungskapazitäten erklärt, warum der Markt nicht automatisch „glättet“, obwohl klassische Prognosen oft auf beruhigte Bestände setzen. Dass parallel ein Tankrabatt anläuft, macht den Unterschied zwischen geldwertem Ausgleich und struktureller Ursache sichtbar: Steuerentlastung wirkt dämpfend auf die Endpreise, ersetzt aber nicht die Engpasslogik. Unterm Strich dürfte der September damit für viele Haushalte und Betriebe das schwierigste Preisfenster bleiben, während Oktober als realistische Phase für Entlastung eingeordnet wird.
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