LONDON (IT BOLTWISE) – Piper Sandler hebt das Kursziel für Alphabet auf 400 US-Dollar an. Im Fokus steht dabei das externe TPU-Chipgeschäft, das nach Ansicht des Analysten bislang zu wenig eingepreist wurde. Gleichzeitig liefert der Cloud-Bereich mit einem Wachstum von 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal zusätzliche Argumente für die These. Anleger warten nun darauf, welche Details Alphabet beim Hochlauf der TPU-Auslieferungen im nächsten Quartalsbericht liefert.

Alphabet rückt im KI-Chip-Rennen einmal mehr in den Vordergrund – allerdings nicht über neue Forschungsberichte, sondern über einen möglichen Verschiebungseffekt in der Wertschöpfungskette. Piper Sandler hat das Kursziel für die Alphabet-Aktie auf 400 US-Dollar erhöht und gleichzeitig die Einstufung „Overweight“ bestätigt. Der Kern der Argumentation ist dabei das externe TPU-Geschäft: Also jene Verkäufe von Tensor Processing Units außerhalb der eigenen internen Nutzung, die Alphabet laut Modellrechnung in den kommenden Jahren stark ausbauen könnte. Entscheidend ist, dass der Analyst das Thema nicht als kurzfristige Kurstreiber betrachtet, sondern als Wachstumsfeld, das bei der Bewertung noch Nachholpotenzial hat.
Technisch betrachtet hängt die Marktchancen-Story an zwei Stellschrauben: Skalierung der Rechenzentrums-Kapazität und wirtschaftliche Planbarkeit der Hardware-Auslieferungen. Für das externe TPU-Geschäft erwartet Piper Sandler laut Modellannahmen, dass der Hardwareumsatz bis 2028 auf rund 104 Milliarden US-Dollar anwächst. Ausgangspunkt ist dabei die Vorstellung, dass der Umsatz von etwa 8 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr auf 51 Milliarden US-Dollar im kommenden Jahr klettert. Die Grundlage dafür ist eine wachsende TPU-Kapazität: Bis Ende 2027 sollen es 3 Gigawatt sein, bis Ende 2028 sogar 6 Gigawatt. Für die Investitionslogik setzt der Analyst dabei eine Größenordnung an Investitionsausgaben von rund 30 Milliarden US-Dollar je Gigawatt TPU-Kapazität an – rechnerisch entspricht das in der Argumentation etwa einer Million Chips pro Gigawatt.
Auch der Blick auf mögliche Kapazitätsniveaus zeigt, warum dieser Pfad mehr als nur eine reine Absatzhoffnung ist. Piper Sandler verweist auf Aussagen aus der Industrie, wonach bei entsprechender Nachfrage sogar deutlich höhere Gigawatt-Zahlen möglich sein könnten. Genannt werden Größenordnungen, die sich auf einen Nachfragedeckel von 5 Gigawatt für 2027 und 10 Gigawatt für 2028 beziehen – entsprechend würde sich das Umsatzpotenzial auf 105 beziehungsweise 210 Milliarden US-Dollar bewegen, sofern diese Kapazität tatsächlich erreicht wird. Damit verschiebt sich die Debatte vom „Ob“ der TPU-Kommerzialisierung hin zum „Wie schnell“ und „Wie planbar“ im Aufbau von Rechenzentrums- und Lieferkettenkapazitäten. Genau diese Unschärfe ist auch der Grund, warum viele Investoren zunächst weitere Einblicke in den Hochlaufprozentsatz erwarten.
Abseits der Modellrechnung liefern die bisherigen operativen Signale aus dem Cloud-Bereich ein wichtiges Fundament. Alphabet hatte im zweiten Quartal erstmals Umsätze aus dem Verkauf von TPU-Systemen ausgewiesen. Die Finanzchefin Anat Ashkenazi erklärte, dass Alphabet begonnen habe, Erlöse aus TPU-Systemverkäufen zu verbuchen, sobald diese erstmals an Kundenrechenzentren ausgeliefert wurden. In der gleichen Phase stieg der Cloud-Umsatz um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig macht diese Darstellung klar, warum das TPU-Geschäft zwar im Reporting auftaucht, die vollständige wirtschaftliche Wirkung aber zeitlich versetzt folgen kann: Der Großteil der Erlöse aus bestehenden TPU-Vereinbarungen werde erst 2027 realisiert. Für die Bewertung bedeutet das, dass sich der Timing-Effekt direkt in DCF-Logik und Ergebnisprojektionen niederschlägt.
Marktseitig liest sich die ganze TPU-These als Versuch, einen Teil des Rechenzentrumsmarktanteils vom etablierten Dominanzmodell wegzuschieben. Alphabets Zielbild wird dabei im Analysten-Kontext mit einer potenziellen Übernahme von bis zu 10 Prozent des Rechenzentrumsumsatzes von NVIDIA innerhalb weniger Jahre beschrieben. Dass Piper Sandler in seinem Szenario besonders auf die externe TPU-Komponente setzt, macht die erwartete Wettbewerbsdynamik deutlich: Nicht nur der Wettbewerb um KI-Workloads zählt, sondern auch der Wettbewerb um die zugrunde liegende Hardware-„Leitplanke“ in der Cluster-Infrastruktur. Selbst wenn der Übergang in der Praxis stufenweise erfolgt, kann eine steigende externe Nachfrage die wirtschaftliche Hebelwirkung erhöhen – und genau diese Hebelwirkung spiegelt der Analyst in seinen Anpassungen wider: Die Umsatzschätzung für 2027 wurde um 2 Prozent nach oben korrigiert, die Projektion für das operative Ergebnis 2027 um 8 Prozent.
Für Investoren ist jetzt weniger die Theorie entscheidend als die nächste Evidenzschicht. Das mittlere Kursziel der Analysten, das in aggregierten Empfehlungen sichtbar wird, liegt laut Konsens bei 430,78 US-Dollar, mit einer Spanne von 379 bis 475 US-Dollar. Piper Sandler ordnet sich mit dem Schritt auf 400 US-Dollar damit in eine Position ein, die bereits zuvor von anderen Häusern für die Aktie eingenommen wurde. Gleichzeitig dürften sich viele Marktteilnehmer erst beim nächsten Geschäftsbericht ein klareres Bild machen: In der Meldung wird der Quartalsbericht zum dritten Quartal als nächster Zeitpunkt genannt, der erste Anhaltspunkte zum Hochlauf der Chipverkäufe liefern soll. Bis dahin bleibt die Frage offen, wie stark die tatsächlichen Auslieferungen und die Kapazitätsauslastung die Modellannahmen treffen – und damit auch, ob das externe TPU-Geschäft sich schneller als angenommen in nachhaltige Umsatz- und Ergebnisbeiträge übersetzen lässt.
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