LONDON (IT BOLTWISE) – Der Veteran-Trader Peter Brandt stellt Stellar (XLM) am 29. September 2026 als „Multi-Year Long Shot“ heraus. Daraufhin springt der Kurs zeitweise um 11 Prozent, bevor er bis zum 1. Oktober wieder auf rund 0,22 US-Dollar zurückfällt. Technisch konkurriert Stellar im Zahlungsbereich direkt mit XRP, nutzt jedoch XLM für sehr geringe Transaktionskosten. Entscheidend bleibt, ob der Rücksetzer nur Hype widerspiegelt oder ob echte Nutzung – etwa durch tokenisierte Real-World-Assets – das Interesse trägt.

Peter Brandt ist in der Krypto-Szene vor allem dafür bekannt, öffentlich eher kritisch als wohlwollend zu argumentieren. Umso auffälliger wirkt seine aktuelle Entscheidung: Er empfiehlt Stellar (XLM) am 29. September 2026 als „Multi-Year Long Shot“, also als Wette mit niedriger Eintrittswahrscheinlichkeit, aber potenziell hoher Rendite über mehrere Jahre. Genau diese Langfrist-Fokussierung passt zum Charakter vieler Zahlungs-Blockchain-Projekte, bei denen nicht einzelne Schlagzeilen den Ausschlag geben, sondern die Fähigkeit, Netzwerkeffekte bei Banken, Fintechs und Zahlungsanbietern aufzubauen. Kurzfristig reicht aber bereits ein bekannter Name, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen – und im Krypto-Handel kann Aufmerksamkeit sehr schnell in Kursbewegungen übersetzen.
Nachdem Brandt seine Wahl bekannt gemacht hatte, stieg XLM laut den genannten Kursdaten zunächst um 11 Prozent. Am 1. Oktober pendelte der Kurs jedoch wieder auf etwa 0,22 US-Dollar ein. Diese Abfolge – erst Momentum durch News, dann Rückkehr in ein engeres Bewertungsband – ist für viele Marktreaktionen typisch, wenn der Auslöser eher „Erzählung“ als fundamentale Änderung ist. Gleichzeitig ist der Timing-Aspekt relevant: Stellar war nicht komplett unvorbereitet, denn der Aufwärtstrend hatte bereits vor der Bekanntgabe begonnen. Für Anleger heißt das: Der beobachtete Sprung ist nicht nur „Brandt-Effekt“, sondern wahrscheinlich auch der Verstärker, der eine ohnehin laufende Neubewertung kurz sichtbarer macht.
Technisch lässt sich Stellar als Zahlungsinfrastruktur beschreiben, in der XLM die minimalen Transaktionsgebühren abdeckt. Genau deshalb wird Stellar häufig im gleichen Atemzug wie XRP genannt, denn beide Netzwerke zielen darauf ab, schnelle und günstige grenzüberschreitende Transfers zu ermöglichen. Im Hintergrund gibt es hier auch personelle Überschneidungen: Jed McCaleb, der als Mitgründer von Ripple gilt, war 2014 ebenfalls an der Gründung von Stellar beteiligt. In der Praxis bedeutet das: Wenn Zahlungsanbieter „Settlement“ und „Asset Movement“ effizienter organisieren wollen, landen sie schnell bei ähnlichen Architekturentscheidungen – unabhängig davon, ob sie am Ende XLM oder XRP einsetzen. Für die Bewertung von Brandts Wahl ist deshalb weniger die reine Preisreaktion entscheidend, sondern die Frage, welche Plattform in der Realwelt tatsächlich häufiger genutzt wird.
Marktseitig liefert der Text mehrere Ankerpunkte, die Brandts Positionierung als Long-Shot stützen, aber auch seine Grenzen zeigen. So habe XLM im betrachteten Zeitraum um 27,1 Prozent zugelegt, während XRP nur etwa 9,9 Prozent schaffte. Zudem überschritt Stellar offenbar die 50-Wochen-Durchschnittslinie, während XRP „hinterherlief“. Gleichzeitig bleibt die Distanz zu den historischen Hochs groß: XLM liegt demnach rund 74,5 Prozent unter dem Allzeithoch von etwa 88 Cent (Januar 2018). XRP wiederum ist ungefähr 58,9 Prozent unter seinem Peak von 3,65 US-Dollar (Juli 2025). Das ist ein wichtiger Widerspruch zu der scheinbar optimistischen Kurzfrist-Erzählung: Der Long-Shot wirkt wie ein Projekt, das zwar Fortschritte macht, aber noch nicht die frühere Marktdominanz zurückerobert hat.
Ein weiterer Faktor, der im Artikel stärker als nur Brandts Empfehlung hervorgehoben wird, sind institutionelle Entwicklungen rund um tokenisierte Real-World-Assets. Stellar soll laut den genannten Angaben etwa 2,75 Milliarden US-Dollar an solchen tokenisierten Vermögenswerten hosten, darunter Anleihen und Fondsanteile. Das ist aus technischer Sicht relevant, weil es die Nutzung von Blockchain nicht ausschließlich in die „Spekulationslogik“ der Märkte einordnet, sondern in die Arbeitslogik von Emittenten und Intermediären: Wenn reale Wertpapiere in Token-Form abgebildet werden, müssen Akteure Prozesse für Issuance, Verwahrung, Transfer und Compliance-Workflows in ihre Produktketten integrieren. Für Unternehmen zählt dann nicht nur die Latenz im Netzwerk, sondern auch, wie gut das Ökosystem Transaktionen rund um Vermögenswerte in der Praxis unterstützt.
Für Privatanleger wird die Entscheidung zudem durch die Zugriffswege beeinflusst. Der Text nennt mit dem Grayscale Stellar Lumens Trust (OTC: GXLM) eine Struktur, die XLM hält und bei der SEC einreicht, während der „Trust-Preis“ von der Spot-Notierung abweichen kann. Das ist kein rein technisches Detail: Solche Vehikel können die Hürde senken, ein eigenes Wallet zu verwalten, erzeugen aber zugleich ein neues Bewertungsrisiko durch die Differenz zwischen Produktpreis und zugrunde liegendem Vermögenswert. Wer Brandts Long-Shot als Einstieg nutzt, sollte deshalb nicht nur auf die Kursreaktion von XLM schauen, sondern auch verstehen, wie der gewählte Zugang Mechanismen wie Abschläge oder Prämien in den Anlagealltag übersetzt.
Ob Brandts Stellar-Pick als Kauf- oder Verkaufsargument taugt, lässt sich aus den beschriebenen Daten eher als Diskussionsgrundlage denn als klares Signal interpretieren. Der Artikel ordnet Brandts Aussage ausdrücklich als Gesprächsstarter für eigene Recherche ein, und das passt zum Kernproblem: Eine einzelne Empfehlung kann Interesse kurzfristig anziehen, aber Adoption zeigt sich erst über ein längeres Zeitfenster, wenn Zahlungsunternehmen wiederkehrend Transaktionen durchführen oder neue Asset-Use-Cases an den Netzwerkbetrieb koppeln. Wenn XLM den genannten Trend von 27,1 Prozent monatlich über den Folgemonat hinweg halten kann, wäre das ein Indiz dafür, dass Käufer auf mehr reagieren als auf die Schlagzeile. Fällt XLM dagegen rasch in frühere Muster zurück, spricht das dafür, dass der Impuls vor allem Aufmerksamkeit – nicht Nachfrage – geliefert hat.
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