BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Für die Umgestaltung des Areals Hertzallee Nord in Berlin wurde ein städtebaulicher Rahmenvertrag unterzeichnet. Auf rund 150.000 m² geplanter Geschossfläche soll ein urbaner Campus entstehen, der universitäre Nutzungen mit Büros und unterschiedlichen Wohnformen verbindet. Kernstück ist die vertragliche Grundlage für die Verlagerung und Einhausung der Bus-Betriebsendhaltestelle der BVG in das Planungsgebiet. Der nächste Schritt ist, nach Abschluss der Verträge das Bebauungsplanverfahren zügig zur Baurechtschaffung zu führen.

Der städtebauliche Rahmenvertrag für Hertzallee Nord bringt Bewegung in ein Areal, das bislang zwischen harten Infrastrukturkanten lag: direkt in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten und eingebettet zwischen Hardenbergstraße, Fasanenstraße, Müller-Breslau-Straße sowie dem Bahnviadukt. Genau diese Lage in der City West macht das Vorhaben so strategisch. Die Flächen fungieren als räumliches Scharnier zwischen dem Campus Charlottenburg und dem urbanen Alltag der City West – und damit auch als Hebel, um die Verbindung stärker zu verdichten statt sie lediglich „durchzuleiten“. Aus Planungssicht ist bemerkenswert, dass der Vertrag eine konkrete Klammer bildet: Er schafft die Grundlage für die Weiterentwicklung des Gebiets, nachdem bereits im Juli 2021 eine Absichtserklärung mit der BVG geschlossen worden war.
Mit Blick auf die technischen und operativen Anforderungen steht die Mobilitätskomponente im Zentrum. Vorgesehen ist, dass die bestehende Bus-Betriebsendhaltestelle der BVG innerhalb des Planungsgebiets verlagert und eingehaust wird. Diese Bedingung ist nicht nur eine Standortfrage, sondern beeinflusst später direkt die Ausformung von Erschließung, Gebäudeausrichtung und Freiraumqualität. Erst wenn diese Rahmenbedingung vertraglich auf sichere Beine gestellt ist, können Flächenentwicklungen sinnvoll ineinandergreifen: Auf dem Grundstück der Projekt Berlin Hertzallee GmbH sollen rund 54.500 m² Bruttogeschossfläche für zwei Hochhäuser mit modernen Büro- und Gewerbeflächen entstehen. Parallel dazu sollen auf landeseigenen Grundstücken 500 Studentenapartments sowie 210 Wohnungen geschaffen werden. Damit wird der Campusgedanke im Alltag greifbar: nicht als isolierter Wissenschaftsstandort, sondern als gemischt genutztes Stadtquartier mit Dauerbewohnern und Büroarbeitsplätzen.
Architektonisch und städtebaulich sieht der Entwurf vier Hochhäuser vor, deren Höhen zwischen 75 und 110 Metern liegen. Der Rahmenvertrag basiert dabei auf einer angepassten Variante des Entwurfs des Büros Yellow Z Urban Architecture & bgmr Landschaftsarchitekten. Dass der Senat von Berlin den zugehörigen Rahmenplan bereits 2022 beschlossen hat, zeigt zudem, dass das Projekt planungsrechtlich in einer gereiften Phase ist: Der Vertrag wirkt wie eine Brücke zwischen politischer Zielsetzung und der späteren Ausarbeitung im Bebauungsplan. Für die Akteure heißt das, dass Entscheidungen nicht mehr bei der Grundlogik stoppen sollten, sondern sich auf Details konzentrieren können – etwa darauf, wie der städtebauliche Entwurf die Umgebung zwischen Bahnhofsumfeld und Quartiersinnerem adressiert. Gerade in einem Bahnhofsnahraum ist die Verzahnung von Nutzung, Blickachsen und Wegen entscheidend, damit neue Gebäude nicht nur „im Raum stehen“, sondern den Stadtraum aktiv mitgestalten.
Inhaltlich wird das Programm für die Technische Universität Berlin (TU Berlin) zum großen Treiber des Campus. Der Plan umfasst mehrere neue Gebäude für die Universität, und die Entwicklung verbindet Hochschulflächen, Büroflächen und Wohnen in einem durchdachten Nutzungsmix. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Qualität der Freiräume und auf Durchwegungen. Dazu passen die geplanten Erdgeschossnutzungen: Kleine Geschäfte, Cafés und weitere öffentliche Angebote sollen zur Attraktivität beitragen, insbesondere am neu entstehenden Stadtplatz an der Hertzallee. Für die Lebensqualität im Quartier ist das mehr als „Erdgeschossbelebung“: In einem gemischt genutzten Areal entscheidet die Nutzungsdichte auf Straßenniveau darüber, ob Wege kurz, angenehm und tatsächlich frequentiert werden. Ergänzend werden Maßnahmen in den Freiflächen und an den Gebäuden genannt, die auf ein gesundes Stadtklima abzielen – ein Hinweis darauf, dass Klimaaspekte und Aufenthaltsqualität bei der Ausformulierung des Entwurfs mitgedacht werden sollen.
Die Entwicklung erfolgt zudem in enger Kooperation zwischen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Genau diese Mehr-Ebenen-Struktur ist in Berlin für Projekte dieser Größenordnung typisch, weil Zuständigkeiten und Flächen nicht in einer einzigen Verwaltungseinheit zusammenlaufen. Als zusätzlicher Effekt kann die Abstimmung auch die Geschwindigkeit erhöhen, wenn es später darum geht, die Planungs- und Bauabschnitte zu synchronisieren. Das Projekt sieht vor, dass nach Abschluss der städtebaulichen Verträge das Bebauungsplanverfahren zügig zur Baurechtschaffung führen soll. Für Unternehmen und Institutionen ist das relevant, weil sich daran ihre Projektplanung festmacht: Miet- und Mietvertragskonstruktionen, Wettbewerbs- und Bauzeitpläne sowie die Reihenfolge der infrastrukturellen Maßnahmen können sich erst dann belastbar auf ein konkreteres Rechtsregime stützen.
Auch die Wettbewerbsschiene für die TU ist als Umsetzungspfad beschrieben. Laut Darstellung werden Realisierungswettbewerbe für neue Fakultätsgebäude durchgeführt, um den offenen Campusgedanken zu verwirklichen. Dieser Ansatz knüpft an einen generellen Trend im Hochschulbau an: Städtebauliche Qualität entsteht nicht allein durch eine Nutzungslogik, sondern durch gestalterische Antworten auf Schnittstellen – zwischen Hörsaal- und Lehrumfeld, zwischen öffentlichem Erdgeschoss und ruhigen Campusbereichen, zwischen Verkehr und Aufenthalt. In den Worten von Projektverantwortlichen wird zudem betont, dass der Standortgedanke nicht mehr als isolierte Wissenschaftsinsel verstanden werden soll. Der Campus soll vielmehr integraler Bestandteil des städtischen Lebens sein – eine Haltung, die sich im Nutzungsmix und in der geplanten Freiraum- und Durchwegungsqualität widerspiegelt.
Für den Markt und die Stadtentwicklung in Berlin lässt sich aus dem Vertragsinhalt vor allem eines ableiten: Infrastruktur- und Gebäudekomponenten werden enger gekoppelt, als es bei vielen Projekten in der Vergangenheit der Fall war. Die BVG-Endhaltestelle als vertraglich vorgesehene, elektrifizierte und zugleich eingehauste Infrastruktur ist ein Signal, dass Logistik- und Mobilitätsfunktionen nicht „hinten raus“ geplant werden, sondern von Beginn an in den Masterplan eingezeichnet sind. Genau solche Schnittstellen entscheiden später über Kosten, Terminpläne und Akzeptanz im Umfeld. Wenn das Bebauungsplanverfahren anschließend zügig zur Baurechtschaffung geführt wird, schafft das Planungssicherheit für die nächsten Schritte – vom Wettbewerbsdesign bis zur tatsächlichen Umsetzung der Hochhäuser und der Wohnangebote. Für die TU Berlin bedeutet das perspektivisch einen Campus, der im Alltag stärker mit der Umgebung zusammenarbeitet, statt sich nur an den Rand der City West zu legen.
Am Ende ist der städtebauliche Rahmenvertrag damit weniger ein „Startschuss“ im luftleeren Raum, sondern eine konkrete Koordinationsleistung zwischen öffentlicher Hand und Projektgesellschaft. Die Nähe zum Bahnhof Zoologischer Garten liefert dabei die Chance, Bewegung und Zielverkehr nicht nur zu managen, sondern in eine neue Quartiersstruktur zu übertragen. Entscheidend wird sein, wie im weiteren Verfahren die Einhausung der Bus-Betriebsendhaltestelle, die Lage der Stadtplätze sowie die Durchwegungen zwischen Universitäts- und Wohnbereichen so zusammengeführt werden, dass aus der Planung auch im Detail ein funktionierendes, gut nutzbares Stadtquartier wird. Wenn die beschriebenen Schritte eingehalten werden, kann Hertzallee Nord zu einem Referenzprojekt dafür werden, wie Hochschulbau, Wohnraum und städtische Infrastruktur in Berlin gemeinsam gedacht werden.
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