KARLSRUHE / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Aurelis Real Estate übernimmt das frühere Michelin Areal in Karlsruhe-Grünwinkel und startet eine mehrjährige Revitalisierung. Auf rund 126.000 Quadratmetern entsteht mit „Profilwerk Karlsruhe“ ein Standort mit 74.300 Quadratmetern Mietfläche für Produktion, technologieorientierte Unternehmen und Logistik. Ein großer Teil der Bestandsgebäude wird zurückgebaut, während das „Gewerkshaus“ der Stadt Karlsruhe als Gründungs- und Gewerbezentrum erhalten bleibt. Der Rückbau soll in diesem Jahr beginnen, die Neubauten sind nach Planung ab 2027 gestartet und bis 2029 schrittweise fertig.

In Karlsruhe geht eine größere Gewerbeimmobilie von einem klassischen Industriestandort in eine stärker durchmischte Nutzung über. Aurelis Real Estate hat das ehemalige Michelin Areal in Grünwinkel übernommen und will es in den kommenden Jahren unter dem Namen „Profilwerk Karlsruhe“ neu entwickeln. Das Grundstück umfasst rund 126.000 Quadratmeter, wobei von Anfang an nicht nur eine einzelne Nutzungsart im Fokus steht: Für verschiedene Profile sind insgesamt 74.300 Quadratmeter Mietfläche vorgesehen. Damit adressiert das Projekt typische Bedarfe, die sich in vielen deutschen Städten parallel verschieben – Unternehmen suchen teils Flächen für Produktion, zugleich steigt der Platzbedarf für technologieorientierte Geschäftsmodelle und Logistik.
Technisch und planerisch setzt die Umsetzung auf ein flexibles Flächenraster. Aurelis will einen erheblichen Teil der bestehenden Gebäude zurückbauen und auf dem Gelände ein neues Angebot schaffen, das sich in verschiedene Bausteine gliedert. Dazu gehören vier große Halleneinheiten, ein Unternehmerpark mit acht Einheiten sowie die neuen „Aurelis Ateliers“, die gezielt kleinteiligere Mietflächen ab 200 Quadratmetern anbieten sollen. Der Unternehmerpark ist dabei auf kombinierbare Einheiten zwischen 2.500 und 4.200 Quadratmetern ausgelegt, was in der Praxis hilft, unterschiedliche Anforderungsprofile – von der wachsenden Fertigung bis zur ausgelagerten Montage – ohne längere Umbauschleifen abzubilden.
Parallel dazu wird ein Teil des Bestands bewusst als Ankermodul erhalten. Das „Gewerkshaus“ fungiert als Gründungs- und Gewerbezentrum für Handwerksbetriebe sowie kleines produzierendes Gewerbe und wird von der Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe betrieben. Die Inbetriebnahme ist für dieses Jahr vorgesehen, und auch nach dem Eigentümerwechsel bleibt die Stadt als Mieter auf dem Gelände präsent. Das ist strategisch relevant, weil ein Projekt dieser Größenordnung nicht nur aus Neubauten besteht, sondern die Dynamik des Standorts früh über Nutzung und Belegung aufbauen muss. Genau hier kann ein bereits eingeplanter Betrieb eines Gründungszentrums als sichtbarer Startpunkt wirken.
Aus Standort- und Marktlogik heraus ordnet sich das Vorhaben zudem in die deutsche Debatte um Flächenknappheit ein. Wenn ein Areal in der Größenordnung von rund 126.000 Quadratmetern mit vorhandener Lagegunst selten den Markt berührt, steigt die Wettbewerbsintensität um passende Konzepte. Aurelis begründet den Kauf unter anderem damit, dass Standorte mit industrieller Geschichte und etablierter Lage nicht häufig verfügbar seien und das Interesse daher hoch gewesen sei. Für die Stadt Karlsruhe wird das Projekt als Signal gelesen, dass bereits gewerblich genutzte Flächen weiterentwickelt werden und Arbeitsplätze entstehen können, statt in einer reinen Umnutzung zu verschwinden. In diesem Spannungsfeld wirkt das Konzept „modern“ und zugleich anschlussfähig an die industrielle Historie.
Konkrete Zeit- und Bauabschnitte geben dem Vorhaben außerdem eine klare Umsetzungslogik. Der Rückbau der Bestandsgebäude ist für dieses Jahr vorgesehen, während die Planungen für den Baustart der Neubauten nach derzeitigem Stand auf 2027 datiert sind. Die Fertigstellung soll schrittweise bis 2029 erfolgen. In der Praxis ist das ein wichtiger Punkt für potenzielle Mieter, weil sich daraus Zeitfenster für Vorverhandlungen, interne Umzugsplanungen und die technische Vorbereitung ableiten lassen. Gleichzeitig wird so die Attraktivität für unterschiedliche Unternehmensphasen erhöht: Betriebe, die kurzfristig Flächen benötigen, können über Bestandsnutzung andocken, während andere ihre Umsetzung an den Ausbau der neuen Hallen und Ateliers koppeln.
Auch die Erreichbarkeit stützt das Standortprofil. Das Areal ist laut Projektbeschreibung gut an das regionale und überregionale Verkehrsnetz angebunden: Über die B10 sind die Autobahnen 5 und 8 zeitnah erreichbar, und der Rheinhafen Karlsruhe liegt in unmittelbarer Nähe. Für Logistik- und Produktionsbetriebe ist diese Kombination aus Straßenanbindung und Wasserumschlag ein echtes Standortargument, weil sie Tourenplanung und Warenein- beziehungsweise -auslieferung beeinflusst. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner Verkehrsweg, sondern die Robustheit der Gesamtkette: Wenn eine Route ausfällt oder Kapazitäten kurzfristig begrenzt sind, kann ein zweiter Pfad die Versorgung stabilisieren.
Für die Branche ist das Projekt vor allem deshalb interessant, weil es eine bewährte Strategie aus der Immobilien- und Standortentwicklung in ein neues Flächenangebot übersetzt: Bestand integrieren, soweit es funktioniert, und dort neu bauen, wo Flexibilität und technische Anforderungen deutlich steigen. Das „Profilwerk Karlsruhe“ kombiniert dafür großformatige Hallen, einen modularen Unternehmerpark und Ateliers für kleinteiligere Einheiten – also genau die Mischung, die in vielen Regionen hilft, sowohl Planbarkeit als auch Belegungstempo zu verbessern. Wenn das Konzept aufgeht, kann Karlsruhe den industriellen Charakter des Areals langfristig erhalten und zugleich neue Wertschöpfung in die bestehende Infrastruktur integrieren.
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