SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – MyMonthlyCar will gebrauchte Fahrzeugbestände lokaler Händler in flexible Monatspachten umwandeln. Das Startup setzt auf ein Online-Angebot für „month-to-month rentals“ ohne Kurzzeit-Optionen und ergänzt damit gleichzeitig ein Rent-to-own für Händler. Die Plattform nimmt keine Listungsgebühr, verdient aber über 10% an Händler-Transaktionen und zusätzlich 10% vom Kunden. Für den Rollout steht der Aufbau eines eigenen Versicherungskonzepts im Mittelpunkt, bevor das Wachstum mit Seed-Finanzierung startet.

Auf einem Händlerschilder-Parkplatz steht oft mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist: Fahrzeuge, die nicht innerhalb weniger Wochen verkauft werden, verlieren durch Standzeit an Wert. Genau an dieser Lücke setzt das Startup MyMonthlyCar an. Mit einem Online-Marktplatz will es gebrauchte Autos von lokalen Dealern für Kunden verfügbar machen, die kein langfristiges Leasing oder einen Kauf wollen, sondern nur für einige Monate mobil sein möchten. Der Gründer Igor Dobrianskyi bringt das Problem in den Worten „Millions and millions of used cars are sitting on parking lots, depreciating and losing value“ auf den Punkt. Gleichzeitig verweist er auf das Angebotsdilemma: Wer nur kurz fahren will, findet laut seiner Aussage „the options are actually very limited and expensive“.
Technisch ist das Geschäftsmodell dabei weniger ein „Uber für Autos“ als eine kuratierte Vermittlung mit klarer Laufzeitlogik. MyMonthlyCar vermietet ausschließlich im Monatstakt („month-to-month“) und schließt damit explizit kurzfristige Varianten aus; die Plattform soll Kunden also nicht mit Tages- oder Wochenpaketen abholen, sondern mit einer planbaren Monatsbindung. Für Händler ergibt sich daraus eine zweite Verkaufsroute: Das Startup bewirbt die Miete nicht als reines „Weg vom Hof“, sondern als Einstieg in einen möglichen späteren Kauf. Dobrianskyi beschreibt den Ansatz so: „So we don’t bring them only customers to rent on a monthly basis; we basically bring them the clients who potentially can buy this car as well“.
Wirtschaftlich setzt MyMonthlyCar auf eine schlanke Gebührenstruktur, die vor allem die Einstiegshürde für Dealer senken dürfte. Der Dienst verlangt keine Gebühr dafür, Fahrzeuge im Webangebot zu listen. Stattdessen fällt eine Provision von 10% auf jede Händlertransaktion an; zusätzlich erhebt MyMonthlyCar beim Kunden eine separate 10%-Gebühr. Dieses Revenue-Modell passt besonders gut zu Beständen, die ohnehin im Standbetrieb Kapital binden, weil die Plattform primär bei konkreten Abschlüssen wirkt. Gleichzeitig erhöht es den Anreiz, dass der Bestand „richtig“ ausgewählt und bepreist wird – und genau hier kündigt das Startup seine nächste Ausbaustufe an.
Damit das Modell im Alltag funktioniert, spielt Versicherung eine zentrale Rolle. MyMonthlyCar arbeitet derzeit mit einem Insurance-Broker, um sein eigenes Versicherungskonzept abzuschließen; damit sollen Kunden künftig zwischen unterschiedlichen Deckungsarten wählen können. Dobrianskyi stellt den Zusammenhang sehr direkt heraus: „Insurance is the key for this business, and you need to have your own insurance as a platform“. In der frühen Testphase ist außerdem eine Rückkopplung sichtbar, die viele neue Mobilitätsdienste unterschätzen: Laut dem Gründer war die häufigste Händlerfrage nicht App-Usability oder Vertragslogik, sondern „Insurance and liability coverage“.
Der Wachstumspfad wirkt ambitioniert, auch wenn das Unternehmen bislang ohne Venture Capital auskommt. MyMonthlyCar ist in Delaware registriert, sitzt operativ in Florida und wurde von Dobrianskyi gemeinsam mit CPO Kostiantyn Gitko sowie CTO Vadym Zotov aufgebaut; alle drei sind nach Angaben des Gründers aus der Ukraine in die USA gekommen. Das Team testet bereits mit sieben Händlern und plant, erst nach dem Start des Versicherungspakets die nächsten Schritte einzuleiten. Für das erste Jahr nennt Dobrianskyi Zielgrößen von 100 Dealern, 2.000 monatlichen Rentals und 300.000 US-Dollar Umsatz; über fünf Jahre peilt er laut Angaben 42 Millionen US-Dollar an. Parallel dazu will das Startup eine Seed-Runde aufnehmen, um mehr Entwickler einzustellen.
In der Produktentwicklung rückt dabei ein KI-Element in den Vordergrund, das für den operativen Kern der Plattform entscheidend sein kann: ein Tool, das Händlern helfen soll, welche Fahrzeuge sich jeweils am besten für die Vermietung eignen. Das klingt auf den ersten Blick nach klassischer Empfehlungssystem-Logik, dürfte in der Praxis aber stark vom Zusammenspiel aus Fahrzeugdaten, Standzeit, Historie zu Mietdauer und Risiko-/Deckungsparametern abhängen. Genau deshalb wirkt die Reihenfolge plausibel: Erst Versicherung und Haftungsrahmen klären, dann die Auswahl-Engine überbrücken. Rückblickend knüpft MyMonthlyCar zudem an Vorarbeiten an, denn Dobrianskyi hatte bereits 2016 ein Peer-to-Peer-Konstrukt namens SizeCar aufgebaut, das später auf 40 europäische Städte ausgeweitet wurde. Für Händler und Kunden entsteht daraus ein wiederkehrendes Muster: Der Markt braucht nicht nur mehr Optionen, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Monatsmiete nicht zur finanziellen Überraschung wird.
Für die Branche ist das vor allem deshalb relevant, weil hier eine häufig unterschätzte Zwischenstufe adressiert wird: nicht die klassische Gebrauchtwagen-Transaktion, nicht der Mietwagen mit Tageslogik, sondern die langfristige „Zwischennutzung“ als echtes Produkt. Wenn MyMonthlyCar seine Versicherungsintegration stabilisiert und die Fahrzeugauswahl tatsächlich datenbasiert optimiert, könnte das die Hürde für neue Dealer-Partner senken und den Nutzen für Kunden messbar erhöhen. Entscheidend bleibt allerdings, wie schnell die Plattform vom Testbetrieb in einen skalierbaren Betrieb überführt – und ob die Gebührenstruktur in Verbindung mit Versicherungskosten auch bei wechselnden Bestandsmixen tragfähig bleibt.
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