LONDON (IT BOLTWISE) – Valve bleibt beim Steam-Deck-Nachfolger vage, doch neue Leaks zeichnen ein konkreteres Bild. In AMD-Treiberdokumenten soll ein Chip namens „Gainsborough“ auftauchen, der für ein nächstes Steam-Deck-Board entwickelt worden sein könnte. Der Hinweis deutet auf mehr Rechenleistung und vor allem effizientere Umsetzung hin, gebaut auf einem 3-nm-Prozess. Wenn die Zeitpläne stimmen, könnte ein neues Handheld-Modell Ende 2027 oder Anfang 2028 auf den Markt kommen.

Valve hält sich bislang bewusst bedeckt, wenn es um die Nachfolge des Steam Deck geht. Statt konkreter Spezifikationen verweist der Konzern wiederholt auf einen „generational leap“ zwischen dem 2022 gestarteten Handheld und einer Version, die stärker an die Leistungsfähigkeit moderner Hardware-Generationen gekoppelt sein soll. Genau diese Lücke nutzen nun Leaks aus AMD-Umfeld: In Treiberdokumenten soll ein bislang wenig belegter Chip namens „Gainsborough“ sichtbar geworden sein. Auch wenn es sich dabei nicht um eine offizielle Produktankündigung handelt, verdichtet sich die technische Story so weit, dass viele Indizien zusammenpassen könnten.
Besonders spannend ist die Herkunft des Hinweises: Ein meist als „Moore’s Law is Dead“ bekannter Creator hat in der Vergangenheit wiederholt Material aus Entwickler- und Forenbezügen ausgewertet. In diesem Fall verweist er auf mehrere Message Boards, die in AMD-Treiberunterlagen auf „Gainsborough“ gestoßen sein wollen. Laut der im Leak genannten Herleitung wäre der Name nicht nur ein Platzhalter, sondern tatsächlich eine neue Chip-Variante; zudem soll der Entwicklungsfokus auf Valve liegen. Auf Basis dieser Lesart ergibt sich auch ein plausibler Zeitkorridor: Der Leak skizziert eine mögliche Veröffentlichung des Handhelds in der zweiten Hälfte 2027 oder sehr frühen 2028, also relativ nah an den üblichen Zyklen, in denen neue Konsolen- und Handheld-Plattformen ihre Hardware-Generationen wechseln.
Die technische Einordnung beginnt mit einer AMD-„Semi-Custom“-Tradition, die Valve beim ersten Steam Deck bereits genutzt hat. Der ursprüngliche AMD-Chip trug intern den Codenamen „Aerith“ – eine Hommage an eine Figur aus Final Fantasy VII; ihr Nachname ist „Gainsborough“. Diese Namenslogik ist zwar kein Beweis für eine konkrete Architektur, aber sie passt in das Muster, wie Hersteller und Partner Hardware-Plattformen oft über mehrere Generationen hinweg über Codenamen intern steuern. Wenn „Gainsborough“ demnach wieder ein semi-custom Chip für Valve wäre, ließe sich auch erklären, warum die Leaks nicht nur einen einzelnen Modellnamen, sondern gleich mehrere Detailspuren liefern: Prozessknoten, GPU-Planungen und sogar ein Hinweis auf mögliche Grafik- und Upscaling-Mechanismen.
Im Kern wird „Gainsborough“ als Chip auf einem 3-nm-Prozess beschrieben, konkret auf TSMCs N3P-Variante. Aus Sicht der Performance pro Watt ist das ein deutlicher Unterschied zu größeren Prozessknoten, wie sie bei der vorherigen Valve-Generation im Kontext anderer Semi-Custom-Implementierungen diskutiert wurden. Für ein Handheld ist dieser Punkt mehr als nur eine reine Fertigungsmetrik: Ein effizienterer Prozess kann entweder die Taktrate anheben, die Leistungsaufnahme senken oder beides in einem besseren Gleichgewicht ausspielen. Darüber hinaus würden Leaks zur CPU- und GPU-Seite die Richtung bestätigen: Für den Grafikpart wird von RDNA 5 gesprochen, während bei der CPU-Planung eine auf „Zen 6“ basierende Microarchitektur im Raum steht. Letztlich wäre das entscheidend, weil RDNA- und Zen-Generationen die „Gleichzeitigkeit“ von Grafik-Workloads und CPU-gestützten Systemaufgaben verbessern sollen, die im Spielealltag auf dem Handheld ständig um Systemressourcen ringen.
Gerade bei RDNA 5 wird im Leak-Umfeld eine konkrete Effizienz- und Bildqualitätsverbesserung behauptet: Es soll eine Steigerung der nativen Rasterisierung um 5 bis 10 Prozent gegenüber dem Stand heute möglich sein. „Native Rasterization“ ist dabei der Teil der Rendering-Pipeline, der aus geometrischen Grundformen letztlich Pixelwerte ableitet; damit beeinflusst er direkt, wie viel Rohleistung für vergleichbare Bildraten zur Verfügung steht. Noch relevanter könnte jedoch die zweite Komponente sein, nämlich fortgeschrittenes Upscaling. Upscaling-Algorithmen erlauben, dass Szenen zunächst in einer niedrigeren Auflösung gerendert und anschließend hochskaliert werden, ohne dass sich die Spielperformance proportional mit der Zielauflösung verschlechtert. Genau bei diesem Thema liefert AMD bereits Referenzwerte aus dem Ökosystem von FidelityFX: Unter anderem wird FSR-Redstone als Weiterentwicklung erwähnt sowie PSSR-2 in PlayStation-Kontexten. Wenn solche Konzepte in die nächste Handheld-Generation übernommen würden, könnten Spieler nicht nur höhere FPS, sondern vor allem stabilere Bildraten in anspruchsvollen Titeln erleben.
Der reale Hebel für Nutzer liegt dabei in zwei Kennzahlen, die beim Steam Deck seit jeher eng zusammenhängen: Leistung und Akkulaufzeit. Ein neuer Chip könnte – zumindest im Zusammenspiel mit Architekturverbesserungen und effizienterem Fertigungsprozess – beides adressieren: entweder mehr Frames bei vergleichbarer Leistungsaufnahme oder ähnliche Grafikqualität bei weniger Verbrauch. Gleichzeitig fehlen im Leak-Set bislang jene Details, die eine echte Leistungsprognose erlauben würden, etwa Kernanzahl, Taktraten oder ein konkretes Speicher- und Bus-Design. Der Vergleich mit einem mutmaßlichen PS6-Handheld-Nachfolger fällt daher eher als Zielrichtung aus: Er deutet darauf hin, dass Valve an einer „modernen Ära“-Plattform arbeitet, lässt aber offen, wie nahe „Gainsborough“ an einem technisch gleichwertigen Zielsystem tatsächlich heranreichen könnte.
Auch jenseits der reinen Technik bleibt ein Thema zentral: der Preis. Bereits beim ersten Steam Deck wurde deutlich, dass Speicher- und RAM-Kosten massiv auf die Zielkalkulation wirken können; im Leak-Kontext wird auf eine damalige Form des Preisumfelds verwiesen, die einen Preis deutlich über 1.000 US-Dollar für komplette Setups zumindest nahelegte. Valve soll zudem in einem Interview mit einem großen Spielefachmagazin bestätigt haben, dass der RAM-Engpass die internen Planungen für den Steam-Deck-Nachfolger nicht aus dem Takt bringen würde. Für Käufer bedeutet das vor allem eine klare Erwartungshaltung: Ein günstiger Einstieg wie beim ursprünglichen 400-Dollar-Modell wirkt eher unwahrscheinlich. So bleibt der spannendste Teil der Story vorerst auf der technischen Ebene – und auf der Frage, ob Valve den angekündigten „Sprung“ dann auch so ausrollt, dass er in der Praxis im Alltag spürbar wird.
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