LONDON (IT BOLTWISE) – Das Vorarlberger Startup MioKio verbindet ein Brettspiel am Küchentisch mit einer kostenlosen iOS- und Android-App. Familien legen wöchentlich Frühstück, Mittag, Abend und Snacks mit bunten Karten fest, die App erzeugt daraus automatisch eine Einkaufsliste. Ein Foto des gelegten Planers übernimmt den Wochenplan per Scan, und alle können per sechsstelliger Code in Echtzeit mit planen. Seit September ist der Essensplaner exklusiv in 15 Filialen der Supermarktkette Sutterlüty erhältlich.

Wer in Familien mit Kindern schon einmal am Sonntagabend vor leeren Kühlschränken stand, kennt das Problem: Die Frage „Was essen wir heute?“ kommt nicht nur gelegentlich, sondern oft zu genau dem Zeitpunkt, an dem Planen am wenigsten Spaß macht. Genau hier setzt das Vorarlberger Startup MioKio an. Statt eines losen Kalenderzettels kombiniert das Unternehmen ein physisches Brett mit Lebensmittelkarten und einer App, die die Planung in eine konkrete Einkaufsliste übersetzt. Damit entsteht ein Wochenritual am Küchentisch, das die Barriere senkt, ohne die Verantwortung komplett an eine App abzugeben.
Das Kernprinzip funktioniert wie ein bekanntes Spiel, nur mit Ernährungslogik als Mechanik: Die Familie legt für Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Snacks Karten auf einen Wochenplaner. Die Karten sind farblich codiert – grün steht für Gemüse, gelb für Kohlenhydrate und rot für Eiweiß. Wer alle drei Farben kombiniert, erhält laut Konzept automatisch eine ausgewogene Mahlzeit. Dadurch wird aus Ernährung nicht nur eine Informationsaufgabe, sondern eine spielerische Auswahl, bei der auch Kinder sichtbar mitentscheiden.
Technisch läuft die Verbindung über die App-Funktionen, die vor allem zwei Probleme lösen: Daten überführen und Synchronität herstellen. Zum einen wird aus dem Wochenplan automatisch die Einkaufsliste erstellt, die alle Familienmitglieder in Echtzeit sehen und beim Einkauf abhaken können. Zum anderen reicht für die Übernahme des Wochenplans ein „Brett-Scan“: Ein Foto des gelegten Planers soll genügen, damit die App die Karten erkennt und den Plan übernimmt. Zusätzlich koppelt ein sechsstelliger Code Eltern, Kinder und sogar Großeltern an denselben Wochenplan, sodass die Planung nicht nur im Küchenfenster stattfindet, sondern auch unterwegs oder bei wechselnden Zuständigkeiten.
Die App-Logik ist dabei nicht auf „Planen mit Brett“ beschränkt. MioKio positioniert das System auch als reine Handy-Planung: Wenn das physische Brett nicht genutzt wird, soll direkt am Smartphone der Wochenplan entstehen können. Für die spielerische Motivation kommen Figuren ins Spiel, die Kinder mit Challenges und Punkten begleiten; Mio steht dabei für Gemüse, Kio erinnert an Wassertrinken. Gleichzeitig verweist das Startup auf eine Prüfung der Ernährungsinhalte durch die unabhängige Initiative SIPCAN, die sich der Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen widmet. Zielgruppe sind Familien mit Kindern zwischen etwa 4 und 14 Jahren – also genau der Altersbereich, in dem Essensvorlieben entstehen und Routinen langfristig prägen.
Finanziell bleibt das Setup klar strukturiert: Der Essensplaner kostet 29,90 Euro als unverbindliche Preisempfehlung. Im Set sind ein Wochenplaner, 120 Karten für Lebensmittel, Mahlzeiten und Challenges, 60 beschreibbare Karten für eigene Gerichte sowie eine Anleitung enthalten. Produziert wird das Material laut MioKio in Deutschland auf FSC-zertifiziertem Papier, verpackt ist das Set plastikfrei. Die App selbst ist kostenlos; die Grundfunktionen sollen dauerhaft gratis bleiben, später sind optionale Premium-Funktionen geplant, deren Kosten derzeit noch nicht bekannt sind. Für Einkaufsentscheidungen in Familien ist diese Trennung wichtig: Hardware einmalig, Software ohne laufende Hürde – zumindest für die Basis.
Marktseitig betritt MioKio keinen unbesetzten Raum. Rezept- und Küchenplattformen bieten bereits digitale Wochenplaner mit automatischer Einkaufsliste an, etwa über etablierte Plattformen wie Chefkoch, KptnCook oder Cookidoo von Thermomix. Auch das Grazer Startup Dälÿ plant offenbar einen Familien-Kalender auf dem Tablet, der den Alltag ordnen soll. Was MioKio dagegen besonders herausstellt, ist die physische Ebene: Das Brett macht die Auswahl sichtbar, haptisch und vor allem aktiv. Damit adressiert das Unternehmen nicht nur die Frage „Welche Zutaten?“, sondern auch das „Wie bringen wir alle an einen Tisch?“ – und genau das ist im Familienalltag oft der größere Hebel als eine noch so gute App.
Hinter MioKio stehen laut Angaben Prof. Thomas Metzler (Geschäftsführung), Fernanda Mardones, Sebastian Metzler sowie Softwareentwickler Oliver Kuchendorf. Das Startup ist ein Spin-off der FHV Vorarlberg University of Applied Sciences und wurde vom Inkubator Startup Vorarlberg begleitet; für den Markteintritt nennt MioKio regionale Partner wie die Vorarlberger Raiffeisenbanken, illwerke vkw, Getzner und die Original Kinderhotels. Seit September ist der Planer exklusiv in 15 Filialen der Supermarktkette Sutterlüty verfügbar, nach dem Pilotmarkt Vorarlberg will das Unternehmen in den gesamten DACH-Raum expandieren. Ein eigener Onlineshop ist in Vorbereitung – eine naheliegende Ergänzung, um nach dem stationären Einstieg die Reichweite zu erhöhen, sobald die Nutzerbasis mit den Brett- und App-Routinen vertraut ist.
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