LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Verteidigungsministerium will die Bereitstellung von Counter-UAS-Technologien deutlich beschleunigen. Eine neue Direktive greift dabei vor allem administrative Verzögerungen auf, etwa bei Funkfrequenzen, Genehmigungen und Sicherheitsprüfungen. Zudem soll eine zentrale Task Force die Koordination und Freigaben in C-UAS-Waffenreviews bündeln. Ziel ist, dass getestete und validierte Systeme schneller von der Prüfung in den Betrieb kommen.

Das US-Verteidigungsministerium setzt bei der Abwehr von Drohnen auf Tempo – und zwar nicht nur bei der Technik, sondern bei den Prozessen drumherum. In einem öffentlich gemachten Fünf-Seiten-Memorandum vom 28. September ordnet Verteidigungsminister Pete Hegseth an, Barrieren für die Einführung von Counter-UAS-Lösungen auf Militärbasen, bei kritischer Infrastruktur und in weiteren inländischen Einsatzbereichen abzubauen. Der Kern ist dabei ein klarer Umgang mit Verzögerungen: Werden Anforderungen rund um C-UAS-Anliegen langsamer abgearbeitet, sollen diese Verzögerungen als operatives Risiko behandelt werden – nicht als „bloßer Verwaltungsakt“.
Technisch relevant wird die Weisung vor allem an den Stellen, an denen C-UAS-Fähigkeiten in der Praxis oft hängen bleiben. Das Memorandum nennt explizit Verzögerungen bei der Autorisierung von Funkfrequenzen und bei der Erteilung von Sendeberechtigungen sowie häufig aufwendige Sicherheitsüberprüfungen. Genau diese Knotenpunkte betreffen Sensorik und Funkanwendungen gleichermaßen: Ob ein System zur Erkennung und Klassifizierung von Drohnen Funkspektrum benötigt oder zur Stör- und Abschirmwirkung bestimmte Frequenzen nutzen soll, hängt unmittelbar davon ab, wie schnell entsprechende Genehmigungen erteilt werden. Wenn der Weg von „Anforderung“ zu „Freigabe“ Monate dauert, verpufft der Vorteil schneller Prototypen – selbst dann, wenn die Hardware und die Software in Tests bereits überzeugen.
Damit wird auch eine organisatorische Komponente stärker in den Vordergrund gerückt: Hegseths Memo ordnet das Vorgehen als Durchsetzungsmechanismus für die Joint Interagency Task Force 401 (JIATF-401) ein. Diese Task Force soll als „Synchronisierungspunkt“ fungieren, um die Nutzung von Counter-Unmanned-Aerial-Systemen mit Militärdiensten, Combatant Commands, weiteren Ministeriumsbereichen und Interagency-Partnern abzustimmen. In den C-UAS-Waffen-Sicherheitsreviews soll JIATF-401 außerdem als Repository für technische Daten, einheitliche Risikoabschätzungen, genehmigte Minderungsmaßnahmen und Bedrohungsinformationen dienen – also genau die Art von Artefakten, die sonst zwischen Teams und Behörden „verloren“ gehen oder in separaten Versionen weiterleben.
In dem Zusammenhang ist auch die Erwartung an das Tempo klar formuliert. In einem Satz, der in der Veröffentlichung wörtlich wiedergegeben wird, heißt es: „The Department will take down barriers so our warfighters can take down drones, “ schrieb Hegseth. Auch JIATF-401-Sprecher, Army Lt. Col. Adam Scher, legt den Schwerpunkt auf den Abbau administrativer Hürden: „JIATF-401 will not accept a slow-moving bureaucracy when faced with a fast-moving threat.“ Für CIO-, Legal- und Sicherheitsprozesse ist das mehr als Rhetorik: Wenn die Richtlinie Verzögerungen als Risiko behandelt, verschiebt sich die Begründungslast im Freigabeprozess. Entscheidungen müssen stärker an Einsatzrealität gekoppelt werden, während „Safety Review“-Schritte nicht übersprungen, aber nachvollziehbar beschleunigt werden sollen.
Besonders konkret wird die Direktive bei der Funkfrequenz-Thematik. Hegseth weist den Chief Information Officer an, den Prozess innerhalb von 30 Tagen zu überprüfen, mit dem die Ministeriums-Komponenten ihre C-UAS-Spektrum-Anfragen an interdepartementale Spektrum-Behörden übermitteln. Ziel ist, Empfehlungen vorzulegen, die die Genehmigung beschleunigen. Außerdem soll der CIO die „Project Spectrum Strike“-Arbeiten unterstützen, indem C-UAS-Spektrum-Management-Anforderungen in die zugehörigen Lösungsauswahlen einfließen. In der Praxis bedeutet das: Spektrum wird nicht erst „später“ als nachgelagerte Hürde betrachtet, sondern als integrierter Bestandteil der Systembewertung.
Eine weitere Maßnahme zielt auf den Betriebseintritt getesteter Systeme. Laut Memorandum soll der Chief Digital and AI Officer gemeinsam mit dem CIO, dem Office of General Counsel, der Defense Information Systems Agency, U.S. Cyber Command, den militärischen Diensten und den Komponenten einen einzigen, ministeriumsweiten Genehmigungsprozess für „Authority to Operate“ (ATO) aufsetzen. Die Richtung ist eindeutig: ATO-Timelines sollen von Monaten auf Tage oder Wochen für bereits getestete und validierte Systeme sinken. Für IT- und Engineering-Teams ist das ein wichtiges Signal, weil ATO-Prozesse sonst oft wie eine separate „zweite Baustelle“ wirken: Die technische Validierung endet im Testumfeld, die Freigabe für den Betrieb dauert aber in der Regel länger. Die Direktive versucht, diese Trennung zu reduzieren.
Aus Markt- und Branchenperspektive wirkt das wie ein Beschleuniger für den gesamten C-UAS-Ökosystem-Ansatz. Wenn Freigabe- und Genehmigungswege kalkulierbarer werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Anbieter ihre Integrations- und Compliance-Lasten schneller an reale Deployment-Fenster koppeln können. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus auf „Software- und Systemdesign für Freigaben“: Wer Sensoren, Effektor-Logik und IT-Integrationsschritte so plant, dass sie in ein einheitliches ATO- und Spektrum-Framework passen, kann von kürzeren Durchlaufzeiten profitieren. Dass das Memorandum Künstliche Intelligenz nicht losgelöst, sondern im Kontext digitaler Steuerung und Freigabeprozesse verankert, unterstreicht zudem, dass KI-gestützte Automatisierung in der C-UAS-Welt nicht nur im Algorithmen-Stack stattfindet, sondern auch in der Organisations- und Workflow-Ebene.
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