LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen soll einen Korrosionsdefekt an einer Befestigungsschraube des Lenkgetriebes seit Oktober 2024 untersuchen. Ein Bericht an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA beschreibt, dass zunächst ein erster Fall bekannt wurde und der Konzern den Defekt später als potenziell sicherheitsrelevant einstufte. Im September 2026 mündete das in einen Rückruf, der konzernweit 4,64 Millionen Fahrzeuge der Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat betreffen kann. Halter müssen vor allem prüfen, ob ihr Fahrzeug anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer in der Rückrufaktion erfasst ist.

Volkswagen prüft Korrosion an Lenkgetriebe-Schraube: Millionen Rückruf ab September 2026
Volkswagen prüft Korrosion an Lenkgetriebe-Schraube: Millionen Rückruf ab September 2026 (Foto: IT BOLTWISE)
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Seit Oktober 2024 dürfte Volkswagen einen einzelnen Hinweis auf ein konkretes Bauteilproblem verfolgt haben: In einem Bericht an die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA heißt es, dass damals erstmals eine korrodierte Befestigungsschraube am Lenkgetriebe bekannt wurde. Entscheidend ist dabei nicht nur der Zeitpunkt der ersten Meldung, sondern die zeitliche Kette bis zur Einstufung als sicherheitsrelevant. Denn laut Darstellung stufte der Konzern den Defekt im September 2026 als potenziell sicherheitsrelevant ein und leitete daraufhin einen Rückruf ein.

Technisch geht es um eine Schraubenverbindung im Umfeld der Lenkung, bei der Korrosion die Festigkeit beeinträchtigen kann. Wird eine Schraube nicht mehr ausreichend tragfähig, kann ein Schraubenversagen die Lenkung beeinflussen und damit ein Sicherheitsrisiko darstellen. Als Abhilfe ist der Austausch gegen eine korrosionsresistentere Schraube vorgesehen. Für einen Hersteller ist das ein klarer Reparaturansatz, aber die praktische Umsetzung hängt unmittelbar daran, in welchen Fahrzeugen die betreffende Variante verbaut ist und wie zuverlässig Werkstätten die betroffenen Einheiten im System identifizieren können.

Die Dimension des Rückrufs wird im Bericht mit konzernweit 4,64 Millionen Fahrzeugen beziffert, verteilt auf die Marken Volkswagen, Audi, Skoda und Seat. Damit wird aus dem anfangs gemeldeten Einzelereignis ein flächiger Vorgang über mehrere Modellreihen und Fertigungsstände. Der Konzern nennt zugleich, dass zunächst nur wenige Schadensfälle aufgetreten seien und bis heute kein Personenschaden bekannt sei. Für Halter ist die Lage daher zweigeteilt: Sie bekommen zwar eine potenziell sicherheitskritische Komponente adressiert, gleichzeitig bleibt die Wahrscheinlichkeit für einen konkreten Schaden nach Unternehmensangaben begrenzt.

Organisatorisch kommt eine weitere Hürde hinzu: Ob ein konkretes Fahrzeug betroffen ist, entscheidet sich über die Fahrzeugidentifikationsnummer (VIN) in der Rückrufaktion. Der Rückruf selbst soll über Vertragswerkstätten organisiert und für die Halter kostenfrei durchgeführt werden. In der Praxis heißt das auch: Werkstätten benötigen zeitnah belastbare Ersatzteilinformationen und eine funktionierende Zuordnung im Teilenummern- und Auftragsworkflow. Bei so vielen betroffenen Fahrzeugen wird zusätzlich relevant, wie schnell betriebsbereite Rückrufkapazität aufgebaut werden kann, insbesondere wenn parallel andere Wartungsbedarfe in den Terminkalendern der Kunden fallen.

Auch aus Sicht von Qualitäts- und Sicherheitsprozessen erhöht die Abfolge den Erklärungsdruck. Ein erster Fall im Oktober 2024, die sicherheitsbezogene Einstufung im September 2026 und die daraus abgeleitete Rückrufentscheidung zeigen, dass Hersteller intern über Schwellenwerte nachsteuern müssen: Wann reicht die Evidenz aus, um ein Sicherheitsrisiko als potenziell relevant zu bewerten? Bei einer Lenkungsverbindung ist die Sicherheitsbedeutung besonders hoch, weil ein Versagen die Kontrolle über das Fahrzeug beeinträchtigen kann. Für Unternehmen bedeutet das: Der regulatorische Rahmen verlangt eine nachvollziehbare Bewertung von Umfang und Abhilfemaßnahmen, sobald ein mögliches Risiko erkannt ist.

Für die Branche ist die Meldung zugleich ein Reminder für die Wechselwirkung aus Materialalterung, Detektionskette und Rückruf-Logistik. Korrosion ist kein exotisches Phänomen, aber sie wird in der Fahrzeugentwicklung häufig nicht nur als Designfrage behandelt, sondern auch als Frage der Messbarkeit: Wie schnell taucht ein Korrosionsbild in realen Umfelddaten auf, und wie eindeutig lässt es sich einem konkreten Schraubentyp oder einer Prozessvariante zuordnen? Der Austausch hin zu einer korrosionsresistenten Schraube ist dabei ein klassischer Engineering-Schritt, während die eigentliche Herausforderung nach der Entscheidung in der Skalierung liegt – von der VIN-Identifikation bis zur termingerechten Versorgung der Werkstätten.


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