LONDON (IT BOLTWISE) – Peter Brandt stellt XRP als „Fool Coin“ infrage, weil Netzwerkaktivität nicht automatisch im Token-Preis ankommt. ChatGPT widerspricht nicht dem Grundprinzip, legt aber eine konkrete Einordnung über Nutzen, Umlauf und einen möglichen Werthebel vor. Dabei stehen zwei sehr unterschiedliche Szenarien bis Ende 2027 im Raum, die den Kern der Debatte zwischen Zahlungsdurchsatz und echter Nachfrage nach XRP zuspitzen.

Peter Brandts provokante These dreht sich um ein einfaches Timing-Problem: Selbst wenn XRP in Zahlungsszenarien ständig bewegt wird, folgt daraus nicht zwangsläufig, dass sich der Token-Preis parallel erhöht. Der Veteran-Trader argumentiert, dass XRP als Brückenasset für Transaktionen fungiert, aber im Ergebnis wenig Token langfristig „bei denjenigen landet, die den Wert tragen“. Genau an dieser Stelle setzt die Gegenposition an: In einer Bewertung über die Frage „Hat XRP noch eine Zukunft?“ trennt ChatGPT die reine Aktivität auf dem Ledger von der ökonomischen Wirkung auf Nachfrage und Angebot. Interessant ist dabei auch die Ausgangslage am Markt: XRP wird zum 3. Oktober 2026 mit rund 1,48 US-Dollar gehandelt, etwa 50% unter dem Vorjahresniveau. Für Anleger wird die Debatte damit mehr als Philosophie, weil sie konkret beantwortet, ob sich die durch ein Netzwerk geschaffene Funktion in einem marktfähigen Asset übersetzen lässt.
Technisch betrachtet liegt die Kernidee in der Zahlungslogik: Wenn eine Bank XRP als Zwischenstufe nutzt, kauft sie den Token, überbrückt damit grenzüberschreitende Transfers und der Empfänger konvertiert anschließend wieder in die lokale Währung. Das schafft zwar Durchsatz auf der Netzwerkebene, aber eben keine dauerhafte Verankerung großer XRP-Mengen bei den Beteiligten. ChatGPT macht diese Asymmetrie explizit: „Viel Volumen“ bedeutet nicht automatisch „viel Halten“. Daneben verweist die Analyse auf ein weiteres Trennproblem zwischen Unternehmenserlösen und Token-Preis: Ripple kann Einnahmen aus Zahlungssoftware und dem RLUSD-Stablecoin generieren, ohne dass diese Einnahmen zwingend proportional den XRP-Marktwert treiben müssen. Für die Bewertung heißt das: Bankadoption ist ein Anfang, aber für eine Preiswirkung ist entscheidend, ob der Token als Wertträger, Sicherungs- oder Abrechnungsinstrument tatsächlich Nachfrage erzeugt und nicht nur kurzfristig rotiert.
Auf dieser Trennung baut ChatGPT auch seine Wertlogik auf. Der Ansatz kommt auf einen „fair value“ von 1,35 US-Dollar, also rund 9% unter dem genannten Kursniveau. Auffällig ist weniger die Zahl an sich als die Begründungsarchitektur: ChatGPT teilt die aktuelle Marktbewertung gedanklich in zwei Anteile auf – etwa 25% würden bereits aus sichtbaren Ledger-Aktivitäten stammen, die restlichen 75% aus erwarteter zukünftiger Adoption. Dabei betont die Darstellung selbst, dass es sich nicht um harte Messgrößen handelt, sondern um eine Einordnung. Für die Plausibilisierung nennt ChatGPT eine Preisstütze über verschiedene Hebel: einen Anteil, der zur bisherigen Nutzung passen soll, einen weiteren, der auf der Wahrscheinlichkeit institutioneller Nutzung basiert, und schließlich einen Zukunftsanteil für zusätzliche Netzwerkwerte. Auf dieser Basis käme XRP bei 1,35 US-Dollar auf eine Marktkapitalisierung von ungefähr 85 Milliarden US-Dollar bei 63,1 Milliarden Tokens – während heute grob 94 Milliarden US-Dollar genannt werden.
Die Debatte wird besonders konkret, wenn ChatGPT die Zahlungslandschaft über die Frage „Wer baut was und wo?“ in zwei End-2027-Szenarien übersetzt. Im ersten Szenario dominiert eine Swift-gestützte Ledger-Initiative: 17 Banken würden tokenisierte Einlagen vorbereiten, also reale Bankeinlagen in digitale Token überführen. Die Logik: Wenn Deposits und Abwicklung in solchen Strukturen wachsen, kann der Zahlungsverkehr zunehmen, ohne dass XRP zwingend im selben Maße profitieren muss. Im zweiten Szenario „gewinnt Ripple“: Dort steigt XRP deutlich stärker, weil das Netzwerk als führende Abrechnungs- und Wertkomponente anzieht. ChatGPT nennt für beide Fälle End-2027-Werte von 1,80 US-Dollar (im Swift-dominierten Pfad) beziehungsweise 4,25 US-Dollar (im Ripple-fokussierten Pfad) und leitet daraus deutlich unterschiedliche implizite Marktkapitalisierungen ab. Gleichzeitig bleibt die Einordnung vorsichtig: Die Szenarien werden als Möglichkeiten, nicht als Vorhersagen, präsentiert und die Wahrscheinlichkeit einer Top-10-Position bis Anfang 2030 wird eher ambitioniert, aber nicht als sicher bewertet.
Damit rückt die technische und wirtschaftliche Frage in den Mittelpunkt, die Brandt schon mit Blick auf den Vergleich zu Bitcoin zuspitzt: Wie viel Wert bleibt beim Tokenhalter hängen, und wie stark wirkt echte Nachfrage im Marktpreis? Ein Blick auf die historische Kursentwicklung liefert dafür zumindest eine verständliche Kulisse – ohne sie als Beweis zu missverstehen. XRP erreichte laut den genannten Daten im Juli 2025 etwa 3,65 US-Dollar und handelt inzwischen rund 60% darunter. Im September schwankte der Kurs zwischen etwa 1,25 und 1,66 US-Dollar, was den Eindruck vermittelt, dass Unterstützer zwar vorhanden sind, die Preisbildung aber weiterhin nicht konsistent „nach oben durchzieht“. Für skeptische Anleger ist genau das die Bestätigung der Grundthese: Wenn steigende Netzwerkaktivität nicht zu spürbarem Wertzuwachs führt, bleibt der Token eher ein Transportmittel als ein Investment-Asset. Gleichzeitig gilt aber auch die Gegenrichtung: Wenn Adoption in Richtung der oben beschriebenen Bank-/Ledger-Modelle tatsächlich zunimmt, könnte sich der Preis später an der Kette „Nutzung → Nachfrage → Haltequoten“ ausrichten.
Entscheidend für die praktische Einordnung ist daher, welche Kennzahl die nächste Phase eher signalisiert als reine Transaktionszahlen. ChatGPT nennt als einen wichtigen Anker die gehaltenen XRP-Bestände durch Fonds: Etwa 1,18 Milliarden XRP werden dort als Größe genannt, bewertet mit rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Ergänzend tauchen Stablecoin-Bestände auf dem Ledger auf (zwischen 2,4 und 2,5 Milliarden US-Dollar), während zusätzlich erläutert wird, dass das aktuelle Preisniveau eine Mischung aus bereits sichtbarer Nutzung und Erwartungswerten darstellt. Genau hier lässt sich die Brandt-gegen-ChatGPT-Debatte operationalisieren: Wenn sich bis 2027 die Anzahl bzw. Größe solcher „Holdings“ ausbaut und XRP wieder an frühere Kursmarken anschließt – genannt wird dabei beispielsweise ein Rücksprung über das Januar-2026-Schlussniveau von 1,65 US-Dollar – würde das eher für eine Wertübertragung in den Token sprechen. Bleibt hingegen der Expansionseffekt vor allem auf Bank-Ledger-Ebene beschränkt, während diese Haltequoten stagnieren, würde das Brandts Unterscheidung zwischen Netzwerkwachstum und Token-Preiswirkung wahrscheinlicher machen.
Für die Industrie ist die technische und marktnahe Konsequenz jedenfalls klar: Zahlungs-Netzwerke brauchen nicht nur Geschwindigkeit und Interoperabilität, sondern auch ein klares Modell, wie Token-Liquidität und ökonomische Anreize zusammenhängen. Initiativen rund um tokenisierte Deposits und Ledger-Integrationen zeigen, dass sich Abwicklung zunehmend softwareartig und „asset-nah“ organisieren lässt. Ob XRP dabei zur zentralen Wertkomponente wird oder eher als Durchlaufposten fungiert, entscheidet sich dann weniger in Schlagzeilen über „mehr Banken“ als in den Mechanismen, die letztlich Halten belohnen. Insofern liefert der aktuelle Streit um XRP weniger ein einzelnes Kursziel als ein Set an Fragen, die sich Unternehmen, Entwickler und Investoren gleichermaßen stellen müssen: Wer hält den Token, wann entsteht Nachfrage, und welche Rolle spielt der Token im Wertfluss über die reine Transaktionshistorie hinaus?
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