LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue arXiv-Arbeit senkt die geschätzten Rechenressourcen für einen zentralen Schritt einer späteren Shor-basierten Attacke auf Bitcoin und Ethereum deutlich. Für eine einzelne Punktaddition im secp256k1-Schaltkreis nennt das Paper 1.151 logische Qubits und rund 1,3 Millionen Toffoli-Gates. Gleichzeitig bleibt es bei einer reinen Ressourcenabschätzung: Es existiert kein Quantencomputer, der diese Größenordnung praktisch erreicht. Für Wallet-Betreiber und Custodians rückt damit vor allem die bereits heute umsetzbare Frage in den Vordergrund, wie stark öffentliche Schlüssel durch Adresswiederverwendung offengelegt sind.

Quantenangriff auf Bitcoin günstiger: Neuer Ressourcenwert sinkt auf 1.151 logische Qubits
Quantenangriff auf Bitcoin günstiger: Neuer Ressourcenwert sinkt auf 1.151 logische Qubits (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Schlagzeile klingt nach Entwarnung, ist aber technisch eher eine präzise Vermessung als ein Durchbruch: Eine neue Veröffentlichung zu quantenbasierten Angriffskosten auf die elliptische Kurvenkryptografie von Bitcoin und Ethereum reduziert den Aufwand für einen zentralen Teil der hypothetischen Shor-Strategie auf ein niedrigeres Niveau. Entscheidend ist dabei nicht die mediale Logik „halb so teuer“, sondern welche Ressource für welchen Schritt sinkt. Das Paper betrachtet nicht einen vollständigen Angriff von der Krypto-„Vorausberechnung“ bis zum Ausleiten von Geldern, sondern bündelt die Analyse auf die elliptic-curve point addition auf der secp256k1-Kurve – eine Operation, die im Schaltkreis wiederholt vorkommt und deshalb überproportional in den Hardware- und Fehlerkorrekturkosten zu Buche schlägt.

Im Kern lautet die Kenngröße: Für einen einzelnen arithmetischen Schritt innerhalb von Shor braucht der rekonstruierte Schaltkreis 1.151 logische Qubits und ungefähr 1,3 Millionen Toffoli-Gates. „Logische Qubits“ sind dabei nicht einfach „mehr Qubits“, sondern bereits der bereits auf Fehlerkorrektur getrimmte, stabile Rechenschritt: Viele physische, rauschanfällige Quantenbausteine müssen zu einem logischen Verbund zusammenarbeiten, damit die Rechnung zuverlässig wird. Toffoli-Gates wiederum sind ein reversibler Drei-Eingangs-Logikbaustein, der in dieser Art von Schaltungen als Maß für Rechenaufwand und damit Laufzeit- und Volumenbedarf dient. Wenn man diese beiden Zahlen zu einem kombinierten Ressourcenwert zusammenführt, landet die Arbeit grob bei etwa 1,5 Milliarden – mehr als 50% unter einem zuvor öffentlich beschriebenen Benchmark, allerdings mit dem Hinweis, dass die Buchhaltungs- und Vergleichsmethoden nicht vollständig identisch sind.

Damit verschiebt sich auch der Blickwinkel auf die Frage, warum solche „Ressourcenschätzungen“ für den Markt relevant sind, obwohl noch kein funktionsfähiger Quantenangriff vor der Tür steht. Denn die Lücke zwischen „theoretisch machbar“ und „praktisch aus einem realen Quantencomputer heraus ausführbar“ entsteht vor allem aus dem Skalierungsproblem: Die neu genannten 1.151 stabilen logischen Qubits adressieren nur einen Teilschritt – der restliche Shor-Pipeline-Overhead würde weitere logische Qubits und eine lange, fehlerkorrigierte Laufzeit erfordern. Gleichzeitig zeigt die Historie der letzten Jahre ein wiederkehrendes Muster: Mit jeder neuen Schaltungsstudie gelingt es, bestehende Arithmetik-Blockbausteine intelligenter anzuordnen, wodurch sowohl benötigte logische Qubits als auch Gate-Zahlen schrumpfen können, ohne dass sich die grundlegende algorithmische Herausforderung aufhebt. Die Arbeit ordnet sich damit in eine Entwicklung ein, in der die veröffentlichten Zahlen überwiegend nach unten tendieren – aber eben noch nicht in den Bereich, den heutige Quantenmaschinen erreichen.

Interessant ist an der Veröffentlichung zudem die eingesetzte Optimierungsmethodik. Laut Berichten im Umfeld der Darstellung wurde die Schaltungssuche und -optimierung mit einer Kombination aus menschlichen Forschern und KI-gestützten Agenten gefahren; dabei wird ein besonders großer interner Verbesserungshebel genannt, der die Ressourcenzahl gegenüber einem Ausgangsstand deutlich reduziert hat. Aus technischer Sicht ist das plausibel, weil die Optimierung quantenlogischer Schaltkreise ein sehr großes Suchproblem ist: Schon kleine Varianten in der Gate-Anordnung können zu anderen Fehler- und Korrekturkosten führen. Wenn solche Agenten künftig systematisch auch andere Stufen der Shor-Chain optimieren, könnte sich die Pace für zukünftige Ressourcenpapiere beschleunigen – unabhängig davon, ob die Ergebnisse auf „Defenseseite“ als Frühwarnsignal dienen oder auf „Offenseseite“ als Engineering-Treibstoff.

Für die Praxis rückt damit ein Thema wieder stärker in den Vordergrund, das nicht auf Quantenhardware wartet: die Menge an Coins, deren Adressen bereits verwundbar genug „geöffnet“ sind. Bei Bitcoin konzentriert sich das Risiko auf Adressen, die ihren öffentlichen Schlüssel bereits auf der Blockchain preisgegeben haben – etwa durch alte Pay-to-Public-Key-Ausgaben oder durch Adresswiederverwendung, bei der das Ausgeben einer Adresse ihren Schlüssel für verbleibende Salden erneut offenkundig macht. Aus mehreren Analysen ergibt sich eine Größenordnung, nach der grob ein Viertel bis ein Drittel des zirkulierenden Bitcoin in einer Form steckt, die ein ausreichend leistungsfähiges Quantenmodell theoretisch adressieren könnte; die konkreten Schätzungen unterscheiden sich dabei vor allem durch Definitionen und Snapshot-Zeitpunkte. Zwei Angriffsszenarien sind in dieser Debatte besonders wichtig: ein „at-rest“-Angriff, der geduldig nach freigelegten Schlüsseln sucht, und ein „on-spend“-Angriff, der den Wettbewerb um eine kurze Bestätigungszeit in Minuten braucht und daher an andere, deutlich härtere Engineeringbedingungen gebunden ist.

Für Bitcoin und Ethereum ergibt sich daraus eine klarere Aufgabenverteilung zwischen Protokollentwicklung und Nutzerhygiene. Auf Bitcoin-Seite wird seit längerem an einer Migration hin zu Ausgabenformaten gearbeitet, die die quantenverwundbare Schlüsselpfad-Variante aus Taproot-basierten Transaktionen reduzieren sollen; dabei bleibt der knifflige Teil weniger kryptografisch als organisatorisch: In einem dezentralen System ist eine schnelle „Ein-Schalter-Umstellung“ nicht realistisch, und entscheidende Änderungen benötigen Konsens sowie Zeit für Wallet- und Custodian-Updates. Auf Nutzerseite ist die Empfehlung hingegen bereits heute handhabbar: Wiederverwendung von Adressen senkt das Risiko direkt, weil sie die Möglichkeit erhöht, dass ein öffentlicher Schlüssel für den verbleibenden Kontostand wiederholt sichtbar wird. Für Custodians und Exchanges wird das zu einer Infrastrukturfrage, weil konsolidierte Bestände hinter vergleichsweise wenigen Schlüsseln liegen und sich dadurch die „Angriffsoberfläche“ stärker bündeln kann. Insgesamt erklärt das auch die gedämpfte Marktreaktion auf solche Ressourcenpapiere: Sie liefern Planungsinput, aber keine unmittelbare Einsatzfähigkeit – genau dort, wo die Zeitdimension „Jahre statt Monate“ in der Praxis zählt.


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