MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Florian Schörghuber beschreibt, wie das Oktoberfest trotz kleiner Umsatzanteile massiv auf die Markenwahrnehmung wirkt. Für Paulaner sei die Wiesn dieses Jahr ein Erfolg gewesen: 6,7 Millionen Maß wurden verkauft. Parallel wächst das Familienunternehmen vor allem mit dem Cola-Mischgetränk Spezi. Größere Sorgen macht ihm dagegen die Sanierung des Arabellahauses, weil steigende Zinsen und Baukosten das Projekt deutlich teurer machen könnten.

Am Münchener Oktoberfest zeigt sich für die Paulaner-Brauerei vor allem, wie stark sich Emotionen in Branding übersetzen lassen. Florian Schörghuber, Eigentümer der Paulaner-Brauerei und Chef der Münchener Schörghuber Gruppe, betont, dass die Wiesn zwar weniger als 0,5 Prozent des Umsatzes ausmacht, aber 50 Prozent der Marke Paulaner trägt. Das ist eine bemerkenswerte Kennzahl, weil sie ein klassisches Dosen- und Getränkegeschäft mit einem temporären Event verknüpft: Während Bierproduktion und Vertrieb auf Planbarkeit angewiesen sind, wird die Bekanntheit über wenige Wochen hochgerechnet und wirkt dann in Werbemotiven, Regallogiken und verkaufsstarken Saisonphasen nach.
Für die kurzfristige Wirkung liefert die Saison 2026 (laut Festleitung) konkrete Daten: Bei sonnig-warmem Wetter wurden 6,7 Millionen Maß verkauft. In der Praxis heißt das, dass Paulaner auf der lokalen Bühne nicht nur präsent ist, sondern sich als Teil des kulturellen Gedächtnisses positioniert. Schörghuber ordnet die Marke dabei auch im Wettbewerb ein: Paulaner sei im Dosenmarkt die Nummer zwei hinter Coca-Cola. Diese Kombination aus Event-Marketing und Distributionsrealität ist für viele Konsumgüterunternehmen zentral, weil sie die Frage beantwortet, wie sich Aufmerksamkeit in wiederkehrenden Absatz umwandeln lässt.
Wirtschaftlich wächst das Unternehmen laut Schörghuber derzeit vor allem über das Cola-Mischgetränk Spezi. Genau hier verschiebt sich die Diskussion weg vom Image hin zur Produktarchitektur: Ein Mischgetränk funktioniert anders als reines Bier, weil es Geschmack, Zielgruppen und Portfoliologik neu ausbalanciert. Der Familienverbund ist außerdem „weitverzweigt“, was in der Governance-Führung meist bedeutet, dass strategische Entscheidungen nicht nur im Vertrieb oder im Marketing getroffen werden, sondern auch bei Kapitalbindung und Risikoexponierung. Schörghuber beschreibt diese Perspektive dann über ein konkretes Projekt: die Sanierung des Arabellahauses in München.
Das Arabellahaus wird im Gespräch als das größte Risiko bezeichnet, und damit wird klar, warum sich in Konsumgütermärkten das Controlling nicht auf Produktkennzahlen beschränkt. Bei einer Sanierung treffen steigende Zinsen und Baukosten zwei Kostentreiber, die sich häufig gegenseitig verstärken: Finanzierung wird teurer, während sich Baupreise parallel nach oben bewegen können. Der Betriebswirt spricht in diesem Zusammenhang davon, dass das Projekt zu einem „milliardenschweren Unterfangen“ werden könnte, und verweist auf einen Zustand maximaler Konzentration. In der Umsetzung bedeutet das typischerweise, dass Zeitpläne, Ausschreibungen, CAPEX-Phasen und Risikopuffer enger gemanagt werden müssen als in Projekten mit stabileren Marktbedingungen.
Neben dem Projektfokus taucht im Interview auch El Niño als Einflussfaktor auf. Der Grundgedanke dahinter ist für die Getränkewirtschaft nicht abstrakt: Wetter- und Klimaphänomene können Lieferketten, Produktionsbedingungen und Logistik indirekt beeinflussen, auch wenn der Zusammenhang je nach Region unterschiedlich ausfällt. Schörghuber macht deutlich, dass gerade solche äußeren Variablen zusätzliche Unsicherheit in die Planung tragen. Für Entscheider ist das ein Signal, Risiken nicht nur auf die eigene Wertschöpfungskette zu beschränken, sondern auch auf Wetter- und Klimadynamiken in der Gesamtbetrachtung zu achten.
Damit verbindet sich im Ergebnis eine ziemlich klare Unternehmenslogik: Die Wiesn liefert nach Schörghuber messbare Markenwirkung, Spezi sorgt für Wachstum im Tagesgeschäft, und das Arabellahaus-Projekt testet die finanzielle und operative Widerstandsfähigkeit. Für den Markt heißt das auch: Konsumgüterunternehmen konkurrieren nicht nur über Geschmack und Distribution, sondern über die Fähigkeit, sehr unterschiedliche Hebel zu steuern – von Event-Zyklen bis zu mehrjährigen Immobilien- und Bauprozessen. Wenn sich Kapitalmarktlage und Baukosten weiter volatil entwickeln, werden Projekte wie die Sanierung solcher Assets zunehmend zu einem Gradmesser, wie professionell Risikoquoten, Szenarien und Gegenmaßnahmen im Familienkonzern abgestimmt sind.
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