LONDON (IT BOLTWISE) – Öl-Exporte aus dem Persischen Golf nähern sich wieder den Werten vor dem Krieg, unter Schutz durch die US-Marine. Laut JPMorgan und weiteren Marktbeobachtern verlassen inzwischen deutlich mehr Mengen den Raum ohne den Transit durch die Straße von Hormus. Gleichzeitig steigen die Risiken für Verlader und Versicherer, weil Angriffe auf Handelsschiffe zuletzt nicht verschwunden sind. Vor diesem Hintergrund warnt ein Analyst, Iran könne den „scorched earth“-Weg einschlagen, falls die Spannung weiter anhält.

Ölflüsse am Persischen Golf steigen, doch Iran könnte mit Vergeltung die Lage erneut anheizen
Ölflüsse am Persischen Golf steigen, doch Iran könnte mit Vergeltung die Lage erneut anheizen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Sorge um die Straße von Hormus weicht derzeit nicht einer Entwarnung, sondern einer Verschiebung: Während die Ölflüsse im Persischen Golf laut mehreren Auswertungen wieder nahe an das Niveau vor dem Konflikt heranreichen, verändert sich das System dahinter so stark, dass neue Verwundbarkeiten entstehen. JPMorgan bezifferte die Exporte an diesem „Wiederannäherungspunkt“ auf etwa 17,5 Millionen Barrel pro Tag – rund 98% der Werte vor dem Krieg. Goldman Sachs ging sogar von ungefähr 19 Millionen Barrel pro Tag aus, und auch Kpler meldete eine Erholung der Rohöl-Exporte, wenn auch mit einer detaillierteren Spanne (September: mindestens 16,5 Millionen Barrel pro Tag). Für Unternehmen und Transportketten ist damit weniger die reine Menge entscheidend, sondern die Frage, ob der Weg dorthin stabil ist oder ob Umleitungen, Tanker-Transfers und Offshore-Routings die operative Komplexität dauerhaft erhöhen.

Technisch betrachtet entsteht der Hebel weniger durch die unmittelbare Blockade selbst als durch das Zusammenspiel aus Logistik und Infrastruktur. Der entscheidende Punkt aus der Marktbeobachtung lautet: Ein wachsender Anteil verlässt das Gebiet, ohne den Engpass bei Hormuz passieren zu müssen. Kpler sprach davon, dass etwa 40% des Rohöls den Weg „ohne Kreuzung von Hormuz“ nimmt – verglichen mit 17% vor dem Krieg. Der Hintergrund liegt in erweiterten Pipeline-Routen, vor allem durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate; zudem habe sich das Verhalten der verbleibenden Transitmenge geändert. Von dem Rohöl, das im August Hormuz tatsächlich durchquerte, seien laut Kpler mehr als 70% über Offshore-Umfuhren umgeladen worden. Diese Art von Umschlag kann kurzfristig funktionieren, erhöht aber typischerweise die Zahl der beteiligten Akteure, die Aufenthaltszeit einzelner Tanker und die Abhängigkeit von verlässlicher Sicherheitslage in weiteren Seezonen.

Parallel dazu bleibt das Risikoprofil für Handel und Finanzierung hoch, auch wenn die US-Marine die Durchfahrt nach den Angaben im Quelltext weiterhin weitgehend absichert. Zwar bleibt die Blockadewirkung auf iranische Ausfuhren faktisch bestehen; zugleich wurden in den letzten Tagen laut Beschreibung wieder häufiger Angriffe auf kommerzielle Schiffe beobachtet. Den Angaben zufolge konnten Drohnen und Raketen ihre Ziele in Einzelfällen erreichen, auch wenn die US-Seite die Fähigkeit Irans zur Zielerfassung und -wirkung insgesamt degradieren konnte. Für den Markt bedeutet das: Die Angriffe haben nicht verhindert, dass Tanker den Transit wagen, aber sie halten die Versand- und insbesondere die Versicherungsprämien hoch. Genau darin liegt der Unterschied zwischen „Volumen kehrt zurück“ und „Markt normalisiert sich“: Ohne spürbare Stabilisierung der Risikokalkulation bleibt ein Teil der Kosten dauerhaft eingebaut, selbst wenn Rohölmengen wieder fließen.

Vor diesem Hintergrund verschiebt sich die politische Dynamik von der reinen Seesicherheit hin zur Drohkulisse über kritische Energie-Infrastruktur. Esfandyar Batmanghelidj, Gründer und CEO der Bourse & Bazaar Foundation, argumentierte laut Text, dass Irans Einfluss auf den Energiesektor der Region nicht auf Hormuz beschränkt sei. Er verwies darauf, dass Iran weiterhin Öl-Infrastruktur zerstören könne – etwa Bohr- und Raffineriekapazitäten – und dass eine Eskalation wahrscheinlicher werde, wenn der politische Druck nicht ausreichend „schmerzhaft“ wahrgenommen werde. Batmanghelidj schrieb: „Iran did not wage a scorched earth campaign – but it may yet do so if the current situation persists for too long. That is what everyone who actually follows this region and its dynamics is worried about.“ Zudem betonte er in dem Beitrag, dass Angriffe auf US-Basen sowie auf Ziele in Golfstädten und auf Infrastruktur die Bewertung verzerren könnten, weil sie eine Schwäche beim Eindämmen der Bedrohung offenbarten. Auch wenn diese Aussagen aus der Perspektive eines Think-Tank-Leiters stammen, liefern sie eine klare technische Botschaft: Sicherheit für die Tanker ist nicht gleichbedeutend mit Sicherheit für Förderketten und Verarbeitungsanlagen.

Der Versuch, über Diplomatie zu deeskalieren, steht zugleich offenbar gegen eine härtere strategische Grundlinie. Trump habe demnach eine Wiederaufnahme von Gesprächen samt einem sieben-Tage-Kompromiss abgelehnt, der laut Text die volle Öffnung der Straße gegen das Aufheben der US-Blockade und das Freigeben eingefrorener Vermögenswerte vorsah. Stattdessen erwartet der Text, dass die militärische Eskalationsoption nach den US-Midterm-Wahlen wieder stärker in den Vordergrund rückt; konkrete Details werden dabei auf Berichte verwiesen, ohne dass im Artikel selbst weitere Primärquellen genannt würden. Gleichzeitig werden nach derselben Beschreibung weitere US-Kräfte im Mittelmeerraum und im Nahen Osten positioniert, darunter ein Flugzeugträgerverbund sowie eine amphibische Einsatzgruppe. Für die Praxis heißt das: Selbst wenn kurzfristig Öl fließt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Sicherheitslage in Intervallen neu bewertet werden muss – und genau diese Unsicherheit schlägt sich in Risikoaufschlägen, Coverage-Entscheidungen und damit in den Gesamtkosten entlang der Wertschöpfungskette nieder.

Unterdessen verschärft sich der wirtschaftliche Druck in Richtung einer „Systementscheidung“ zwischen Zahlungsfähigkeit und Eskalationsfähigkeit. Laut Quelle hat die US-Seite die Sanktionen zuletzt weiter verschärft, wodurch es für Teheran schwerer wird, Geld über Frontunternehmen und andere Schattenintermediäre zu bewegen. Parallel dazu sei die Währung gefallen; zudem habe Präsident Masoud Pezeshkian beklagt, dass dem Regime Geld in China blockiert werde und man eigene Gelder nicht aus einem Land zurückführen könne, in das man zuvor Waren geliefert habe. Das passt in das Bild, dass die Verhandlungsposition nicht nur von militärischer Kontrolle abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, Einnahmen zu realisieren und Zahlungen in reale Logistik- und Lieferketten zu überführen. Für Entscheider in Energieunternehmen und für Logistikdienstleister heißt das: Die „Rückkehr zu Prewar“ ist nur eine Kennzahl unter mehreren – die tragende Frage bleibt, ob sich das Sicherheits- und Kostenregime so stabilisiert, dass Märkte ohne dauerhafte Risikoaufschläge planen können. In diesem Spannungsfeld wirkt der Hinweis von Batmanghelidj wie eine technische Warnung an die Marktmechanik: Wenn die derzeitige Lage zu lange anhält, kann aus der Eindämmung wieder ein Systemwechsel werden, der auch Infrastruktur und Folgekaskaden trifft.


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