LONDON (IT BOLTWISE) – Bernstein und Michaël van de Poppe halten weitere Bitcoin-Höchststände in kurzer Zeit für möglich, nennen aber unterschiedliche Zeitpläne. Bernstein sieht das Potenzial, dass der Kurs bis zum 31. Dezember 2026 auf 125.000 US-Dollar steigt. Dafür müsste Bitcoin in den verbleibenden Monaten rund 45% zulegen. Van de Poppe rechnet mit einem möglichen neuen Allzeithoch im Januar 2027, nachdem es zuvor zu einer Korrektur von etwa 20% bis 40% kommen könnte.

Die Kursprognosen für Bitcoin zum Jahresende wirken auf den ersten Blick wie ein vertrautes Muster: Angenommene Angebotsverknappung trifft auf die Erwartung, dass Kapital in begrenzte Vermögenswerte fließt. Genau diese Logik steckt in der optimistischen Ansage, die Bernstein für den 31. Dezember 2026 nennt – 125.000 US-Dollar als Zielkurs. Um diese Marke zu erreichen, müsste der Bitcoin-Preis von zuletzt rund 86.093 US-Dollar (Stand: 5. Oktober) innerhalb des vierten Quartals noch einmal deutlich zulegen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Einordnung des aktuellen Niveaus, warum die Rechnung zwar plausibel klingt, aber an Zeitdruck gekoppelt bleibt: Gegenüber dem Vorjahr liegt der Kurs laut Quelle um 30% tiefer, und auch zum Rekord von 126.080 US-Dollar aus Oktober 2025 fehlt weiterhin rund ein Drittel des Abstands.
Bernstein koppelt das Ziel von 125.000 US-Dollar an den sogenannten Vierjahreszyklus und beschreibt damit vor allem die historische zeitliche Nähe von Bitcoin-Höchstständen zu Ereignissen rund um die Halbierung (Halving). Der Mechanismus dahinter ist technisch und ökonomisch: Bei der Halbierung reduziert sich die Menge neuer Coins, die Miner für die Bestätigung von Transaktionen erhalten. Historisch – und so wird es in der vorliegenden Argumentation genutzt – liegen die Preisspitzen oft etwa ein Jahr oder länger nach dem Halving. Bernstein interpretiert den Rückgang seit Oktober 2025 folglich als temporäre Phase innerhalb des laufenden Zyklus und erwartet für 2027 eine Spitze. Ergänzend fließen zwei weitere Annahmen ein: erstens, dass die Minerkosten (unter anderem Strom und Hardware) in Relation zum Marktpreis stehen und so signalisieren, ob der Kurs eher unter- oder überbewertet wirkt; zweitens, dass die Entwertung von Währungen durch steigendes Geldangebot Anleger verstärkt in Assets mit begrenzter Menge treibt – inklusive der Mechanik über Spot-Bitcoin-ETFs, die in der Quelle ausdrücklich erwähnt wird.
Van de Poppe verfolgt dagegen einen stärker kalendergetriebenen Pfad mit Zwischenstationen. In den Prognosen, die laut Quelle am 1. September veröffentlicht wurden, erwartet er zunächst einen Preisanstieg auf mindestens 82.700 US-Dollar, wobei auch 90.000 US-Dollar als möglich genannt werden. Danach soll Bitcoin für zwei bis vier Monate seitwärts tendieren. Diese Kombination impliziert, dass ein neues Allzeithoch typischerweise zwischen November und Januar 2027 fallen könnte – also in der gleichen Größenordnung wie Bernsteins späterer Zeithorizont, aber mit einem anderen Weg dorthin. Gleichzeitig argumentiert van de Poppe, dass nach einem vorherigen Hoch häufig eine Korrektur von 20% bis 40% folgt. Für September oder Oktober wird in der Vorlage genau diese potenzielle Abwärtsphase als Timing-Beispiel genannt: Bitcoin habe zwar am 21. September kurzzeitig 87.397 US-Dollar erreicht und damit das anfängliche Ziel übertroffen, doch das Zeitfenster für die folgenden Bewegungen bleibt laut Darstellung offen.
Entscheidend wird deshalb weniger die Richtung als die Dynamik im vierten Quartal. Die Quelle macht das an zwei Rechenschritten fest, die in der Praxis ein gutes Gefühl für die Wahrscheinlichkeit vermitteln: Sollte Bitcoin um 20% von 86.093 US-Dollar fallen, läge der Kurs bei etwa 68.900 US-Dollar – und müsste danach um 83% steigen, um den Rekord von 126.080 US-Dollar zu erreichen. Ein Rückgang um 40% würde den Kurs auf ungefähr 51.700 US-Dollar drücken; daraus ergäbe sich anschließend ein erforderlicher Anstieg von 144%, um ein neues Hoch zu markieren. Diese Größenordnungen sind nicht automatisch unmöglich, aber sie erklären, warum der Kalender in beiden Prognosen so streng wirkt. Bitcoin muss dann nicht nur einen Teil der Verluste aufholen, sondern das noch innerhalb eines kurzen Zeitfensters, während gleichzeitig der Jahresverlauf (30% Rückgang im Vergleich zum Vorjahr) im Hintergrund Druck signalisiert. Genau hier konkurrieren Modelllogik und Marktmechanik: Historische Muster können als Orientierung dienen, ersetzen aber nicht die Volatilität und die Pfadabhängigkeit von Preisbewegungen.
Zur historischen Plausibilisierung greift die Quelle auf Daten zurück, die die Entwicklung in den jeweiligen vierten Quartalen seit 2013 gegenüberstellen. In sieben der letzten 13 Jahre habe Bitcoin im vierten Quartal um 45% oder mehr zugelegt; gleichzeitig gab es fünf Jahre mit Verlusten. Auffällig ist, dass in den Jahren mit positiven Vierteljahresenden die Gewinne häufig deutlich über 45% lagen – ein Punkt, der die Passung zu den genannten optimistischen Prognosen erklären soll. Gleichzeitig weist die Vorlage auch auf die statistische Verteilung hin: Der Durchschnitt für das vierte Quartal liegt bei rund 77%, aber er wird stark durch extreme Ausreißer geprägt, etwa durch das außergewöhnlich starke Jahr 2013 (+480%) und 2017 (+215%). Die Kennzahl, die in diesem Kontext als robuster gilt, ist der Median: Er liegt laut Quelle bei etwa 48% – also nur knapp über dem, was für Bernsteins Ziel gerechnet werden müsste. Umgekehrt zeigt dieser Median aber auch, dass die Anforderungen nicht „nur“ hoch, sondern relativ präzise sind: Wer 45% bis 46% in wenigen Wochen bis Monaten einplant, braucht in diesem Zeitraum tatsächlich ein Ergebnis am oberen Ende der typischen Spannbreite.
Gerade die jüngeren Jahre bringen zusätzliche Skepsis in die Timing-Frage. Die Quelle nennt für die jüngere Historie schwächere vierte Quartale: +5% im vierten Quartal 2021, -15% in 2022 und -23% in 2025. Damit sei 2025 das zweitschlechteste vierte Quartal nach 2018 gewesen. Gleichzeitig macht der Text den Kontext deutlich: 2013 sei Bitcoin als Asset noch kleiner gewesen, was schärfere Ausschläge begünstigt habe. Das ist ein wichtiger Punkt, weil sich damit die Frage nach „Vergleichbarkeit“ verschiebt. Größere Marktteilnehmer, breitere Handelsplätze und institutionelle Zuweisungen verändern häufig die Preisreaktionen. Selbst wenn der Vierjahreszyklus in der Theorie als Ordnungsrahmen funktioniert, kann die reale Umsetzung im vierten Quartal dennoch von Makrobedingungen, Liquidität und Risikoneigung abhängen.
Am Ende läuft beides – Bernstein wie van de Poppe – auf eine Art Wette gegen den Kalender hinaus. Für Bernstein wäre das Jahr 2026 nur dann erfolgreich abgeschlossen, wenn Bitcoin bis zum 31. Dezember 125.000 US-Dollar erreicht. Verfehlt Bitcoin diese Schwelle, bleibt der zweite, weniger knappe Fixpunkt zwar weiterhin relevant – 150.000 US-Dollar als Ziel für Mitte 2027 wird in der Darstellung ausdrücklich genannt. Für van de Poppe hängt die Akzeptanz seiner Zeitschiene wiederum daran, ob Bitcoin bis Ende Januar 2027 das alte Hoch von 126.080 US-Dollar übertrifft. Die strukturelle Gemeinsamkeit beider Szenarien ist daher nicht die Zielzahl allein, sondern die Pfadannahme: ein starkes viertes Quartal und eine Phase, die Verluste zumindest teilweise überwindet, bevor die Zielfenster schließen. Für Beobachter und Unternehmen, die Bitcoin als Bestandteil von Risikomanagement oder Treasury-Diskussionen betrachten, folgt daraus vor allem eine praktische Schlussfolgerung: Prognosen liefern Modelle und Anker, aber die Umsetzung entscheidet sich oft in kurzen, volatilen Intervallen – und genau dort ist die Abweichungsgefahr in den hier beschriebenen Zeitplänen besonders hoch.
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