NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Der ehemalige Ramp-Engineering-Stand baut die KI-Plattform Melius weiter aus und hat dafür eine Series-A über 20 Millionen US-Dollar eingesammelt. Insgesamt nennt das Startup 25 Millionen US-Dollar seit dem Seed-Round; die Runde führt CRV, ergänzt wird sie durch 5 Millionen US-Dollar von General Catalyst. Melius will Werbeagenturen, Marken und kreative Teams dabei unterstützen, Werbemittel und Kampagnen per natürlicher Sprache zu erzeugen. Besonders auffällig: Die Gründer haben ihre erste Produktrichtung nach rund einem halben Jahr verworfen und den Code „komplett“ neu aufgebaut.

Für Unternehmen, die KI-gestützte Content-Produktion evaluieren, ist die neue Finanzierungsrunde von Melius vor allem deshalb interessant, weil sie einen typischen Iterationsweg im Creative-Tech zeigt: vom gescheiterten Ansatz zur fokussierten Plattform. Das New Yorker Startup meldet insgesamt 25 Millionen US-Dollar an Finanzierung, darunter eine 20-Millionen-US-Dollar-Series-A, die von CRV angeführt wird, sowie einen Seed-Round in Höhe von 5 Millionen US-Dollar unter Führung von General Catalyst. Laut der eigenen Darstellung soll Melius innerhalb von zwei Monaten nach dem Ende der Stealth-Phase im Juli auf mehr als 1 Million US-Dollar „annualized revenue“ gekommen sein. Für die Praxis heißt das: Die Gründer versuchen nicht nur, ein Modell zu bauen, sondern eine wiederholbare Produktlinie für die Werbewelt zu etablieren, in der Creative Assets und Kampagnen nicht als einmaliger Dienst, sondern als fortlaufender Workflow zählen.
Technisch startet Melius mit einer klaren Verschiebung des Nutzens: Statt Werbetreibenden ein Tool zur Verwaltung und Optimierung von Werbebudgets zu geben, positionieren sich die Entwickler als Lieferant der generativen Creative-Ebene. Damit betreten sie zwar denselben Marktbereich, in dem bereits viele Anbieter um Aufmerksamkeit kämpfen, aber sie verschieben den Kern in Richtung Generierung von Anzeigenmotiven und Kampagneninhalten. Co-Gründer Joowon Kim beschreibt, dass die erste Produktidee nach mehr als sechs Monaten keine „legs“ bekommen habe. In der Konsequenz haben die Teams nicht nur Features verworfen, sondern nach eigener Aussage den gesamten Code neu aufgesetzt: „We scrapped the entire codebase; we burned all of it“ – ein Satz, der in der Startup-Welt zwar drastisch klingt, aber in der Sache ein wichtiges Signal ist. Wenn ein Team die Codebasis vollständig austauscht, steht dahinter meist ein grundlegender Wechsel in Architektur, Datenpipeline und Produktlogik, etwa weil die Anforderungen an Generierung, Qualitätssicherung und Agenten-Workflows nicht mit dem ursprünglichen Entwurf zusammenpassen.
Historisch betrachtet ist das ein Wiedererkennungswert: In den letzten Jahren haben sich viele KI-Startups im Marketing erst an den „letzten Metern“ versucht – also an Messung, Budgetsteuerung oder Kampagnenanalyse. Mit dem Durchbruch generativer Modelle wurde dann deutlich, dass Agenturen oft nicht primär an Dashboards scheitern, sondern daran, dass Creative-Zyklen teuer und langsam sind. Genau dort verorten auch Melius und seine Konkurrenz ihren Wert. Melius hat dabei nach einer ersten Veröffentlichung nahezu ein Jahr später eine Plattform offenbart, die es als „agents lab for creative work“ beschreibt. Solche Agenten-Setups zielen in der Regel darauf ab, aus einer Beschreibung des Ziels (z. B. Kampagnenstil, Zielgruppe, Kanäle und gewünschte Formate) konkrete Artefakte abzuleiten und den Prozess mit Zwischenschritten abzusichern. Entscheidend ist dabei, dass es nicht beim reinen Prompt-to-Image bleibt, sondern dass eine Kette aus Planung, Generierung und iterativer Verbesserung entsteht, die im Alltag einer Kreativabteilung funktioniert.
Der Wettbewerbsdruck ist gleichzeitig real, aber nicht zwangsläufig existenziell. Melius stellt ausdrücklich klar, dass der Markt mehrere Anbieter hergeben kann. Kim verweist auf den Wettbewerber Higgsfield, der laut eigenen Angaben bereits nach drei Jahren auf eine hohe zweistellige Millionendynamik in Kennzahlen gekommen ist und dessen Bewertung im August bei 5,4 Milliarden US-Dollar gelegen habe. Ebenso nennt Melius weitere kleinere Player wie Krea und Flora AI. Interessant ist jedoch, wie Kim die Differenzierung rahmt: Er erkennt, dass Higgsfield „growing like mad“ sei, argumentiert aber, die Nachfrage nach KI-generierten Werbeassets sei so groß, dass mehrere Plattformen Kunden gewinnen können. Für potenzielle Unternehmenskunden bedeutet das: Sie können Auswahl treffen, ohne sofort befürchten zu müssen, dass nur ein einziger Anbieter den gesamten Markt „abdeckt“ – zumindest solange Anbieter ihre Workflows hinreichend in bestehende Produktionsprozesse integrieren.
Für die Frage, was diese Entwicklung für die KI-Entwicklung in Marketing-Teams konkret bedeutet, lohnt ein Blick auf die Genese der Gründer. Die drei Gründer – Joowon Kim, Young Kim und Arnav Ramu – kannten sich aus ihrer Zeit als Engineers bei Ramp, also in einem Umfeld, das stark von Automatisierung und Produktdisziplin geprägt ist. Diese Perspektive passt zu der Aussage, dass es ihnen nicht genügte, ein einzelnes Tool zu bauen. Stattdessen setzen sie auf eine Plattform, in der Teams ihre Ideen „in plain language“ in Ergebnisse übersetzen können, inklusive erfahrener Creative Directors. Auch der Hintergrund des Gründers, der sich über Jahre für Kurzvideo- und Medienproduktion interessiert und zunächst selbst Contentformate wie Vlogs erprobt hat, liefert eine plausible Motivation: Wer kreativ arbeitet, erkennt schnell, welche Lücke zwischen Konzept und fertigem Asset in der Praxis Zeit frisst. Genau diese Lücke wollen sie mit einer generativen, agentenartigen Pipeline schließen.
Aus Markt- und Implementierungssicht sind die nächsten Monate damit weniger eine „Modell“- als vielmehr eine „Betriebs“-Frage. Wenn Melius bereits nach kurzer Zeit auf annualized Umsatzzahlen kommt, ist das ein Hinweis darauf, dass mindestens ein Teil der Zielgruppe bereit ist, für generierte Creative Assets zu zahlen. Offen bleibt jedoch, wie sich die Qualität über Formate und Kanäle hinweg stabilisieren lässt, wie schnell Iterationen im Produktionsalltag möglich sind und wie die Plattform mit Feedbackschleifen umgeht, die in Agenturen üblich sind. Genau hier entscheidet sich häufig, ob eine KI-Agents-Lösung als spielereiähnliche Demo endet oder als Produktionswerkzeug in Teams landet, die täglich Kampagnen ausrollen. Unterm Strich zeigt die Runde: Melius setzt nicht nur auf Künstliche Intelligenz als Generierungsmaschine, sondern auf einen Plattformansatz, der Creative-Arbeit organisatorisch „maßschneidert“ – und genau dafür investieren gerade auch große Wagniskapitalgeber.
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