LONDON (IT BOLTWISE) – RapidFort und SpaceWERX haben eine Cooperative Research and Development Agreement (CRADA) geschlossen, um Cybersecurity-Fähigkeiten für Systeme der U.S. Space Force aufzubauen und zu testen. Im Fokus stehen Risiken durch KI-Software-Schwachstellen, mögliche Angriffe gegen Verschlüsselung nach dem Post-Quantum-Ansatz sowie schnellere und zugleich sichere Authority-to-Operate-Prozesse. Die Zusammenarbeit verknüpft SpaceWERX-Teams aus Betrieb und Beschaffung mit dem Software- und Open-Source-Ökosystem von RapidFort, damit neue Lösungen in einer „near real time“-Schleife validiert werden. Ergänzend will RapidFort die ATO-Schulung und die Patch-Zeiten nach eingehenden Upstream-Fixes standardisieren.

RapidFort und SpaceWERX bündeln KI-Security und Post-Quantum für US-Raumfahrt
RapidFort und SpaceWERX bündeln KI-Security und Post-Quantum für US-Raumfahrt (Foto: IT BOLTWISE)
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Die neue CRADA zwischen RapidFort und SpaceWERX zielt auf ein ganz konkretes Problem: In der Raumfahrt ist Software nicht nur „Teil des Systems“, sondern oft der Teil, der über Lebensdauer, Missionsfähigkeit und Sicherheitslage entscheidet. Wenn KI-gestützte Komponenten hinzukommen, steigen die Angriffsflächen häufig nicht wegen einzelner Codezeilen, sondern durch komplexere Supply-Chain-Abhängigkeiten, schnellere Release-Zyklen und schwerer nachvollziehbare Abhängigkeiten in Modellen und Integrationen. Genau hier setzt das Abkommen an: Es soll Sicherheitsfähigkeiten für U.S.-Space-Force-Systeme entwickeln und evaluieren, insbesondere mit Blick auf das Ausnutzen von Schwachstellen in KI-Software sowie die organisatorischen Hürden, die neue Software überhaupt in den Betrieb bringen.

Technisch wird das Vorhaben als klassische Kombination aus Validierung und Engineering gedacht, aber mit einem klaren Betriebskontext. RapidFort bringt dafür sein Modell für Software Supply Chain Security (SSCS) ein – in der Form, dass kuratierte, „truly open-source“ Komponenten systematisch für Sicherheitszwecke verteilt bzw. verfügbar gemacht werden. SpaceWERX wiederum öffnet über seine Rolle als Innovationsarm der U.S. Space Force und als Division des Air Force Research Laboratory den Zugriff auf operationales Wissen, Beschaffungsprozesse und konkrete „Guardian“-Anforderungen. Die CRADA verbindet damit nicht nur Laborexpertise, sondern auch das Zusammenspiel aus Entwicklung, Risikoanalyse, Beschaffung und späterer Freigabe, damit die geprüften Sicherheitsmaßnahmen nicht an den Realitätschecks im Einsatz scheitern.

Im Zentrum stehen drei Risikofelder, die in der Praxis oft parallel adressiert werden müssen. Erstens geht es um AI software vulnerability exploitation risk: Also darum, wie sich Schwachstellen in KI-relevanten Softwarekomponenten so ausnutzen lassen, dass Angriffe schneller wirksam werden als klassische Härtungs- oder Review-Zyklen. Zweitens wird das Thema post-quantum encryption risk aufgegriffen. Damit ist der Übergang in der Kryptografie gemeint, bei dem „klassische“ Verfahren durch solche ersetzt werden sollen, die auch gegen Angriffe mit zukünftigen Quantencomputern bestehen können – und bei dem die eigentliche Herausforderung häufig nicht die Theorie ist, sondern Migration, Interoperabilität und prüfbare Betriebsfähigkeit. Drittens adressiert die Partnerschaft cyber readiness und faster Authority to Operate (ATO) processes, also die Frage, wie man Sicherheitsfreigaben für neue Software schneller erhält, ohne die Prüftiefe zu verlieren.

Besonders greifbar werden die operativen Erwartungen über konkrete Elemente des Abkommens. RapidFort will seine Patch-Strategie mit einem Patch-Time-Service-Level-Agreement (SLA) verzahnen: Sobald ein Fix im Upstream existiert, sollen Patches innerhalb von sieben Kalendertagen für „Critical/High“, innerhalb von 21 Tagen für „Medium“ und innerhalb von 28 Tagen für „Low“ bereitgestellt werden. Das ist in sicherheitskritischen Umgebungen deshalb relevant, weil sich die Wirksamkeit von SDL-/SSCS-Maßnahmen oft am Zeitverlauf entscheidet: Wenn ein verwundbarer Zustand länger in der Lieferkette bleibt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er bereits ausgenutzt wurde oder dass Angreifer zuverlässig darauf zugreifen. Dazu kommt die geplante Erweiterung des ATO-Wissens: RapidFort nennt ein „Ask an Approving Officer Program“, das Industrie und Guardians einen wiederholbaren Ablauf geben soll, um ATO-Zeiträume zu reduzieren – gerade bei KI-Software, die im Text als priorisiert („national Department of War priority“) beschrieben wird.

Auch der Netzwerk-Charakter ist Teil der technischen Logik. Die CRADA soll SpaceWERX-Operational- und Acquisition-Teams mit RapidFort und dessen Open-Source-Ökosystem zusammenbringen, um kommerzielle Cybersecurity-Lösungen zu testen und zu verfeinern. In der Formulierung ist dabei eine Rückkopplungsschleife („feedback loop“) beschrieben, mit der die Space Force Fähigkeiten in „near real time“ validieren will. Das ist für Unternehmen im Umfeld von Verteidigungs- und Raumfahrt-IT vor allem dann bedeutsam, wenn sie ihre Produkte nicht nur als „fertige Lösung“ einreichen, sondern entlang der tatsächlichen Beschaffungs- und Betriebsanforderungen iterieren können. Die Partnerschaft soll laut Abkommen darüber hinaus helfen, aus dem Pilotstatus schneller eine kommerzielle Einsatzfähigkeit zu machen – indem technische Expertise, Infrastruktur und operative Erkenntnisse gebündelt werden.

Für den Markt wirkt das Signal in Richtung „Sicherheit als Prozess“ statt „Sicherheit als Produkt“. Wer KI-gestützte Funktionen in kritische Systeme integriert, steht typischerweise vor einem Zielkonflikt zwischen Tempo und Prüfbarkeit: Modelle und abhängige Softwarestände ändern sich schneller als klassische Freigabezyklen. Die Kombination aus Supply-Chain-Security-Ansatz (kuratiert, schnell patchbar), Post-Quantum-orientierter Migrationslogik und ATO-Beschleunigung versucht genau diesen Konflikt zu glätten. Für die Industrie bedeutet das, dass sich Beratungs- und Engineering-Teams stärker an wiederholbaren Mustern orientieren müssen: nachvollziehbare Patch-Zeitpläne, prüfbare Sicherheitszuschnitte und klare Wege zu Freigaben. In der Summe ist die CRADA damit weniger eine einzelne Technologieankündigung als ein Versuch, die Sicherheitsarchitektur für KI-Software in Raumfahrtumgebungen von der Lieferkette bis zur Betriebsfreigabe systematisch durchzuziehen.

Ein weiterer Aspekt ist die Ausweitung von Schulungs- und Clearance-nahem Wissen innerhalb des SpaceWERX-Ökosystems. RapidFort erwähnt ergänzende „Ask a Facilities Security Officer (FSO)“-Bildungsinhalte, um zentrale Projektfreigaben und Clearances schneller zu ermöglichen. Ergänzend ordnet das Unternehmen seine Einbindung in übergreifende KI- und Security-Communitys ein, unter anderem über die Mitarbeit in Initiativen rund um Open-Source-Software. Für Entscheider heißt das: Die CRADA baut nicht nur Testumgebungen, sondern auch Kommunikations- und Prozesskompetenz, die in der Verteidigungs-IT häufig ebenso wertvoll ist wie die eigentlichen Code-Änderungen. Damit verschiebt sich der Fokus von „Wer liefert das Tool?“ hin zu „Wie wird das Tool in einer sicheren Lieferkette, mit klaren Patch- und Freigaberoutinen, wirklich produktiv?“


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