PETALUMA / LONDON (IT BOLTWISE) – Diamond Quanta eröffnet in Petaluma einen Operations- und Prozessentwicklungsstandort für die Pilotfertigung von Diamantmaterialien. Im Zentrum steht das System „Diamond Forge 1“, das Synthese, Oberflächenvorbereitung und Messtechnik für Kundenzulassungen zusammenführen soll. Für den Start sind zunächst 10 überwiegend hochqualifizierte Jobs geplant. Das Projekt setzt auf eine saubere Fertigungsumgebung und auf starke Stromanschlüsse, weil Hochlast-Industrieanlagen in der Region oft schwer bezahlbar sind.

Mit dem Schritt von Mountain View nach Petaluma verschiebt Diamond Quanta sein Schwergewicht bei der Fertigung: Der kalifornische Standort soll als primäres Operations- und Prozessentwicklungszentrum dienen, während der Hauptsitz in Mountain View bleibt. Die Firma spricht dabei bewusst von „Diamond Valley“ – als Anspielung auf das frühere „Telecom Valley“, das in den 1990er-Jahren rund um Petaluma und Santa Rosa zu einem regionalen Technologie- und Fertigungszentrum wurde. Die Strategie dahinter ist weniger Marketing als Standortlogik: Kundinnen und Partner sitzen in der Nähe von Silicon Valley, gleichzeitig verspricht Petaluma Platz für Kapazitätsaufbau sowie industrielle Infrastruktur, die im Ballungsraum oft schneller an Grenzen stößt.
Technisch wird das Vorhaben über einen klaren Fertigungs- und Integrationskern greifbar: „Diamond Forge 1“ ist als Pilot- und Prozesssystem angelegt, das die gesamte Kette von der Diamantsynthese über die Oberflächenvorbereitung bis zur Messtechnik bündeln soll. Damit will Diamond Quanta aus einzelnen Prozessbausteinen eine konsistente Produktionsroutine formen, die sich für die Qualifizierung durch Kunden eignet. Bis zur Serienproduktion plant das Unternehmen, seine Prozesse zu lizenzieren und Kunden später ähnliche Anlagen für eigene Produktionslinien bereitzustellen. Entscheidend ist dabei auch die Skalierbarkeit des Systems: Das Tool soll für eine hochdurchsatzfähige Fertigung ausgelegt sein, inklusive der Verarbeitung von 300-mm-Halbleiterwafern und gleichzeitig mehrerer plattenförmiger Bauteile im Smartphone-ähnlichen Format.
Die realen Anforderungen an die Infrastruktur werden beim geplanten Ausbau besonders deutlich. Diamond Quanta richtet einen 1.000-Quadratfuß-Raum der ISO-Klasse 5 als Reinraum ein – ein Umfeld, in dem Partikel in der Luft so stark limitiert sind, dass sie sensible Fertigungsschritte nicht kontaminieren. In diesem kontrollierten Bereich soll das Hauptwerkzeug auf etwa 25 Fuß Länge aufgebaut werden, inklusive einer Versorgung über 480 Volt und einem Verbrauch im Bereich von „tens of kilowatts“, also im zweistelligen Kilowattbereich. Genau solche Strom- und Leistungsbedingungen sind in Nordkalifornien ein Flaschenhals-Thema: Laut der Darstellung im Umfeld der Region werden Unterstationen und Zuleitungen (Substations und Feeder) mit Blick auf neue Lasten ausgebaut – von Elektrifizierung im Verkehr bis zu Rechenzentren und anderen Großverbrauchern.
Der Standortentscheid hängt daher nicht nur an „welche Halle passt“, sondern an der Frage, wie schnell und günstig sich verfügbare Leistung in nutzbare Kapazität verwandeln lässt. Diamond Quanta verweist auf bestehende industrielle Strominfrastruktur in Petaluma als einen Faktor und nennt außerdem ein wirtschaftliches Rate-Matching-Programm, das Stromkosten senken soll, indem Kalifornien-Preise mit konkurrierenden Standorten gegeneinander abgebildet werden. Im größeren Marktbild passt das zu einem regionalen Wettbewerb um leistungsfähige Industriegebäude: Laut Kristin Hagedorn, Research Director für den Northern-California-Industrial-Bereich bei JLL, ist die Nachfrage nach fortgeschrittener Fertigung (Advanced Manufacturing) inzwischen in der regionalen Vermietungsbilanz stärker als Lager- und Distributionsnutzung. Sie führt das unter anderem auf Investitionen in physische KI-Infrastruktur und Datenzentren zurück – getrieben durch Unternehmen aus Halbleiter-, Drohnen-, Autonomie- und Quanten-Ökosystemen.
Auch beim Personal startet das Projekt bewusst mit einem begrenzten, aber zielgerichteten Kern. Für den Betrieb sind zunächst 10 Jobs genehmigt, vor allem für hochqualifizierte technische Rollen und Positionen im Bereich Advanced Manufacturing. Der weitere Personalaufbau soll sich nach Angaben des CEO Adam Khan daran ausrichten, dass software- und prozessseitige Anpassungen abgeschlossen werden, um mehr Mitarbeitende in den Betrieb einbinden zu können. Zusätzlich soll die Skalierung folgen, sobald Kundenqualifizierungsprogramme in Richtung echter Produktionsaufträge übergehen. Für den Fertigungsbetrieb ist das Muster typisch: Pilotanlagen benötigen zuerst enge Prozessfenster, dann wird das Team auf Basis von wiederholbaren Qualitäts- und Taktanforderungen erweitert.
Inhaltlich fokussiert Diamond Quanta beim ersten Produkt auf langlebige Diamant-Optikoberflächen sowie auf diamantbasierte thermische Schnittstellen, die Wärme aus dichter werdenden Halbleiter- und Packaging-Systemen abführen sollen. Die längerfristige Forschung zielt darauf, von passiven thermischen Materialien hin zu aktiven Diamant-Mikroelektronik-Konzepten zu gelangen. Als Schaufenster plant das Unternehmen, die ersten lokal gefertigten Teile auf der CES 2027 in Las Vegas vorzustellen – mit Demonstrationen zu engineered-diamond-Optikflächen und thermischen Interfaces für Halbleiter- und Packaging-Anwendungen. Entscheidend ist dabei die Schnittstelle zwischen Materialwissenschaft und Produktionsrealität: Nicht die Laborprobe allein entscheidet über Kundennutzen, sondern die Reproduzierbarkeit der Oberflächen- und Prozessparameter.
Die Einbettung in ein überregionales Netzwerk aus Technologie, Kapital und Beschleunigern soll den Aufbau beschleunigen. Diamond Quanta nennt unter anderem ExtenD aus Japan für Diamant-Depositionstechnologie sowie Heller Industries aus New Jersey als Investor und Systemintegrator für Produktionsequipment. Forschungsseitig gibt es Verbindungen zum Lawrence Livermore National Laboratory, außerdem eine Teilnahme an einem Semiconductor- und Photonics-Accelerator sowie an „NVIDIA Inception“, dem Startup-Supportprogramm. Geschäftsführer- und Teamhistorie ergänzt das Bild: CEO Adam Khan arbeitet seit über 15 Jahren im Bereich lab-grown Diamond und gründete zuvor Akhan Semiconductor, wo er Diamant-Dünnschichtanwendungen für Elektronik und Optik entwickelt und laut Darstellung über 38 Patente im Bereich Diamanttechnologie ausgearbeitet hat.
Schließlich ist der Blick zurück auf das „Telecom Valley“ relevant, weil er zeigt, dass der regionale Arbeitsmarkt und das Branchenwissen nicht vollständig verschwinden, sondern sich verlagern. Optik-, Beschichtungs- und Dünnschichttechnologie hatten laut den Ausführungen im Umfeld schon vor dem aktuellen Vorhaben einen festen Platz in der Fertigungslandschaft rund um Petaluma. Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Kontext anspruchsvoll: Nach dem Boom der 1990er-Jahre folgte ab 2001 eine Phase mit deutlichen Jobverlusten in der Telekommunikation, viele Anbieter schlossen oder verlagerten ihre Produktion. Diamond Quanta formuliert „Diamond Valley“ deshalb als Aufbau eines ersten Knotens, an dem Lieferanten und verwandte Firmen wachsen könnten. Der Workforce-Teil soll dabei über lokale Bildungs- und Trainingsstrukturen gestützt werden, unter anderem über Programme an Santa Rosa Junior College sowie über Kooperationen im Biomanufacturing-Umfeld am Campus Vacaville von Solano Community College. Damit versucht das Projekt, eine neue industrielle Erfolgsgeschichte aufzusetzen – diesmal um Diamantmaterialien, deren Wert in High-Tech-Systemen wie Halbleitern und thermisch belasteten Packaging-Strukturen entsteht.
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