SCHÖNEFELD / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) ein System zur Drohnenerkennung in Betrieb genommen. Dadurch sollen Drohnen im An- und Abflugbereich frühzeitig entdeckt und die zuständigen Stellen bei möglichen Gefährdungen informiert werden. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger ordnet das Vorgehen als Reaktion auf eine zunehmende Gefahr durch Drohnen im Flughafenumfeld ein. Für das Jahr kündigt das Bundesverkehrsministerium weitere Ausstattungen internationaler Verkehrsflughäfen an.

Am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) wechselt das Thema Drohnensicherheit von der Reaktion zur Früherkennung: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat dort ein System zur Drohnenerkennung in Betrieb genommen. Laut Mitteilung des Bundesverkehrsministeriums soll es Drohnen im An- und Abflugbereich frühzeitig identifizieren, damit die zuständigen Stellen bei möglichen Gefährdungen für den Luftverkehr schneller reagieren können. Damit rückt der Flughafenbetrieb in den kritischen Minuten vor Start und Landung stärker in den Fokus, in denen sich Flugbewegungen und potenzielle Hindernisse zeitlich und räumlich überlagern.
Für Minister Steffen Bilger war der Geschwindigkeitseffekt entscheidend. Er sagte am BER am späten Dienstagabend, man nehme die „zunehmende Gefahr durch Drohnen im Umfeld der Flughäfen sehr ernst“ und habe deshalb „schnell gehandelt“. Hinter dieser Logik steht ein konkreter operativer Bedarf: Wenn Drohnen erst bemerkt werden, wenn sie bereits in unmittelbarer Flugschutzzone sichtbar werden, bleibt weniger Zeit für organisatorische Gegenmaßnahmen. Das neue System zielt daher auf eine zeitliche Vorverlagerung der Informationslage ab, nicht nur auf die bloße Detektion einzelner Vorfälle.
Technisch betrachtet dürfte die Wirksamkeit des Systems vor allem von der Erfassungsfähigkeit im An- und Abflug abhängen. Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach betonte, Drohnenereignisse hätten „unterschiedliche Ursachen“; nicht jede Drohne sei automatisch eine Gefahr, bleibe aber potenziell riskant. Genau hier setzt der Nutzen früher Signale an: Ein Detektionsprozess kann dabei helfen, dass die zuständigen Stellen nicht erst im Moment der Sichtung handeln müssen, sondern Ereignisse priorisieren, prüfen und gegebenenfalls Maßnahmen für den laufenden Betrieb einleiten. In der Praxis zählt dabei auch die Abstimmung mit den Abläufen am Tower, weil die Entscheidungen typischerweise in Echtzeit getroffen werden müssen.
Die Entscheidung für den Ausbau wird zudem mit einer Häufung von Drohnensichtungen begründet. Den Angaben zufolge gab es wiederholt Drohnensichtungen im Umfeld deutscher Flughäfen; am BER wurden dabei allein im ersten Halbjahr 2026 laut DFS-Angaben so viele Flugobjekte registriert wie an keinem anderen deutschen Flughafen. Konkret zählte der Tower in Schönefeld in den sechs Monaten 28 Drohnenflugobjekte. Das war eine Sichtung mehr als im selben Zeitraum am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main – ein Detail, das die Dringlichkeit für Berliner Betreiber und Luftraumnutzer unterstreicht.
Auch die Folgen für den Betrieb zeigen die Relevanz des Themas: In sieben Fällen musste der Flugverkehr am BER deswegen vorübergehend unterbrochen werden. Selbst wenn die Ereignisse nicht dauerhaft eskalieren, wirken solche Unterbrechungen in den belasteten Tagesabläufen wie ein Störsignal, das Slots, Anschlussflüge und Umleitungsentscheidungen beeinflussen kann. Je früher Informationen zur möglichen Gefährdung vorliegen, desto eher lassen sich Abläufe so koordinieren, dass es zu weniger schnellen, operativ teuren Eingriffen kommt.
Für die nächsten Schritte kündigt das Bundesverkehrsministerium einen rollierenden Ausbau solcher Systeme an. „Im Laufe des Jahres“ sollen demnach sukzessive weitere internationale Verkehrsflughäfen mit Systemen für die An- und Abflugbereiche ausgestattet werden. Diese Formulierung passt zu einem Ansatz, bei dem nicht nur einzelne Standorte technologisch nachgerüstet werden, sondern eine standardisierte Erkennungslogik in ähnliche Flugphasen übertragen wird. Für Betreiber und Fluglotsen bedeutet das mittelbar auch: Trainings- und Prozessanpassungen können sich künftig weniger auf Einzelfälle beschränken, sondern folgen dem Muster „Detektion plus definierte Handlungswege“.
Für die Branche ist die Inbetriebnahme am BER damit mehr als eine regionale Meldung. Sie zeigt, wie stark sich Flughäfen in Richtung technischer Lagebilder bewegen: Statt ausschließlich auf Sichtmeldungen oder isolierte Ereignisse zu setzen, soll die Information vor strukturellen Entscheidungen liegen. Gleichzeitig bleibt die Aussage von Crumbach wichtig, weil sie einen blinden Alarmismus vermeidet: Nicht jede Drohne ist eine Gefahr, aber die potenzielle Bedrohung erfordert schnelle Reaktionsfähigkeit. Wenn sich der Ausbau über andere internationale Verkehrsflughäfen fortsetzt, wird die Kombination aus Detektion, Verifikation und operativen Reaktionsketten für KI-gestützte Auswertungen und automatisierte Priorisierung in den Hintergrund rücken müssen – und genau dort entscheidet sich später, wie robust Drohnensicherheit im regulären Tagesbetrieb tatsächlich wird.
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