MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Münchner Planungsausschuss hat einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2207 im Bildungscampus Westpark gefasst. Gleichzeitig läuft die Änderung des Flächennutzungsplans mit integrierter Landschaftsplanung. Auf dem 14,75 Hektar großen Areal zwischen A96, Fürstenrieder Straße und Westpark werden vier Schulstandorte sowie bestehende Betreuungsangebote neu geordnet. Die Stadt will dadurch Kapazitäten erhöhen, Bestände sanieren und Sport- sowie Lernflächen modernisieren.

Die Neustrukturierung des Bildungscampus Westpark beginnt nicht mit der Baugenehmigung, sondern bereits auf der Ebene, auf der Konflikte zwischen Verkehr, Freiraum und Nutzungsansprüchen früh entschärft werden: Der Münchner Planungsausschuss hat den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 2207 sowie für die Änderung des Flächennutzungsplans mit integrierter Landschaftsplanung angestoßen. Damit legt die Stadt planerisch die Grundlagen für eine echte Neuordnung statt einer bloßen Addition einzelner Sanierungsmaßnahmen. In der Praxis bedeutet das, dass die Rahmenbedingungen für Erschließung, Bauflächen und grünordnerische Vorgaben gleichzeitig neu justiert werden können, bevor konkrete Entwürfe in die Detailplanung gehen. So soll der Campus im Westen der Landeshauptstadt schrittweise zu einer modernen Bildungslandschaft verdichtet werden.
Der betroffene Standort ist mit 14,75 Hektar deutlich groß genug, um mehrere Schulformen, Sportflächen und Betreuungsangebote sinnvoll zusammenzuführen. Geografisch liegt das Areal zwischen der Autobahn A96, der Fürstenrieder Straße und dem Westpark; dort existieren aktuell vier Schulstandorte, eine Kindertageseinrichtung sowie das ehemalige Gelände der Landesgehörlosenschule an der Gerty-Spies-Straße. Der städtische Ansatz zielt darauf ab, das gesamte Gelände neu zu ordnen, bestehende Bildungseinrichtungen zu erweitern und die Bestände teilweise instandzusetzen beziehungsweise umfassend zu sanieren. Wer in solchen Quartieren schon einmal Projektplanung betrieben hat, erkennt den Kern: Erst durch eine klare Gesamtlogik für Flächenzuschnitt, Wegebeziehungen und Nutzungsphasen lassen sich spätere Umplanungen reduzieren – und genau das wird in einer Schulbauoffensive typischerweise priorisiert.
Technisch und organisatorisch stehen dabei mehrere Bauabschnitte im Fokus, die Kapazitätserweiterung und Funktionszuschnitt verbinden. Im nördlichen Bereich, angrenzend an die Autobahn entlang der Gerty-Spies-Straße, soll ein fünfgeschossiger Neubau entstehen: Für das Erasmus-Grasser-Gymnasium ist ein Sechszügig-Ausbau vorgesehen. Als architektonischer Auftakt an der Fürstenrieder Straße ist zudem ein separates Sporthallengebäude geplant, das zwei übereinanderliegende Dreifachsporthallen beherbergt. Die räumliche Idee dahinter ist nachvollziehbar: Sportflächen sind im Schulalltag stark ausgelastet und reagieren zugleich sensibel auf Lage und Erschließung – mit einem konzentrierten Hallenkörper lassen sich Wege- und Sicherheitskonzepte für den Betrieb besser steuern, als wenn mehrere kleinere Lösungen verteilt werden. Gleichzeitig kann der Campus dadurch klarer „lesbar“ werden, weil die Sportinfrastruktur als wiederkehrender Orientierungspunkt wirkt.
Während der Neubau im Norden die Zukunftskapazität setzt, wird der Bestand im Zentrum und im Süden auf Leistungsfähigkeit getrimmt. Das denkmalgeschützte Erasmus-Grasser-Gymnasium soll generalsaniert und zu einer fünfzügigen Realschule ausgebaut werden. Auch das denkmalgeschützte Ludwigsgymnasium erfährt eine Erweiterung um zwei Züge auf eine fünfzügige Kapazität. Damit steigt nicht nur die Zahl der Klassen, sondern es müssen auch Funktionsbereiche wie Fachräume, Verwaltung und Logistik im Schulalltag mitwachsen. Konkret ist vorgesehen, dass die Bestandsgebäude des Ludwigsgymnasiums durch einen viergeschossigen Erweiterungsbau an der Fürstenrieder Straße ergänzt werden. Der südliche Campusbereich südlich der Andreas-Vöst-Straße soll ebenfalls neu strukturiert werden: Die zweizügige Grundschule wird nach dem Lernhauskonzept für den Ganztagsbetrieb ausgebaut, wobei die zugehörigen Sportflächen neu geordnet werden. Gerade das Zusammenspiel aus Lern- und Ganztagsflächen entscheidet darüber, wie reibungslos Betreuung, Pausenmanagement und Unterrichtsalltag zusammenfinden.
Abseits der großen Schulgebäude zieht sich die Umgestaltung auch durch den Bereich Betreuung und Förderschulen. Die Kindertageseinrichtung in der Gilmstraße 48 soll erweitert werden, alternativ ist ein Austausch durch ein Haus für Kinder vorgesehen, das vier Kindergartengruppen und drei Kinderkrippengruppen umfasst. Zudem wird das derzeit auf zwei Standorte verteilte Förderzentrum München Mitte 3 im Zuge der Neukonzeption auf einem Schulgrundstück an der Droste-Hülschoff-Straße zusammengeführt – nördlich der Autobahn. Damit verschiebt sich auch die operative Organisation: Fördereinrichtungen profitieren typischerweise von klaren, zusammenhängenden Strukturen, weil Personal- und Therapieprozesse im Alltag planbarer werden. Aus der Perspektive von Betreiber- und Bauplanung ist das ein wichtiger Punkt, denn jede Standortdoppelung erhöht Abstimmungsaufwand, während eine konsolidierte Struktur die Grundlage für stabilere Abläufe schafft.
In Summe betrachtet zeigt die Maßnahme, wie städtische Schulbauplanung heute stärker als Gesamtquartier funktioniert: Bebauungsplan, Flächennutzungsänderung und Landschaftsplanung greifen ineinander, bevor einzelne Gebäude „optimiert“ werden. Für die technische Seite der Projektumsetzung heißt das, dass Schnittstellen früh verbindlich geklärt werden müssen – von Erschließungswegen bis zu Bauphasen, die den laufenden Betrieb möglichst wenig stören sollen. Gleichzeitig entsteht für die Stadt ein messbarer Hebel: Kapazitäten werden erhöht, Bestände werden auf den Stand moderner Anforderungen gebracht und Sport- sowie Lernflächen werden neu gedacht. Ob die Umsetzung anschließend bei allen Beteiligten termintreu aufgeht, hängt nun an der Detailplanung und den nächsten Schritten im Verfahren; dennoch liegt mit der Beschlusslage bereits ein belastbarer Fahrplan vor, um den Campus Westpark im Münchner Westen nachhaltig zu modernisieren.
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