LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin hat die 62%-Marke seines aktuellen Halving-Zyklus erreicht und damit rechnerisch einen Abschnitt erreicht, in dem frühere Bärenmärkte häufig ihren Boden gefunden haben. Seit dem Halving im April 2024 sind rund 900 Tage vergangen, während BTC aktuell nahe 83.100 US-Dollar notiert. Der Countdown bis zum nächsten Halving läuft noch bis Block 1.050.000, womit sich der Ausblick zeitlich in Richtung April 2028 schiebt. Ob die Bodenbildung bereits abgeschlossen ist, bleibt jedoch umkämpft, weil es 2018 eine späte Abwärtswelle nach genau dieser frühen Zwischenphase gab.

Die Diskussion um den „nächsten Boden“ im Bitcoin-Markt bekommt einen konkreten Taktgeber: Die Halving-Clock hat inzwischen 62% des aktuellen Vierjahresfensters durchlaufen. Für die Einordnung wichtig ist weniger die Schlagzeile als die Kombination aus Kalender und Blockrechnung. Laut dem öffentlich verwendeten Countdown steht das Netzwerk bei Block 970.344, während Block 1.050.000 als nächster Halving-Punkt gilt. Bei einem durchschnittlichen Rhythmus von rund 10 Minuten pro Block bedeutet das: Der größere Einschnitt in der Geldschöpfung durch sinkende Blockbelohnungen liegt noch etwa 79.656 Blöcke entfernt – zeitlich grob Richtung April 2028. Gleichzeitig notiert BTC heute in der Nähe von 83.100 US-Dollar und damit deutlich unter dem Oktober-2025-Hoch, aber klar oberhalb des Juli-Tiefs.
Der Mechanismus dahinter ist technisch vergleichsweise klar, marktseitig aber schwer zu „timing-sicher“ zu interpretieren. Mit dem Halving wird die Blockbelohnung halbiert: Von 3,125 BTC auf 1,5625 BTC pro Block. Das ist kein einzelnes Ereignis im Sinne eines Stichtags mit sofortiger Preisreaktion, sondern eine schrittweise veränderte Angebotsdynamik über viele Monate. Im aktuellen Zyklus ist die Phase mit 62% Abschluss insofern aussagekräftig, als frühere Marktzyklen an dieser Stelle entweder bereits in der Bodenbildungsphase waren oder zumindest nahe daran lagen. Dass der Markt heute nicht direkt „sicher“ wirkt, zeigt der Vergleich zur Preisspanne: Der Kurs liegt etwa 34% unter dem Oktober-2025-Peak und ungefähr 44% über dem Juli-Tief, was eher nach Erholungsbewegung als nach vollständiger Entwarnung aussieht.
Genau hier setzen Musterstudien an. Eine verbreitete Herangehensweise ist, die 62%-Marke über alle vier Halving-Zyklen hinweg aufzuzeichnen und die Zeitpunkte relativ zueinander zu vergleichen. In den historischen Fällen, die in der Analyse herangezogen werden, fällt der 62%-Punkt in den ersten Zyklen in die Phase, in der das jeweilige Tief bereits im Anschluss an die Abwärtswelle erreicht wurde (beispielsweise Anfang 2015). Im dritten Zyklus landet die Marke in einer Phase kurz vor bzw. um das bekannte Tief herum, das nach dem damaligen Schock im Kryptomarkt – ausgelöst durch den Zusammenbruch einer zentralen Handelsplattform – sichtbar wurde. Für den aktuellen Zyklus stützt der Zeitvergleich die Hoffnung: BTC hat bereits von einem Tief bei etwa 57.800 US-Dollar im Juli eine Erholung gestartet und bewegt sich heute rechnerisch im Zeitfenster, in dem die Marktgeschichte oft „gekippt“ ist.
Gleichzeitig gibt es einen oft übersehenen Stolperdraht: Das Muster ist nicht deterministisch. Der Vergleich zum Jahr 2018 zeigt das besonders deutlich – dort traf die 62%-Phase auf einen Kursbereich, in dem BTC noch nahe rund 6.000 US-Dollar lag, bevor es in den folgenden Wochen zu einer weiteren Abwärtsstrecke kam. Entsprechend formulieren einige Analysen eine zweite Warnung: Neben dem reinen Timing spielt die technische Struktur eine Rolle. In der Vergangenheit kam es nach dem Bruch von langfristigen Abwärtstrendlinien häufig zu Rücksetzern, die das zuvor gebrochene Muster erneut „testen“. Wenn ein solcher Retest wiederholt würde, könnte das den Kurs zurück Richtung Juli-Tief drücken – und damit das Halving-Timing zwar bestätigen, aber eben nicht als „sofortiges“ Ende des Bärenmarkts interpretieren lassen.
Auch die Intensität der Rückgänge verändert die Deutung. Im aktuellen Zyklus wird der maximale Drawdown mit etwa 54% beziffert; in früheren Bärenphasen lagen vergleichbare Rückgänge teils deutlich höher, etwa bei 77% oder mehr. Das spricht dafür, dass die Abwärtsphase bislang „abgemildert“ wirkt und die Marktstruktur weniger anfällig für eine letzte, besonders tiefe Kapitulationsbewegung sein könnte. Dennoch ist das Timing allein kein Risikoschutz: Entscheidend wäre, ob das Juli-Tief bei rund 57.800 US-Dollar als Untergrenze Bestand hat. Gelingt der Halt, dann deutet die Halving-Clock die Wahrscheinlichkeit an, dass die Bodenbildung bereits weit fortgeschritten ist. Bricht der Kurs darunter, würde der historische 2018-Vergleich wieder an Relevanz gewinnen und die Chance auf eine klassische „finale Etappe“ nach der 62%-Phase erhöhen.
Für Anleger und Unternehmen, die ihre Krypto-Strategien an Liquidität, Risiko-Modelle und operative Rahmenbedingungen koppeln, ist vor allem eines aus dieser Entwicklung abzuleiten: Die Kombination aus makroähnlichem Takt (Halving in Blockschritten) und mikrostrukturellem Verhalten (Trendlinien, Retests, Drawdown-Tiefe) ist das, was man beobachten sollte. Eine Halving-Clock liefert einen Kalender für Wahrscheinlichkeiten, ersetzt aber keine Marktvalidierung über technische Marken. Wer heute Kapital allokiert, sollte deshalb nicht nur „in Prozent durch“ denken, sondern auch in Triggern: Welche Kursbereiche werden verteidigt, welche werden zuerst getestet, und wie reagiert der Markt, wenn die erwartete Abwärtsendphase doch zu früh eingeordnet wurde. Gerade in Krypto kann eine scheinbar abgeschlossene Bodenphase Wochen später wieder kippen – und genau deshalb bleibt die Frage nach dem Status Quo des Bärenmarkts auch nach 62% Abschluss offen.
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