LONDON (IT BOLTWISE) – Eine exklusive Civey-Umfrage unter 10.000 Erwerbstätigen zeigt: Aktuell sorgen sich 73 Prozent nur wenig, 14 Prozent dagegen stark um den eigenen Arbeitsplatz durch KI. Besonders betroffen sind 18- bis 29-Jährige, wo der Anteil großer Sorgen auf 32 Prozent steigt. Bei der Frage nach der zukünftigen Stellensuche äußern fast ein Fünftel (19 Prozent) große Angst, unter Auszubildenden sogar 45 Prozent. Beamte berichten am seltensten über starke Sorgen, während Arbeiter am häufigsten betroffen sind.

KI-Jobangst in Deutschland: Jüngere sind deutlich besorgter
KI-Jobangst in Deutschland: Jüngere sind deutlich besorgter (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Arbeitsmarkt wird gerade nicht nur durch neue KI-Tools verändert, sondern auch durch eine spürbare Verschiebung im Sicherheitsgefühl. In zwei repräsentativen Civey-Umfragen, die zwischen dem 14. August und dem 30. September 2026 online erhoben wurden, blickten 5.000 Erwerbstätige auf ihre aktuelle Job-Sicherheit. Auf die Frage, wie groß die Sorge ist, den aktuellen Arbeitsplatz aufgrund von Künstlicher Intelligenz zu verlieren, antworteten die meisten jedoch überraschend beruhigt: Rund drei Viertel (73 Prozent) äußerten geringe Sorgen, davon 47 Prozent „sehr gering“. Lediglich 14 Prozent gaben an, große Sorgen zu haben.

Interessant ist dabei weniger das Gesamtbild als die Verteilung nach Alter. Je jünger die Befragten, desto stärker zeigte sich die Besorgnis, dass KI den Arbeitsplatz kostet. Unter den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil großer Sorgen bei 32 Prozent, in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es 24 Prozent. In den älteren Kohorten sinken die Werte deutlich: Bei den 40- bis 49-Jährigen beträgt er 13 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen acht Prozent und bei den über 65-Jährigen nur sieben Prozent.

Auch die berufliche Stellung differenziert das Bild. Im öffentlichen Dienst fühlen sich Beamtinnen und Beamte offenbar besonders abgesichert: Nur vier Prozent äußerten große Sorgen, während 90 Prozent von geringen Sorgen berichteten. Am anderen Ende der Skala stehen Arbeiterinnen und Arbeiter mit dem höchsten Anteil großer Sorge (29 Prozent). Angestellte und Führungskräfte liegen mit 12 beziehungsweise 15 Prozent nahe am Gesamtdurchschnitt – ein Hinweis darauf, dass die wahrgenommene Verwundbarkeit nicht linear mit Hierarchie oder Qualifikation ansteigt, sondern stärker mit Tätigkeitsprofilen und Wechselwirkungen mit Automatisierung zusammenhängt.

Wird die Perspektive in die Zukunft verlagert, kippt das Stimmungsbild allerdings. Bei der zweiten Umfragefrage, wie groß die Sorge ist, aufgrund von Künstlicher Intelligenz in Zukunft keine neue Anstellung im eigenen Berufsfeld zu finden, sagten fast jeder Fünfte (19 Prozent) „große“ Sorgen. Zwei Drittel (64 Prozent) ordneten ihre Angst als „gering“ ein. In der Summe wirkt KI damit vor allem als Unsicherheitsfaktor für die berufliche Anschlussfähigkeit: Der aktuelle Arbeitsplatz steht zwar in vielen Fällen noch nicht unter unmittelbarem Druck, aber die Angst vor einer künftig unpassenden Qualifikation wächst.

Diese Zukunftsangst konzentriert sich ebenfalls stark auf Jüngere. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen macht sich große Sorgen, künftig keine neue Anstellung im eigenen Berufsfeld zu finden. Mit zunehmendem Alter nimmt die Sorge kontinuierlich ab: In der Gruppe 30 bis 39 Jahre liegt der Anteil bei 29 Prozent, bei 40 bis 49 Jahren bei 21 Prozent. Bei 50 bis 64 Jahre sind es 13 Prozent und bei über 65-Jährigen zehn Prozent. Besonders deutlich wird der Unterschied bei Auszubildenden: Fast jeder zweite Azubi nennt große Sorgen (45 Prozent), während 44 Prozent „nur“ gering besorgt sind.

Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass sich die Einschätzung nach Beschäftigtengruppen deutlich unterscheidet. Bei der zukünftigen Jobsuche erwarten Beamtinnen und Beamte mehrheitlich eine stabile Lage: 84 Prozent begegnen der Frage mit Gelassenheit, während Arbeiterinnen und Arbeiter mit 47 Prozent den deutlich größten Anteil großer Sorgen stellen. Angestellte und Führungskräfte wirken dagegen weitgehend stabiler: Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Führungskräfte geben an, nur geringe Sorgen zu haben; bei Angestellten liegt der gelassene Anteil ebenfalls höher als im Arbeiter-Segment. Für die Praxis heißt das: Wer KI im Arbeitsalltag einführt, muss die emotionale Komponente von „Anschlussfähigkeit“ ernst nehmen, vor allem bei Berufseinsteigern und in Ausbildungsberufen. Die Methode der Erhebung berücksichtigt zudem Quotierungen und Gewichtungen; der statistische Fehler liegt laut Angaben bei 2,5 Prozentpunkten (Gesamtergebnis), wodurch die Unterschiede zwischen den Gruppen belastbar, aber nicht als Naturgesetz zu verstehen sind.

Damit steht weniger die Frage im Raum, ob KI Jobs „abschafft“, sondern wie schnell sich Aufgabenprofile, Qualifikationsanforderungen und Einstiegswege anpassen. Aus Sicht von Unternehmen und Bildungsanbietern verschiebt sich der Fokus auf Weiterbildung mit KI-Bezug, aber auch auf Transparenz: Wenn Beschäftigte verstehen, welche Tätigkeiten durch KI unterstützt werden, und welche Kompetenz künftig entscheidend ist, sinkt die Unsicherheit über zukünftige Einsatzchancen. Die Umfrage liefert dafür ein wichtiges Stimmungsbarometer – mit einem klaren Signal, dass Künstliche Intelligenz nicht nur Technik verändert, sondern auch Erwartungen an den eigenen Karrierepfad.


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